Sechstes Massenaussterben

Was ist der Mensch ohne die Biosphäre, deren Teil er ist und die ihn umgibt?

Nichts.


Der Mensch ist auf sog. Ökosystemdienstleistungen angewiesen:

  • „Ökosystemdienstleistungen sind definiert als Vorteil, Nutzen oder Gewinn (benefits), den die menschliche Gesellschaft aus Ökosystemen zieht und die maßgeblich das Wohlergehen und die Lebensqualität des Einzelnen (human well being) mitbestimmen. Dabei werden sowohl materielle wie immaterielle Güter (tangible and intangible benefits), d.h. sowohl Waren (goods) als auch Dienstleistungen i.e.S. (services) berücksichtigt.“ (Bürger-Arndt 2011)

Details u. Definition Ökosystemdienstleistung'

Unterschieden werden dabei folgende Ökosystemdienstleistungen:

  • „unterstützende (supporting) wie Bodenbildung, Nährstoff- und Wasserkreislauf, Sauerstoffproduktion, Kohlenstoffbindung oder Primärproduktion,
  • regulierende (regulating), die sich auf das örtliche Klima und die Luftqualität, den Wasserhaushalt und die Wasserqualität, die Bodenbildung und -reifung oder das Auftreten von Schädlingen bzw. Krankheiten auswirken,
  • bereitstellende (provisioning), welche die Nutzung erneuerbarer Ressourcen in Form von Nahrung, Holz, Fasern, Trink- und Brauchwasser usw. durch den Menschen ermöglichen,
  • kulturell bedeutsame (cultural), die infolge der ästhetischen, kontemplativen, spirituellen, religiösen, erkenntnis-, bildungs- und erholungsfördernden Wirkung der Ökosysteme immaterielle Bedürfnisse des Menschen befriedigen und denen daher eine besondere Wertschätzung entgegen gebracht wird.“ (ebd.)

Definition ‚Biosphäre‘: (griechisch bíos = Leben u. sphaira = Kugel) = „der von Organismen bewohnbare Raum der Erde.“ (Kompaktlexikon der Biologie: n.n. 2001)


Der Mensch verhält sich gleichwohl schon immer, mehr und mehr und insbesondere auch in diesen Jahren, als seien diese Ökosystemdienstleistungen unbegrenzt und unkaputtbar:

  • „Menschen pumpen heute zehnmal schneller Treibhausgase in die Atmosphäre als die Vulkane während des Großen Sterbens.“ (Foer 2019, 100)

  • „In den Weltmeeren gibt es über 400 sogenannte Todeszonen [eigentlich: Totzonen], die wegen Überdüngung so sauerstoffarm sind, dass dort nichts mehr lebt.“ (Habekuss 2019, 41)

  • „Schätzungen zeigen, dass ungefähr 80 Prozent der marinen Ökosysteme von Eutrophierung betroffen sind … Seit 1960 hat sich die Zahl der Totzonen in denen am Meeresboden Sauerstoffmangel herrscht in jedem Jahrzehnt verdoppelt (1960: 10 Gebiete; 2008: 405 Gebiete)… Die drei größten Totzonen befinden sich in der Ostsee (bis zu 84000 km²), im Schwarzen Meer (bis zu 40000 km²) sowie im Golf von Mexiko (bis zu 22000 km²)“. [Stand 2010!]. (n.n. 2010)

Seit 2012 gibt es die UN-Organisation IPBES = Intergovermental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services = „Weltvielfaltsrat“, vergleichbar dem IPCC, dem Weltklimarat – nur wesentlich unbekannter.

>> Begriff ‚Weltvielfaltsrat‘: Habekuss 2019, 41

  • Im aktuellen Bericht des IPBES, dem „Global Assessment Report“ (=“Weltvielfaltsbericht“) ist u.a. zu lesen, dass „[e]ine Million Tier- und Pflanzenarten … vom Aussterben bedroht [sind]. Eine gigantische Zahl, wenn man sich vor Augen hält, dass gerade einmal 1,9 Millionen Arten wissenschaftlich beschrieben sind und die unterschiedlichen Schätzungen darüber wie viele Spezies überhaupt gibt zwischen acht und zehn Millionen liegen.“ (Habekuss 2019, 41)


Damit ist zweierlei angedeutet:

1) Beschrieben sind logischerweise i.d.R. die Tier- und Pflanzenarten die für unser Leben und unsere Ernährung eine wichtige Rolle spielen – und

2) Wir haben extrem wenig Ahnung von unserer Biosphäre, wenn also die überwältigende Mehrheit von Pflanz- und Tierarten schlicht noch nicht entdeckt bzw. beschrieben ist.


Als die entscheidenden fünf Treiber des Biodiversitätsverlustes werden im IPBES-Bericht folgende Faktoren ausgemacht:

  • Die „veränderte Nutzung von Land und Ozeanen“.
  • „Die direkte Ausbeutung von Tieren und Pflanzen“, vgl. z.B. Überfischung
  • „Parallel dazu wird der Einfluss des Klimawandels größer“, Arten weichen aufgrund verändernden Klimabedingungen zurück, z.B. ins Kühle nach Norden. Nur: Wo geht der Eisbär hin?
  • „Die Abfälle des Menschen, von Schwermetallen über Umweltgiften und Plastik bis hin zu einem Übermaß an Dünger, überlasten viele Ökosysteme“.
  • eingeschleppte Arten z.B. durch Welthandel und Tourismus machen sich breit „auf Kosten der dort heimischen Spezies“ (Alle Zitate: Habekuss 2019, 41)

Wichtig ist zu erkennen, dass „längst nicht mehr über einzelne Pflanzen- oder Tierarten diskutiert [wird] – sondern über die Vitalität ganzer Lebensgemeinschaften und des gesamten Erdsystems… Es geht um die Basis menschlicher Ernährung, sauberer Luft und trinkbaren Wassers. Es geht um alles.“ (ebd.)


Ein Fazit:
„Der Bericht zeigt klar, dass man Klima- und Umweltschutz nicht getrennt voneinander betrachten darf.“

(Klimaforscherin Almut Arenth, Karlsruher Institut für Technologie, zit. in Habekuss 2019, 41)


Die Zeit des Redens ist vorbei.

Quellen des Abschnitts Sechstes Massenaussterben

>> Bürger-Arndt, Renate (2011): Ökosystemdienstleistungen von Wäldern. Workshopbericht. [Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm 16. – 19. November 2011]. Hrsg. vom Bundesamt für Naturschutz BfN, online unter https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/Skript_320.pdf (Abrufdatum 4.11.2019)

>> Foer, Jonathan Safran (2019): Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können. Kiwi, S. 100.

>> Habekuss, Fritz (2019): „Todesursache: Mensch“. in: Die Zeit, Nr. 20/9.5.2019, S. 41.

>> n.n. (2001): „Biosphäre“. in: Kompaktlexikon der Biologie, online unter https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/biosphaere/1576 (Abrufdatum 4.11.2019)

>> n.n. (2010): „Eutrophisierung“. in: Umweltbundesamt, 10.8.2010, online unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/eutrophierung (Abrufdatum 5.11.2019)


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