Ohnmachtsgefühle & erlernte Hilflosigkeit: Klimakrisen-Depression


Immer wieder begegne ich Aussagen der Hilfs-, Hoffnungs- und Machtlosigkeit.

Dazu ist zu sagen, dass

  • es zurzeit noch nicht zu spät ist, einen sog. gefährlichen Klimawandel abzuwenden,
  • sogar der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber seinen Nachkommen empfiehlt, Kinder zu bekommen,

vgl. Hans Joachim Schellnhuber, in: „Ist die Erde noch zu retten? – Richard David Precht und Hans Joachim Schellnhuber im Gespräch“. in: Precht, 8.10.2019, ZDF-Mediathek https://www.zdf.de/gesellschaft/precht/ist-die-erde-noch-zu-retten-100.html (Abrufdatum 20.6.2019) oder https://www.youtube.com/watch?v=kXaKMYrK86w (Abrufdatum 20.6.2019)

  • wir unsere persönliche Macht und Ausstrahlung chronisch unterschätzen,
  • das vorschnelles Aufgeben fatalistisch ist und auf depressive Verstimmungen hindeutet und
  • ohnehin Aufgeben niemals eine Option ist – und es gilt in unserer Gesellschaft:

„Es erscheint immer unmöglich, bis es vollbracht ist.“

Nelson Mandela zugeschrieben.

und:

„You’re never too small to make a difference.“

Greta Thunburg, schwedische Klimaaktivistin, bei der Klimakonferenz in Kattowitz, Dezember 2018.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“

Molière zugeschrieben.

„Das Argument, dass ich allein nichts ausrichten kann, ist natürlich die allertörichteste aller Schutzbehauptungen.“

Warum?

„Na, stellen Sie sich vor, Sie sagten Ihren Kollegen, Sie kämen auf absehbare Zeit nicht mehr in die Arbeit, weil der Einzelne ohnehin keinen Unterschied machen würde! Jeder Ozean besteht aus einzelnen Tropfen, und so ist es auch mit der Gesellschaft.“

Hans Joachim Schellnhuber 2019, Klimaforscher
>> Quelle und Zitat: Haaf, Meredith (2019): „Interview mit Klimaforscher: ‚Verbraucher haben Einfluss'“. in: Süddeutsche Zeitung, 19.4.2019, online unter https://www.sueddeutsche.de/leben/klimawandel-schellnhuber-1.4411311 (Abrufdatum 1.10.2019) [paywall]

Gleichwohl tut die Beschäftigung mit dem Thema weh. Natürlich. Wie sollte es anders sein. Niemand hat je behauptet, dass das Leben einfach ist. Aber:

  • „In Konfrontation mit unserem Klimadilemma habe ich gelernt, dass es keine Möglichkeit gibt, der Verzweiflung zu entkommen. Aber offenbar gibt es ein Weg durch die Verzweiflung: Liebe.“

Bendell, Jem (2019): „Untergang und Lebensfreude: Anpassung an den Zusammenbruch.“ in: Wann wenn nicht wir*. Ein extinction rebellion Handbuch. S. Fischer, S. 88.

Aber wenn uns nun eine Klimakrisen-Depression erwischt hat, was dann?

Dies ist keine therapeutische oder eine durch einen Arzt/Therapeuten betreute Seite, daher kann und möchte ich lediglich kurz und knapp auf zwei Websites, die hier über Zitate anmoderiert werden, verweisen:

  • „Aktives Handeln sei [gegen Klimaangst] laut Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer die beste Lösung. Besonders in Situationen, in denen es wenig Hoffnung gibt, sei es wichtig, die eigene Kontrolle zurückzugewinnen. „Die Patientinnen müssen selbst aktiv werden und ins Handeln kommen, um zu merken, dass sie etwas gegen ihre Hoffnungslosigkeit tun können.“ Dabei gehe es nicht darum, zu belehren, sondern auf sich selber zu achten und so einen positiven Impuls für andere zu schaffen. Trotzdem sei es okay, sich an manchen Tagen schlecht zu fühlen. Wichtig sei es laut Anke, sich darin nicht zu verlieren und sich mit anderen auszutauschen. Das gebe ebenfalls Hoffnung“.

>> Quelle und Zitat: Wittenberg, Lucie (2019): „Zwischen Depression und Angst: Wie gehe ich mit meinen Gefühlen zum Klimawandel um?“. in: bento – das junge Magazin vom Spiegel, online unter https://www.bento.de/gefuehle/klimawandel-wie-mit-klimaangst-umgehen-zwischen-depression-und-angst-a-4f8e32c7-ea49-4644-a611-3baf714e7c73#refsponi (Abrufdatum 11.11.2019)

Hier geht es also um das Thema Selbstwirksamkeit.

Siehe auch den Link zum obigen Zitat und Instagram-Account „Klima-Angst – Leitfaden für mentale Gesundheit auf einer kranken Erde“:

  • „Heute ist ein wichtiger Tag für bzw. eher gegen deine Klima-Angst. Es ist internationaler Klimastreik und an kaum einem anderen Tag wirst du die heilsame Kraft der Gruppenzugehörigkeit so stark spüren wie heute. Mit zigtausend Gleichgesinnten zu rebellieren ist Balsam für unsere geschundenen Seelen. Der Effekt auf deine Psyche ist auch da, selbst wenn du nicht denkst, dass wir heute viel bewegen. Also hol dir deine Portion positiver Gruppenbestätigung. Du wirst mit dem guten Gefühl, es wenigstens versucht zu haben, nach Hause gehen.“

>> Quelle und Zitat: https://www.instagram.com/p/B2n_g68ohQI/?utm_source=ig_embed&utm_campaign=loading (Abrufdatum 11.11.2019)
>> Grund-Page: https://www.instagram.com/klimaangst/ (Abrufdatum 11.11.2019)

Wenn es schlimm ist: Im Zweifelsfall empfehle ich Ihnen, eine Ärztin/einen Arzt oder eine Therapeutin/einen Therapeuten aufzusuchen: Sie würden dort garantiert nicht die/der Erste sein mit diesem Thema. Niemand von uns ist allein mit diesem Thema: In den USA wird laut obiger Webpage von Lucie Wittenberg bereits versucht, eco-anxiety zu einer offiziellen Krankheit zu erklären.


Vorangehen…

…lohnt sich aus vielen Gründen – auch aus dem Folgenden:

Eine persönliche Anpassung des eigenen Lebens an die Klimakrise ist ohnehin erforderlich. Early Adopters haben es gewöhnlich leichter, weil sie sich aktiv und in einem selbstverantworteten Tempo anpassen und nicht gezwungenermaßen und abrupt angepasst werden.



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