Was kann ich tun? – Haltung!

Macht’s wie wir: Werdet erwachsen“ (frei nach: Fridays for Future)

Missionieren funktioniert nicht – das mündet eher in eine Verweigerungshaltung des Gegenüber und reduziert vor allem eines: den Freundeskreis.

Aber:

Wir können mit gutem Beispiel vorangehen – und uns nicht mehr darum kümmern, was die anderen lassen oder tun: Das Prinzip „Ich geh‘ schon mal voraus“.


Dazu ist etwas vollkommen Unmodisches erforderlich: Haltung.

„Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünscht für diese Welt.“

Mahatma Gandhi zugeschrieben
  • Natürlich ist es ein riesiger Unterschied, ob ich beim Institut mit dem Porsche oder mit dem Fahrrad vorfahre, ob ich auf meinem Dozentenpult eine Plastikflasche mit Wasser hinstelle oder eine jahrelang verwendbare Edelstahl-Trinkflasche. Gerade wenn wir irgendwo im Fokus des Interesses stehen – und da reicht schon ein Vortrag – schauen die Menschen genau hin.
  • Selbstverständlich ist es ein riesiger Unterschied, ob ich mit meinem Bali-Urlaub angebe oder von meiner Harz-Trekkingtour erzähle.
    • In diesem Sinne auch Der Spiegel:
      • „Wenn niemand mehr Bewunderung dafür erntet, dass er mit dem Auto in unter fünf Stunden von Berlin nach München geheizt ist, sondern nur noch die irritierte Nachfrage hört, warum er nicht gleich den Zug genommen hat, dann kann den Verbrennungsmotor auch kein CSU-Verkehrsminister mehr retten. Wenn man die Bilder von der luxuriösen Fernreise keinem mehr zeigen mag, weil es peinlich geworden ist, mit seinem persönlichen Beitrag zur Klimakatastrophe auch noch zu protzen, dann wirkt das stärker als jede Erhöhung der Flugpreise.“

>> Quelle: Kuzmany, Stefan (2019): „Angst vor den Grünen. Die wollen uns ja alles verbieten“. in: Der Spiegel, 17.6.2019, online unter: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angst-vor-den-gruenen-alles-verboten-kolumne-a-1272839.html (Abrufdatum 20.6.2019)

  • Solche Dinge mögen im Weltmaßstab und auch hinsichtlich des CO₂-Austoßes von marginaler Bedeutung sein, aber sie fördern das eigene Bewusstsein. Und: Wir speichern – wenn wir aktiv Dinge tun – die Dinge im Kopf leichter ab, die wir uns ohne praktische Anwendung nur schwer merken können, sodass wir an uns selbst wachsen und auf dieser neuen Basis weiter voranschreiten können auf unserem Weg.
  • Unser Verhalten färbt auf unser Umfeld ab. So wie die Wahrscheinlichkeit dick zu werden größer ist, wenn sich im Freundeskreis Menschen mit entsprechenden Körpermaßen befinden, so gilt das auch für anderes Verhalten: Besitzen wir ein Auto, und wenn ja: Was für eins? Wie oft kaufen wir ein Neues? Unser Reiseverhalten, unser Essverhalten, die Art uns zu kleiden – alles wird latent von unserem Umfeld beeinflusst und inspiriert.

>> Quelle „dicke Freunde“: n.n. (2007): „Übergewicht Dicke Freunde machen dick“. in: Der Tagesspiegel, 26.7.2007, online unter https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/uebergewicht-dicke-freunde-machen-dick/997102.html (Abrufdatum 23.6.2019)

  • Jetzt kommt’s: Das funktioniert auch umgekehrt: Wenn wir bewusst kein Auto haben, nicht fliegen, VegetarierIn sind etc. pp – dann bekommt das unser Umfeld mit (obwohl wir damit nicht hausieren gehen, ergo: nicht missionieren!), stellt Fragen, kommt manchmal ins Nachdenken, beobachtet, ob auch andere Menschen des Umfeldes ähnlich wie wir agieren…

  • Und noch eins: Wir rechtfertigen uns alle gegenseitig. Das wird immer dann augenfällig, wenn man als Einzelperson den stillschweigenden Konsens aufkündigt – z.B., in dem man nicht mit Sekt auf den Geburtstag xy anstoßen möchte. Die Reaktionen sind voraussehbar: Frauen wird unterstellt, dass sie schwanger sind (ich kann es nicht mehr hören), es ertönt unvermeidlich „ach komm ein Schluck geht doch“ und bla-bla-bla.
    Eigentlich geht es darum, dass die/der andere ein leises schlechtes Gewissen hat – spätestens, wenn es darum geht, dass Person X kein Fleisch isst, kann es am Grill sogar zu aggressiven Reaktionen kommen, obwohl die/der VegetarierIn nichts weiter möchte, als ihre/seine Veggie-Bratwurst nicht unter die anderen gemischt zu sehen…
    Wenn nun im Freundeskreis weitere Menschen keinen Sekt wollen, nicht fliegen, kein Fleisch essen – aber zu Demos gehen, das Fahrrad nehmen, das Auto abschaffen, die Bahn nehmen, an die Nordsee statt in die Südsee reisen – dann wird dieses etablierte Rechtfertigungsschema schwieriger.
    Egal, um welches Thema es geht: Anecken ist wichtig! Reibungslosigkeit aufkündigen!


Jeder kann etwas tun, jede Handlung färbt ab. Nicht 1:1 – und selbst wenn der Freundeskreis immun sein sollte – das eigene Bewusstsein für die Dinge nimmt zu. Und vielleicht braucht man auch mal neue Leute um sich?


Das gleiche gilt für das Einkaufsverhalten. Selbstverständlich ist jede (Nicht-)Kaufentscheidung eine Abstimmung an der Ladenkasse.
Und auch hier gilt: Natürlich erzähle ich im Freundeskreis, dass wir Palmöl mittlerweile komplett aus unserer Wohnung verbannt haben und Nestlé von uns keinen Cent erhält.


Aber es gilt – wie erwähnt – auch: Die Forderung nach einer reinen Individualisierung der Klimakrise ist ein Ablenkungsmanöver der CDUcsuSPDfdp-Politik und der Industrie samt ihrer „Green Washing“-Produkte.

Deren Aufforderung:
„Kauf nachhaltige Produkte und die Welt wird gerettet sein und Du kannst weiter unbesorgt shoppen“ ist: Schwachsinn.

  • Was ich hier bezogen auf individuelles Handeln schildere, rettet definitiv nicht die Welt und kann so verstanden sehr frustrierend sein.

Es geht vielmehr darum, durch eigenes Alltagshandeln Bewusstsein für sich und sein Umfeld zu schaffen, wach zu werden, proaktiv in die Welt hineinzugehen, an sich selbst zu glauben, die negative gegenseitige Negativ-Rechtfertigung und Reibungslosigkeit zu durchbrechen, um auf dieser Basis eben ins Gespräch zu kommen, miteinander zu diskutieren, zu Demos zu gehen, Podiumsdiskussionen zu besuchen, Mitglied einer Umweltschutzorganisation zu werden, politisch aktiv zu werden, in einer NGO mit zu arbeiten…

>> siehe dazu auch: Kuzmany, Stefan (2019): „Angst vor den Grünen. Die wollen uns ja alles verbieten“. in: Der Spiegel, 17.6.2019, online unter: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angst-vor-den-gruenen-alles-verboten-kolumne-a-1272839.html (Abrufdatum 20.6.2019)

>> vgl. auch LLL-Beitrag: Unser Beziehungsstatus mit dem Klimakrise: „Es ist kompliziert.“



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