Was kann ich tun? – mögliche konkrete Verhaltensänderungen und Aktivitäten


Einige Inspirationen für ein nachhaltigeres, minimalistisches und in diesem Sinne von materiellen Dingen freieres Leben, das dem Klimaschutz dient und – davon bin ich als Autor des LebeLieberLangsam-Webportals überzeugt – dass das eigene Leben sinnstiftender und intensiver macht:

Erst einmal erkennen, was überhaupt Sache ist:

  • Der eigenen Entfremdung von Natur, dem eigenen Leben und den Wünschen und Träumen, die man als junger Mensch hatte, auf die Spur kommen – in diesem Sinne auch:
  • Die eigene Endlichkeit annehmen – und daraus schöpfend andere und neue Prioritäten setzen

>> siehe dazu z.B. Ware, Bronnie (2015): 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden. Goldmann

  • Die allgemeinen Glaubenssätze erkennen rund um
    • „Arbeitsplätze“ als Totschlagargument
    • den vermeintlichem Wachstumszwang
    • dem nie-nie-niemals funktionierenden bedingungslosen Grundeinkommen („dann geht ja keiner mehr arbeiten“ | „Das ist nicht finanzierbar“ Zu beiden Glaubenssätzen gibt es Studien, die das Gegenteil nahelegen, vgl. Werner, Götz (2018): Einkommen für alle: Bedingungsloses Grundeinkommen – die Zeit ist reif. Kiepenheuer und Witsch.)
    • dem HöherSchnellerWeiter-Dogma
    • das tagtägliche Hamsterrad und um
    • die „Werte“ der Leistungsgesellschaft
  • Drüberstehen erlernen, Reibungslosigkeit aufkündigen, bereit sein, anzuecken –
  • Das ewige Vergleichen mit „dem Nachbarn“ unterlassen lernen,
  • Niemals Dinge kaufen, weil jetzt alle sie haben, weil es zum „guten Ton“ gehört, vermeintlich Prestige bringt etc. – und
  • Letztlich erfahren und erkennen, was für das eigene Leben sinnstiftend und wichtig ist – und was nicht.

Inspirationen für konkrete Verhaltensänderungen:

  • Top 1: Reiseverhalten ändern:
    • Möglichst nicht fliegen – wenn überhaupt nur alle paar Jahre (sorry!) für eine mehrwöchige Reise und stets bei Atmosfair o.ä. kompensieren (nicht toll, aber besser als nicht kompensieren, siehe hier) – und vor allem prinzipiell und ausnahmslos keine Kurztrips sowie keine Inlands- und sonstigen Kurzstreckenflüge,
    • Kreuzfahrten unterlassen – insbesondere Kreuzfahrten mit Zubringer-Flügen ablehnen – das ist der ökologische Doppelschlag (zzgl. des ethischen Problems der allzu oft unwürdigen Arbeitsbedingungen),
  • Mobilitätsverhalten ändern, gerade als Städter*in: Kein eigenes Auto, Car-Sharing, ÖPNV, Fahrrad, E-Bike (Pedelec), Lastenrad, Deutsche Bahn (fährt im Fernverkehr mit 100% Ökostrom),
    • kein SUV!
      (engl. „sport utility vehicle“ – Sport? sportlich zu nennen ist allenfalls der Ressourcenverbrauch der meisten Vehikel, die dieser Sparte zugerechnet werden.)
      • Ressourcen-, Platz- und Treibstoffverbrauch, massiv erhöhte Unfall- und Verletzungsgefährdung der Mitmenschen, Vermeidung von Aufrüstung im Straßenverkehr – und auch eigene erhöhte Gefahr
    • SUV, Jeep, Landrover & Co sind eindeutige Statements: Sie offenbaren das komplett fehlende Umweltbewusstsein ihrer Besitzerin bzw. ihres Besitzers. Wer brauchst so etwas? Eine Försterin? Ein Geologe? Das grenzt den Bedarf solcher Autos auf eine niedrige dreistellige Zahl ein.

      Politologe Markus Wissen dazu: „Sie sitzen in ihren kleinen Panzern und zerstören Natur“.

>> vgl. dazu Website zetteln.de – hier gibt es Material für Klima-bezogene Graswurzel-Aktionen – u.a. einen ausdruckbaren „Zettel“ namens „Dieses Auto ist ein Statement“, den man hinter die Scheibenwischer entsprechender Autos klemmen kann mit folgenden Ankreuzmöglichkeiten: „Ich wusste nicht, dass dieses Auto schlecht fürs Klima ist“ | „Was soll das schon bringen, wenn ich mein Verhalten ändere“ | „Die Klimaüberhitzung ist mir egal“ | „Die Katastrophe können wir ohnehin nicht mehr aufhalten“ – Quelle: https://www.zetteln.de/zettel/das-auto-ist-ein-statement/ (Abrufdatum 12.7.2019)
>> Quelle und Zitat „kleine Panzer“: Kolb, Matthias (2017): „Konsumverhalten im Westen: ‚Sie sitzen in ihren kleinen Panzern und zerstören Natur‘. [Interview mit dem Politologen Markus Wissen]. in: Süddeutsche Zeitung, 3.8.2017, online unter https://www.sueddeutsche.de/politik/konsumverhalten-im-westen-sie-sitzen-in-ihren-kleinen-panzern-und-zerstoeren-natur-1.3610212 (Abrufdatum 12.7.2019)

  • Stromanbieter wechseln – das ist eine einmalige Aktion und geht in wenigen Minuten. Den Satz „Geiz ist geil“ aus dem Kopf streichen und: Zu „echtem“ Ökostromanbieter wechseln: Ein Unternehmen wählen, dass ausschließlich Ökostrom anbietet und nicht auch Braunkohle- oder Atomkraftwerke betreibt. Die jährlichen i.d.R. nicht besonders groß ausfallenden Mehrkosten als Spende bzw. perfekte Investition in die Zukunft Deutschlands und in die seiner Kinder betrachten. Es kommt immer der gleiche Strom aus der Steckdose, schon klar – aber ich entscheide, wer meine Kröten bekommt und damit gut investieren kann (und wer nicht).
    • Wahlhilfe bietet Ökotest mit Stand 11/2018: https://www.oekotest.de/bauen-wohnen/Oeko-Strom-im-Test-Das-sind-die-besten-Anbieter_111510_1.html (Abrufdatum 5.7.2019)
    • Der Spiegel liefert im Juli 2019 eine Grafik, der zufolge die durchschnittlichen Strompreise für Haushaltskunden im Jahre 2018 wie folgt gestaltet waren: Grundversorger, Standardtarif 31,47 ct/kWh | Grundversorger, anderer Tarif 29,63 ct/kWh | Tarif bei anderem Versorger 28,80 ct/kWh | Ökostromtarif 29,24 ct/kWh; als Quellen werden „Bundresnetzagentur, Finanztip“ angegeben. Inwieweit hier echter Ökostrom gemeitn ist, ist ungewiss – aber es ist klar. Ökostrom muss in der Tat nicht oder nicht viel teurer sein – und bringt eine Menge.
      >> Quelle: Hage, Simon et. al (2019): „Die Weltverbesserer“. in: Der Spiegel Nr. 29, 13.7.2019, S. 15.
  • Die Bank wechseln: z.B. zu EthikBank, GLS Bank, Triodos Bank, UmweltBank (alphabetische Reihenfolge!) – diese Banken nehmen i.d.R. höhere Gebühren und auch einen Grundbeitrag – aber im Ernst, die anderen Banken können meist nur deshalb tiefere Preise bieten, weil sie ethisch fragwürdig arbeiten (Disclaimer: Die aufgeführten Banken sind Beispiele – und keine Geschäftsempfehlungen: Ich kenne diese Banken bis auf eine nicht wirklich.)
    • Die Bank zu wechseln, kann, je nach dem,
      • wie man aufgestellt ist, oder,
      • ob man schon zuvor Online-Banking betrieb oder nun bei dieser Gelegenheit auf die Online-Ebene wechselt, mehr oder wenig aufwändig sein. Es ist indes eine hochwirksame Maßnahme, die zudem nach Außen strahlt – und sie ist eine einmalige Aktion.
    • Bei Abschluss von Rentenverträgen und sonstigen Fonds- bzw. Aktien-basierten Versicherungen extrem auf die Zusammensetzung dieser Fonds etc. achten – hier lauert die große Falle, dass unser Geld (wie bei eben auch bei einer konventionellen Bank) jahrzehntelang in Klimakillerbranchen rund um fossile Energien, unhaltbare Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit gesteckt wird – die o.g. Banken bieten auch solche Versicherungen an, bestimmt ist auch hier nicht immer alles ideal, aber besser ist es allemal.),
    • Das gleiche gilt natürlich auch allgemein für Aktien- und Aktienfonds-Geschäfte. (siehe auch Abschnitt Divestment)
  • Rindfleisch vom Speiseplan verbannen
    • besonders heftige Methan-Schleuder! „Es hat eine viermal so hohe CO₂-Bilanz wie Geflügel- oder Schweinefleisch.“ – was am hier in CO₂-Äquivalente umgerechneten Methan liegt.
      • 1kg Rindfleisch = 13,3kg CO₂e (Geflügel 3,5kg CO₂e | Schwein 3,2kg CO₂e)
      • Darmkrebs-Risiko!
        • n.n. (2019): „Krebsforschung: Der Ursache von Darmkrebs auf der Spur“. in: Der Tagesspiegel, 27.2.2019, online unter https://www.tagesspiegel.de/wissen/krebsforschung-der-ursache-von-darmkrebs-auf-der-spur/24046994.html (Abrufdatum 30.6.2019)
        • Dörhöfer, Pamela (2019): „Krebsforschung Erreger in Milch und Rindfleisch begünstigen Entstehung von Krebs“. in: Frankfurter Rundschau, 27.2.2019, online unter https://www.fr.de/wissen/erreger-milch-rindfleisch-beguenstigen-entstehung-krebs-11808238.html (Abrufdatum 30.6.2019)
        • UN-Empfehlung: „rotes Muskelfleisch von Säugetieren – also von Rind, Schwein, Schaf, Pferd und Ziege … [ist] als ‚wahrscheinlich krebserregend'“ (Gruppe 2) klassifiziert. „Verarbeitete Fleischwaren wie Salami, Schinken, marinierte Steaks oder Brüh- und Bratwürstchen … Verarbeitete Fleischwaren wie Salami, Schinken, marinierte Steaks oder Brüh- und Bratwürstchen … [gelten] sogar als offiziell „krebserregend“ [Gruppe 1 = höchste Stufe, in der auch Tabak und Asbest eingeordnet sind]… Auch dann, wenn sie aus Geflügelfleisch hergestellt wurden.“
        • Update Okt. 2019: Eine mannigfach von den Medien aufgegriffene (NutriRECS-)Studie gibt Entwarnung hinsichtlich des Krebsrisikos von rotem Fleisch. Doch letztlich weist diese Meta-Studie lediglich darauf hin, dass die Datenlage zur Frage „rotes Fleisch ja/nein?“ alles andere als ideal ist – deshalb Entwarnung zu geben, geht reichlich weit. So hebt die taz hervor, dass diese NutriRECS-Studie in der Fachwelt sehr umstritten ist: „Ernährungswissenschaftler widersprechen vehement.“ Mir persönlich erscheint letztlich die geltende („amtliche“) und erst nach langen Diskussionen erfolgte Einstufung der UN verlässlicher. Und der Ernährungsmediziner Martin Smollich weist in der Zeit darauf hin, dass „einer der größten Sponsoren des NutriRECS-Konsortiums … Text A&M AgrifLife [ist], ein Lobbyverband der texanischen Agrarindustrie. Ein erklärtes Unternehmsziel: die Rinderzucht in Texas zu fördern.“… immer wieder gilt die Frage: „Wer hat’s bezahlt?“
  • Vegetarisch oder sogar vegan leben– und wem das nicht erstrebenswert erscheint:
    • Biofleisch kaufen (Tierwohl, Antibiotika(-resistenzen),
    • der ärztlichen Empfehlung [nicht mehr als 600g pro Woche = 31kg pro Jahr statt des deutschen Durchschnitts 60 kg] folgen und
    • weniger Fleisch essen, Fleisch- und/oder Fischtag (wieder) einführen.
    • Anregung: Zu welcher Mahlzeit würden wohl die meisten Menschen Fleisch vermissen? Jonathan Safran Foer meint, es sei das Abendessen, daher schreibt er: „Keine tierischen Produkte zum Frühstück und Mittagessen zu konsumieren, spart jährlich 1,3 Tonnen [CO2].“
      • >> Quelle und Zitat: Foer, Jonathan Safran (2019): Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können. Kiwi, S. 117.

    • Statistiken von der Facts-Seite der Film-Doku Cowspiracy (2014):
      • Land, dass benötigt wird, um eine Person ein Jahr lang zu ernähren
        • vegan = 674 qm | vegetarisch = 2.023 qm (=Faktor 3) | Fleisch-essend = 12.141 qm (Faktor 18)
        • „A person who follows a vegan diet produces the equivalent of 50% less carbon dioxide, uses 1/11th oil, 1/13th water, and 1/18th land compared to a meat-lover for their food.“
        • Auf 6070 qm können 170Kg tierische Lebensmittel produziert werden
        • Auf 6070 qm können 16,8t pflanzliche Lebensmittel produziert werden (Faktor 44)
    • Derzeit werden 80% der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Zusammenhang mit Fleischproduktion genutzt. Daher sind Veränderungen hin zu einer weniger Fleisch-lastigen Ernährung sowohl ein wichtiger Hebel für die gelingende Ernährung der noch bis 2100 noch wachsenden Bevölkerung (vgl. Abschnitt Gute Nachricht: Weltbevölkerungsentwicklung) als auch für eine Reduktion von CO₂-Emissionen und sonstiger Umweltbelastungen inkl. Entwaldung.
      • >> vgl. Weindl, Isabelle et al. (2017): Livestock and human use of land: Productivity trends and dietary choices as drivers of future land and carbon dynamics. online unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921818117301480 (Abrufdatum 10.8.2019)
      • Umgekehrt wird ebd. festgestellt, dass „sich die durch Landnutzungsänderung entstehenden Kohlenstoffemissionen um fast 80 Prozent senken ließen, wenn die Menschheit ihre Ernährung bis 2050 auf einen Anteil von 15 Prozent tierischer Kalorien umstellt.
      • Nicht vorenthalten möchte ich an dieser Stelle Rezos gewohnt-treffendes Statement zu Massentierhaltung:
        • „[N]ach meinen christlich-humanistischen Werten und meinem Anspruch auf logisch-konsistente Ethik ist es nicht gerade der coolste Move, wenn Kinder ihren Eltern nach der Geburt entrissen werden, Neugeborene in Kammern vergast und lebendig zerschreddert werden, die Überlebenden durch psychische Zerfickung teilweise zum Kannibalismus getrieben werden oder ihr Leben lang bewegungsunfähig in Dunkelheit verbringen – und das alles nicht vereinzelt ausgeführt wird, sondern strukturiert in einer hundertmilliardenfachen systematischen Tötungsmaschinerie.“
          • n.n. (2019): „Der politische Fragebogen“, in: Die Zeit Nr. 39, 19.9.2019, S. 9.

    • Wenn vegan, dann bevorzugt ohne exotische Superfoods – mit diesen Superfoods wird die eigene CO-Bilanz, die ohne tierische Produkte ja eigentlich sehr gut aussehen könnte, anderweitig relevant belastet. []
  • Fleischkonsum genau analysieren und sich „ehrlich machen“: Die oft gehörte Aussage „Wir essen selten Fleisch und wenn, dann Bio“ und dann regelmäßig im Restaurant Fleischmahlzeiten bestellen ist: Selbstbetrug.
  • Perspektive beim Fleischkauf wechseln:

    Biofleisch ist nicht teuer: Der hier aufgerufene Preise ist der reale Herstellungs- bzw. Verkaufspreis für Fleisch (oder auch Fisch), wenn kein Schmu betrieben werden soll.

    Konventionelles Fleisch zu kaufen ist Tierquälerei, fördert stundenlange Tiertransporte, prekäre Arbeitsverhältnisse z.B. auf Schlachthöfen, unwürdige Stress-verursachende Massenschlachtungen, macht aufgrund der Massentierhaltung das Trinkwasser kaputt [], fördert Antibiotika-Resistenzen allgemein und bei entsprechendem Fleischgenuss direkt im eigenen Körper, was faktisch ein Lebensrisiko darstellt:

    • „In Europa sterben jährlich etwa 25.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken.“ … „[B]undesweit [werden] jede Minute 112 Schweine geschlachtet… 99 Prozent der Schweine stammen aus konventionellen Betrieben… [Resistenzen sind auch] Folge gnadenloser Preiskämpfe von Discountern und des gesamten Fleischhandels…“ und dann fällt noch das Stichwort „multiresistente Keime in Gülle“, die auf den Feldern landen… Punkt. Hm. Geiz ist geil?

      >> Quelle: n.n. (2017): „Billigfleisch. Verräterisches Leuchten.“ in: Greenpeace Nachrichten 4/2017. S. 12-13.

    • Wenn Bio eigentlich das „Natürliche“ und „Normale“ ist, dann ist die Frage aufzuwerfen, warum eigentlich Bio-Produkte gesondert gekennzeichnet werden – und nicht die umweltschädigenden und Risiko-behafteten „konventionellen“ Nicht-Bio-Produkte:

„Alles, was mit Pestiziden behandelt, mit Zusatzstoffen vollgepumpt oder gentechnisch verändert ist, müsste dementsprechend ausgewiesen sein. Also statt der Kennzeichnung ‚Bio-Tomaten aus Österreich‘ bitte die Kennzeichnung ‚chemisch behandelte Tomate aus Spanien‘. Statt der Kennzeichnung ‚Bio-Eier aus Freilandhaltung‘ bitte die Kennzeichnung ‚Eier aus Käfighaltung‘ Und statt der Kennzeichnung ‚Bio-Fleisch‘ bitte die Kennzeichnung ‚Fleisch mit Antibiotika‘. Das würde unser Einkaufsverhalten nachhaltig verändern. Von einer Sekunde auf die andere.“

>> Quelle: Bauer-Gauss, Lisa (2018): „Andersherum, bitte!“ in: Facebook, online unter https://www.facebook.com/lisa.bauergauss.1?hc_ref=ARQ_kzsP4J960J0fpJwldBGDv-N-yL8frrqoA9xFm0XStPLWWqpWGzgTQOh39HDkZ5o&fref=nf&pnref=story (Abrufdatum: 8.2.2018)

  • Nur noch Bioland und Demeter als Bio-Siegel akzeptieren – alles andere ist nur lala, – es geht gar nicht nur um die eigene bessere Ernährung, sondern auch vor allem darum, optimal die ungiftige Pestizid-, Herbizid- und gänzlich Gentechnik-freie Landwirtschaft zu unterstützen – und man schützt via Einkauf die Ackerböden, das Trinkwasser, bewahrt das Tierwohl, sorgt für bessere Bedingungen von Insekten und insbesondere Bienen und entzieht den Großkonzernen in Landwirtschaft, Chemie- und Saatgutbranchen den Zugriff und das Kapital.

    • Und wenn die/der ab sofort Bio-Einkaufende es gleichzeitig schafft, künftig keine Lebensmittel mehr wegzuwerfen und Fisch/Fleisch nur noch im gesundheitlich empfohlenen Mengen zu kaufen, dann wird das finanziell in etwa ein Nullsummenspiel. Mit anderen Worten: Bio kann sich quasi jede(r) leisten [].
  • Selber kochen auf Basis von frischen Grundnahrungsmitteln („Lebensmitteln“) – industriell hergestellte Fertignahrung als seltene Ausnahme für Renovierungsarbeiten und Notsituationen sehen,
    • Der Sportmediziner Matthias Marquardt empfiehlt frische Lebensmittel und meint dazu: „Hören Sie auf ihre Nase“ (sic!), schreibt er, die Nase sei „ein formidables Organ zum Beurteilen von Speisen“ und das „seit Jahrtausenden“.
      • >> Quelle: Marquardt, Matthias: Warum Laufen erfolgreich macht und Grünkernbratlinge nicht. Spomedia, 2007, S. 80 (für Einsteiger) und für Fortgeschrittene: Marquardt, Matthias: Instinktformel. Das Erfolgsprogramm, das Sie wirklich glücklich macht. Random House, 2012.
  • Im eigenen Haus verändern: Z.B. Wärmedämmung und/oder Heizung optimieren, elektrische Wärmepumpe anschaffen, Solarzellen auf dem Dach montieren. Als VermieterIn gleichartige Maßnahmen vornehmen – und fair und sozialverträglich mit Mieten umgehen.
  • Einkaufsverhalten ändern: Einkaufen wie die Großelterngeneration es ihr Leben lang problemfrei getan habt: Mit Einkaufszettel (=Struktur, minimiert Spontankäufe), Plastik-, Verpackungs- und Müll-vermeidend auf dem Markt, mit Rucksack, per Rad mit Fahrradkorb, zu Fuß mit Hackenporsche, uneingepackte Dinge kaufen (evtl. Unverpacktladen), große Baumwollbeutel od. Rucksack dabei haben, statt die kleinen Einweg-Plastik-bzw. Papiertüten zu benutzen Baumwoll-Einkaufsnetze für Obst und Gemüse ein Mal käuflich erwerben und dann immer dabei haben, einmalig einen Brotbeutel kaufen oder Brot-Papiertüten stets erneut verwenden, alte Eierkartons dabei haben für lose Eier, Grundregel: „Mehrweg statt Einweg“ beherzigen, Tupperdosen mitführen etc. pp. und fies verpackte Waren aus Prinzip stehen lassen – einmal angewöhnen und dann läuft es.
  • hochwertig einkaufen:
    • keine Produkte essen/erwerben, die mit dem englischen Wort „fast“ konnotiert sind à la fast fashion, fast food – statt dessen idealerweise „Once-in-your-life“-Einkäufe tätigen z.B. bei Küchengeräten;
    • Möbel und Kleidung mit dem Anspruch einkaufen, dass sie lange halten und nicht zu Saison-spezifisch aussehen (also schnell aus der Mode kommen);
      • Fast Fashion-Läden meiden und wenige, teurere, hochwertige neue Klamotten von nachhaltigen Labels erwerben;
    • mehr Bio einkaufen (insbesondere, wenn es um tierische Produkte geht (>Tierwohl, >Nitratbelastung des Wassers), möglichst saisonal und regional, mehrfach in der Woche kleine, möglichst Mahlzeiten-genaue Lebensmitteleinkäufe tätigen und nichts mehr wegschmeißen = dann kann man sich problemfrei hochwertiges Essen und das in Bioqualität leisten.
    • Tiefkühlkost meiden – die gesamte Kühlkette ist energieintensiv;
    • extrem sparsame Haushaltsgeräte und Smartphones (check it out: Fairfone od. Shiftphone) für jahrelangen Gebrauch kaufen und nur ersetzen, wenn sie unwiderruflich kaputt sind;
    • Wenn der Wäschetrockner kaputtgeht (und die Kinder ein gewisses Alter haben) diesen nicht ersetzen, sondern Wäsche auf dem Wäscheboden oder Draußen trocknen; und,
      • für Fortgeschrittene:
        • Palmöl aus der Wohnung verbannen sowohl bei Nahrung als auch Pflegeprodukten; das gleiche gilt für die Ächtung von Mikroplastik – hier hilft die Website/App https://www.codecheck.info/ (oben rechts Suchfunktion) sehr – man hat sogar die Chance, das potenzielle Ersatzprodukt zu finden!);
        • Klamotten secondhand z.B. auf Flohmärkten kaufen;
        • bei Solawi („solidarische Landwirtschaft“) Mitglied werden und Gemüse etc. wöchentlich im Depot abholen (=möglichst nicht vor die Haustür liefern lassen);
        • Repair-Cafés aufsuchen und Geräte reparieren lassen.
        • Waschmittel, Shampoo, Seife, Waschmittel etc. selbst herstellen
  • Die Klimakrise zum Thema machen:
    • Mit Freunden, Bekannten, Zufallsbekanntschaften drüber reden, es zum Thema machen: Vorleben: Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich mit SUV oder mit dem Fahrrad an der Uni vorfahre, ob Einwegplastikwasser auf meinem Pult steht oder eine langfristig-nachhaltige Stahlflasche,
  • Im Garten: Insektenhotels u. Bienenstöcke aufstellen. Kies vermeiden – statt dessen ein Pflanzenbuffet für Insekten herrichten, keinen Torf bzw. keine Pflanzerde mit Torf kaufen (Moore sollen bestehen bleiben u.a. wg. Methan),
  • Engagieren: Demos, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Dokus im Kino mit Freundeskreis besuchen, Besuch der Klimawoche o.ä., den eigenen Bundestagsabgeordneten um einen Termin für persönliches Gespräch bitten, Politikern/Parteien Briefe/Mails schreiben mit gut belegten Argumenten (Quellen unter Brief/Mail angeben – das ist seriös und steigert das Gewicht der eigenen Aussagen) – und, ein SpecialTip: DokuDinner mit dem Freundeskreis veranstalten,
    • Apropos Demonstrieren: Interessant ist, dass in Deutschland derzeit stets Gelbwesten gefürchtet werden, bislang aber nicht Aktionen wie die von Extinction Rebellion:
      • „Mir scheint, dass unsere Politik auch deshalb eine stärkere Klimapolitik scheut, weil sie Angst vor Gelbwesten hat. Da scheint es mir ein guter Gegenpol zu sein, dass eine zu schwache Klimapolitik dann Extinction Rebellion auf den Plan ruft – auch wenn das nicht meine Art des Protestes ist.“ schreibt ein Leser der Süddeutschen Zeitung im klimafreitag-newsletter vom 18.10.2019.
  • Rechenzeit zur Verfügung stellen (am besten unter der Voraussetzung, dass man Strom aus erneuerbaren Quellen bezieht):
    • Man kann „sich als Bürger-Wissenschaftler*in an der weltgrößten Klima-Modellsimulation beteiligen und die Arbeit der World Weather Attribution unterstützen“ (Otto 2019, 240): climateprediction.net. Konkret bedeutet das, dass die „Freiwilligen … [dem Team um Friederike Otto] Rechenzeit auf ihren Computern zur Verfügung stellen und damit im Grunde Geld, das sie für eine etwas höhere Stromrechnung ausgeben. Damit steht … [dem Team] der mit Abstand größte Großrechner der Welt zur Verfügung… Würden wir diese Zeit in der günstigsten Cloud kaufen, müssten wir [pro Jahr] sechs Milliarden Dollar dafür ausgeben.“ Der so entstehende Großrechner errechnet innerhalb weniger Tage, inwieweit ein Extremwetterereignis durch den Klimawandel bedingt gewesen ist – oder auch nicht und gibt damit Politiker*innen, Geschädigten, Rechtsanwält*innen, Journalist*innen und natürlich Forscher*innen wesentliche Informationen und Argumente an die Hand.

>> Quelle und beide vorstehende Zitate: Otto, Friederike (2019): Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen Hochwasser und Stürme. Ullstein, S. 240 bzw. S. 99.

  • Reduzieren: Letztlich und alles in allem eine Rückkehr vollziehen zu den Tugenden unserer Eltern und Großeltern, beim Einkauf Tüten, Beutel und Eierkartons dabeihaben (s.o.), Take-away meiden bzw. optimieren durch Brotdosen und hochwertige Edelstahl-Trinkflaschen, keine Anschaffungen auf Kredit tätigen, allgemein Überfluss meiden, kurz: zu einem Leben in den Maßstäben der 1970er und frühen 1980er Jahre, aufgehübscht (im Maßen) durch die Techniken von heute.


… und um Himmels willen nicht alles auf einmal versuchen: Anfangen, einüben, zur Gewohnheit machen, Rückschläge als normal akzeptieren („Hinfallen. Krone richten – weitergehen.“) und alles: Schritt für Schritt.


Ein Zwischengedanke:

Die eigene Bequemlichkeit aufkündigen.
Konsequenz statt Bequemlichkeit.


Noch ein Wort zu Demonstrationen: Es ist ja schwer aus der Mode gekommen, auf Demos zu gehen. Und auch ich kenne und verstehe diesen Widerstand in mir, diesen inneren Schweinehund, der nicht so recht zu Demo möchte. Aber:

  • Demonstrieren ist wie Sportmachen: Es mag mühsam sein, sich aufzuraffen, aber hinterher fühlt man sich prima, versprochen. Und man ist nicht mehr so allein mit dem ganzen Mist. Und man genießt, für seine Ideen und Meinungen sichtbar einzustehen. (Bei der nächsten Demo ist der innere Schweinehund dann schon leiser!)
    • Und wenn man es nicht für sich selbst macht, dann vielleicht aber doch für die eigenen (zukünftigen) Kinder, für die Enkel*innen, für die Neffen, Cousinen – oder für die Kinder von Freunden etc pp.?


  • Wir haben nur rund neun Jahre. Zeit, die Komfortzone zu verlassen:

    • Das Gemeine ist: Nichthandeln führt ins Aus.
    • Das Tolle ist: Handeln bewahrt die Chance.


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