Landwirtschaft

– under construction –

Der Abschnitt Landwirtschaft ist dem weltweiten bodenbewahrenden Ackerbau gewidmet inkl. der Aspekte Gülle/Stickstoffe/sauberes Trinkwasser/globale Landwirtschaft). Die weiteren Aspekte der Massentierhaltung finden sich im Abschnitt Fleisch, Fisch & Ernährung.

Bodenbewahrende Landwirtschaft

  • „Berücksichtigt man Kollateralschäden der industriellen Landwirtschaft wie verstärkte Bodenerosion, das Artensterben oder Wasserverschmutzung, dann ist sie der bäuerlichen Landwirtschaft keineswegs überlegen. Das zumindest ist das Ergebnis des Weltagrarberichts, den 400 Wissenschaftler 2008 für die Weltbank und die Uno erstellt haben. Die Zukunft der Landwirtschaft müsse eher kleinteilig, vielfältig und regional sein.“

>> Quelle und Zitat: Klawitter, Nils (2019): „‚Der macht alles platt‘. Eigentum: In Zeiten von Niedrigzinsen wird Ackerland immer lukrativer: Investoren kaufen ganze Landstriche auf – einheimische Bauern können kaum noch mithalten.“ in: Der Spiegel, Nr. 42/12.10.2019, S. 81.

„So schätzen die IPCC-Autoren [des Sonderberichtes Klimaschutz und Landsysteme[]], dass etwa ein Viertel der eisfreien Landfläche von Bodendegeneration betroffen sind, rund eine halbe Milliarde Menschen lebt in Regionen, in denen die Wüstenbildung voranschreitet. Beides ist vor allem eine Folge nicht-nachhaltiger Nutzung; durch konventionelles Pflügen geht… hundert- bis tausendmal mehr Boden verloren, als neu gebildet wird. Aber auch der Klimawandel beschleunigt… Erosion und Wüstenbildung.“

>> Quelle und Zitat: Weiß, Marlene (2019): „Wälder zu Wüsten“. in: Süddeutsche Zeitung, 30.7.2019, S. 12.


Thema: Zu viele Tiere auf zu wenig Raum >> Trinkwasserschädigung durch Nitrat

Gülle, Nitrat, Trinkwasser

Stephan Schumüller, Chef des Wasserverbands Garbsen-Neustadt:

  • „Nitrat im Wasser … [können] Sie … weder sehen noch schmecken.“

>> Quelle und Zitat: Stephan Schumüller, Chef des Wasserverbands Garbsen-Neustadt in: Jüttner, Julia (2019): „Die Wasserschlacht“. in: Der Spiegel, Nr. 41/5.10.2019, S. 34

  • Gülle und Kunstdünger sorgen für besseres Pflanzenwachstum und reichere Ernten.
  • Alles, was die so gedüngten Pflanzen nicht aufnehmen, geht ins Trinkwasser bzw. geht via Regenwasser in Gewässer, Bäche und Flüsse.
  • Alle Pflanzen wachsen „besser“ – also auch
    • die zwangsweise gedüngten Bäume, die durch unnatürlich verstärktes Wachstum anfälliger werden
    • die Algen in Gewässern (Es entstehen großflächige Algenblüten, deren Zersetzung dem Gewässer Sauerstoff entzieht, der dann anderen Lebewesen des Meeres nicht mehr zur Verfügung steht. Der Prozess nennt sich Eutrophisierung – es entstehen aufgrund des Sauerstoffmangels Totzonen in Ozeanen (s.a. Abschnitt Sechstes Massenaussterben)

>> vgl. Jüttner, Julia (2019): „Die Wasserschlacht“. in: Der Spiegel, Nr. 41/5.10.2019, S. 34
>> Algenblüten vgl. n.n. (2010): „Eutrophisierung“. in: Umweltbundesamt, 10.8.2010, online unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/eutrophierung (Abrufdatum 5.11.2019)

Auch für den Menschen ist Nitrat unmittelbar schädlich:

„Menschen sollten möglichst wenig Nitrat aufnehmen, weil es im Körper in Nitrit und Nitrosamine umgewandelt werden kann, Stoffe, die als krebserregend gelten.“

>> Quelle und Zitat: Jüttner, Julia (2019): „Die Wasserschlacht“. in: Der Spiegel, Nr. 41/5.10.2019, S. 34

Nitratentfernungsanlagen sind sehr teuer, sowohl einzeln als auch hochgerechnet auf den potenziellen Bedarf an solchen Anlagen in Deutschland – wesentlich sinnvoller und zudem günstiger ist es, das Problem an der Wurzel zu packen und noch punktgenauer und letztlich eben deutlich weniger mit Gülle und Kunstdünger zu düngen. (vgl. ebd., 35).

  • Es ist explizit herauszustellen, dass dieses Problem ausschließlich durch
    • konventionelle Landwirtschaft inkl. Massentierhaltung bzw.
    • die Agrarpolitik und der Art der Ausgestaltung von Subventionen von EU und Deutschland verursacht wird.

Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen: „Allerdings nehmen Menschen schätzungsweise nur ein Viertel der tägliche Nitratmenge aus Trinkwasser auf. Größere Mengen stecken in Gemüse und Salat.“ (ebd., 36) –

Das ändert aber nichts daran, dass wir das Grundnahrungsmittel „Trinkwasser“ möglichst sauber halten sollten.

Das sieht auch die EU so, die alles andere als zufrieden mit dem Zustand des Trinkwassers in Deutschland bzw. der Düngepraxis ist. []




Landwirtschaft, global: Der Kreislauf, in dem alle verlieren

„Wir sind SojaJunkies – und haben es gar nicht gemerkt.“ (Asendorpf 2018)

Globaler Kreislauf Station 1:
Tierfutter-Produktion in (Süd-)Amerika.

  • „Wir nehmen allein in Südamerika als Bundesrepublik Deutschland eine Ackerfläche von der Größe von Mecklenburg-Vorpommern in Anspruch, um die Tierfabrik (mit jährlichen 800 Mio Schlachttieren) in Deutschland am Laufen zu halten.“

>> Quelle und Zitat: Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen auf der internationalen Agrar-Konferenz Hunger auf Veränderung 2016, 21.11.2016, online unter www.youtube.com/watch?time_continue=257&v=sPetnYuHyNI (Abrufdatum 18.9.2018)

Bei diesem Tierfutter handelt es sich i.d.R. um Soja. Genauer: Um Gen-Pflanzen, deren Saatgut patentiert ist, also jährlich neu gekauft werden muss – und zwar vom gleichen Unternehmen, dass auch das ‚passende‘ Unkrautvernichtungsmittel bereithält: Die Pflanzen sind resistent gegen Glyphosat, das z.B. unter dem Markennamen „Round up“ von Bayer/Monsanto hergestellt wird.

  • Soja „bringt es … [in Brasilien] auf zwei Ernten pro Jahr, im kälteren Europa höchstens auf eine.“ (Asendorpf 2018)
  • „Heute liegt der Anteil transgener Soja in allen Hauptanbaugebieten über 90 Prozent.“ (ebd.)

Mit anderen Worten: Die heilige Kuh namens „keine Gen-veränderten Lebensmittel“ ist zwar nach wie vor einen Aufreger wert – aber was die angeblich Gentechnik-freien Kühe gegessen haben, interessiert dann doch keine Sau.

  • Für den immer größer werdenden Bedarf an Tierfutter wird in Südamerika weiterhin und umfassend Regenwald gerodet. Umweltschützer*innen werden nicht selten umgebracht. Indigene und kleine Bauern werden von ihren seit Generationen bestellten Feldern vertrieben und um ihre Existenz gebracht, arbeiten des Öfteren nun auf ihren ehemaligen Feldern für einen Hungerlohn – und tatsächlich, viele hungern (vgl. Doku „We Feed The World“) – und der brasilianische Bundesstaat „Mato Grosso“ muss sich eigentlich einen neuen Namen suchen, denn „Großer Wald“ trifft nicht mehr zu.

Interessanterweise werden Rinder in Deutschland heute zu einem großen Teil mit billigem „Rapskuchen“ – der eiweißhaltige Rest, der von Raps bleibt, wenn man das Rapsöl für den Biodiesel („Beimischungspflicht von Pflanzenöl bei Dieselkaftstoff“) ausgepresst hat – gefüttert. Das ist nicht nur billig, sondern erhöht den Wert des Rindfleisch- und Milchproduktes, weil man es als in jeder Hinsicht gentechnik-frei verkaufen kann. vgl. Asendorpf, Dirk (2018)

Station 2:
Jungtier-Import

Z.B. kommen Ferkel aus Dänemark und den Niederlanden, die die Zucht optimiert haben.

vgl. Asendorpf, Dirk (2018): „Der globale Acker“. in: Unser künftig Brot, SWR2 Wissen Spezial. Manuskript, online unter: https://www.swr.de/swr2/wissen/SWR2-Wissen-Der-globale-Acker,broadcastcontrib-swr-29448.html || https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-manuskript-wissen-2019-08-17-der-globale-acker-100.pdf || https://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/wissen/sendungen/wissen/swr2-wissen-20190817-der-globale-acker.m.mp3 (Abrufdatum 11.11.2019)

Das Futter kommt über den Atlantik, die Jungtiere aus Nachbarländern – es folgt:

Station 3:
Die Tiermast in Deutschland.

Die Gülle fällt hier an. Gülle ist organischer Dünger, der Stickstoff enthält.

Exkurs: Stickstoff in der Landwirtschaft

  • „Pflanzen brauchen Stickstoff, um Eiweiß zu bilden. In der Luft ist Stickstoff zwar reichlich vorhanden, doch die meisten Pflanzen können diesen Luftstickstoff nicht direkt aufnehmen. Sie benötigen ihn in gebundener Form im Boden. Auf natürliche Weise werden diese Stickstoffverbindungen dort von Bakterien erzeugt. Eine intensive [konventionelle/industrielle] Landwirtschaft ist jedoch nur mit zusätzlichem Stickstoff aus Mineraldünger möglich. Der wiederum wird aus Erdgas gewonnen – aus sehr viel Erdgas. Fast fünf Prozent der globalen Erdgas-Produktion werden dafür verbraucht. Über 100 Millionen Tonnen Stickstoffdünger landen jährlich auf den Äckern der Welt.“ (Asendorpf 2018)

Stickstoff gast aus dem Boden aus – als (Treibhausgas) Lachgas.

Pflanzen (ver-)brauchen Stickstoff – mit der Ernte der Pflanzen entfernt man auch den aufgenommenen Stickstoff.

„Insgesamt jedoch liegt der Stickstoff-Eintrag jedes Jahr deutlich über dem Austrag, der Überschuss beträgt im Schnitt rund 100 Kilo pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche.“ (Asendorpf 2018)

Und dieser Stickstoff bleibt nicht einfach „geduldig“ bis zur nächsten Beflanzung unverändert im Boden: er gast aus als Lachgas, er versickert, er wird ausgewaschen und landet auf die eine oder andere Weise als Nitrat im Wasser.

Die nationale Stickstoffbilanz…

„… betrachtet im großen Maßstab, national eben, die Stickstoff-Flüsse: was wir in die landwirtschaftliche Fläche reinbekommen und was wir daraus wieder entziehen und was davon auch übrigbleibt. Das ist der Stickstoff, der in der Form von den Pflanzen nicht genutzt wird. Und dieser übriggebliebene Stickstoff, der kann Wirkung hervorrufen da, wo er nicht hingehört, z.B. dass er über das Grundwasser ins Trinkwasser gelangt. Und da soll er ja nicht hin. Oder er kann ausgasen, der Stickstoff, in die Atmosphäre gelangen und dann auch wieder Wirkung hervorruft, die auch nicht gut ist für uns.“ Jörg Michael Greef in (Asendorpf 2018) Jörg Michael Greef leitet das Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig

„Wir brauchen eine an die Fläche gebundene Tierhaltung, also nur noch so viele Tiere, wie eine Fläche vertragen kann.“

>> Quelle und Zitat: n.n. (2019): „Verheerendes Ausmaß: Der Regenwald steht in Flammen“. in: DUHwelt 3/2019, S. 7

„Besonders gravierend ist die Situation … in Niedersachsen, dem Zentrum der deutschen Fleischindustrie. Gut zehn Millionen Schweine, 2,7 Millionen Rinder und über Hundert Millionen Hähnchen, Hühner und Puten werden dort gehalten.“ (ebd.)

„Rund die Hälfte aller Grundwasser-Messtellen in Niedersachsen melden bereits Grenzwertüberschreitungen. Und die Böden sind immer weniger in der Lage, das Nitrat auf dem Weg bis ins Trinkwasser wieder abzubauen.“ (ebd.)

„36 Prozent der Grundwasserkörper unter allen Landnutzungen sind in einem schlechten chemischen Zustand. In Deutschland verfehlen knapp 74 Prozent dieser betroffenen Grundwasserkörper die Ziele wegen zu hoher Nitratkonzentrationen.“

>> Quelle und Zitat: n.n. (2019): „Umweltbericht 2019: Viel erreicht und viel zu tun“. [Pressemitteilung]. in: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. online unter https://www.bmu.de/pressemitteilung/umweltbericht-2019-viel-erreicht-und-viel-zu-tun/ (Abrufdatum 5.11.2019)

„Hauptverursacher der hohen Nitratwerte ist die Landwirtschaft: durch Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen, die auf Felder aufgebracht werden, und durch das Streuen von Kunstdünger.“

>> Quelle und Zitat: Jüttner, Julia (2019): „Die Wasserschlacht“. in: Der Spiegel, Nr. 41/5.10.2019, S. 34.

Die überschüssige Gülle darf nunmehr aufgrund der Gülleverordnung nicht mehr unbegrenzt in den Boden eingebracht werden; xxx

Die aktuelle 2017er Gülleverordnung sieht vor, dass – je nach Beschaffenheit des Bodens – lediglich eine jeweils definierte Menge Gülle (z.B. als Dünger) in den Boden gelassen werden darf – mit der Folge, dass es zu „Gülletourismus“ kommt, soll heißen, ein verkehrsintensiver Handel mit Gülle hat eingesetzt.

>> Quelle „Gülletourismus“: Renate Künast zit. in: Grefe, Christiane und Theile, Merlin (2019): ‚Das ist doch ökologischer Irrsinn‘. Die Grünen-Politikerin Renate Künast und der Landwirt Marcus Holtkötter streiten über Gülle im Grundwasser und die Frage, ob es nötig ist, Ferkel zu kastrieren.“ in: Die Zeit Nr. 45/30.10.2019, S. 31.


Egon Harms, Leiter der Qualitätsüberwachung beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband:

„Es gibt ein großes Gülleproblem im oberflächennahen Grundwasser, das ist der Bereich bis etwa zehn Meter unter Geländeoberkante. Dort haben wir hohe Nitratbelastungen. Die Trinkwassergewinnung, die findet in größeren Tiefen statt – zwischen 50 und 100 Meter unter Gelände. Und dort ist die Nitratbelastung noch so gering, dass wir einwandfreies Trinkwasser auch liefern können … Wir nutzen eine – man sagt ja heute – Ökosystemdienstleistung, von dem wir nicht wissen: Macht der Untergrund das noch in zehn Jahren, in 50 Jahren oder in 500 Jahren? Wenn wir jetzt feststellen, dass in einigen Förderbrunnen das Nitrat bereits ankommt, dann sehen wir natürlich dort, dass diese Systemleistung, Nitrat abzubauen, sich allmählich da auch erschöpft hat schon. Das sind natürlich Alarmzeichen, die wir sehr ernst nehmen.“(Asendorpf 2018)

Und Harms legt den Finger in die Wunde:

„Wenn wir überlegen, dass wir in Deutschland als Informationsgesellschaft mittlerweile zu teuer sind, um Schiffe zu produzieren, um Fernseher zu produzieren, wieso können wir dann noch Schweinehälften für den Weltmarkt produzieren und das zu weltmarktkonformen Preisen?
Ich glaube, das liegt im Moment daran, dass wir in der Umweltgesetzgebung nicht das tun, was wir tun müssen, beim Tierwohl haben wir sehr hohen Nachholbedarf und auch die Arbeitsverhältnisse der Menschen in diesen Fleischfabriken ist ja völlig indiskutabel.
Das heißt, in drei Rechtsbereichen verstoßen wir eklatant gegen gesetzliche Normen und Spielregeln, die von der Bevölkerung auch zunehmend eingefordert werden.“ (Asendorpf 2018)

Station 4: Tiertransport | Station 5: Schlachthof (>> ‚billige‘ Arbeitskräfte aus Ost-Eurpa) | Station 6: Großhandel / Einzelhandel / Teller / Magen

Produziert wird aber nicht nur für die fleischliebenden Deutschen, sondern auch und zunehmend für den Export:

Station 7: Export, z.B. nach China und Afrika.

  • „Bei Geflügel und Schweinen hat sich die Exportmenge in den vergangenen zehn Jahren glatt verdoppelt.“ (Asendorpf 2018)

Schweinehälften werden also – unter Einhaltung einer energieintensiven Kühlkette – um den Globus gekarrt, was selbstredend wenig sinnvoll ist.

Station 8:
Wochenmarkt‘ in Afrika

Auch abseits des CO2-lastigen Transports hat dieses industriell-billige Export-Fleisch den extremen Nachteil, dass es (wie auch im Bereich von Export-Gemüse) heimische Märkte (und damit auch die (Markt-)Kultur insbesondere in Afrika kaputtmacht: Die dortigen Kleinbauern können auf den Märkten nicht gegen die EU-Produkte konkurrieren.

Bis vor Kurzem waren solche Produkte sogar noch direkt subventioniert []. Mit anderen Worten, diese mit Geld geförderten Exporte konterkarieren die ebenfalls bezahlte Entwicklungshilfe. Welches andere Wort als „Wahnsinn“ könnte treffender sein?

Manchmal „beschweren“ sich dann sogar noch Bürger*innen, dass Entwicklungshilfe „nichts bringt“.

  • Neben den bisherigen und nunmehr abgestellten direkten Export-Subventionen gibt es weitere indirekte Subventionen: Das Ganze wird subventioniert über Stallbauprämien, allgemeine Subventionen für die großangelegte konventionelle Landwirtschaft, Tierschutz- und Arbeitsschutzregelungen (in Schlachtbetrieben), die ihrem Namen nicht gerecht werden, mangelnden Kontrollen durch zu wenig Personal, Inkaufnahme von Trinkwasserverunreinigung etc. pp.

Station 9:
Erntehelfer*innen in Südspanien

Die Bauern, für die es sich z.B. aufgrund des billigen EU-Fleisches oder -Gemüses nicht mehr lohnt, die Felder zu bestellen, geben die ohnehin extrem mühsame Arbeit auf, lassen den Boden erodieren, der Humus geht verloren, evtl. setzt vermehrt Wüstenbildung ein. Der Bauer verlässt nicht selten sein Dorf und landet schließlich, falls er das Mittelmeer überleben sollte, als Erntehelfer… in Südspanien z.B. auf den Gemüsefeldern oder in den Gewächshäusern, deren Produkte z.B. nach Deutschland und Afrika exportiert werden.
Und dort macht sie/er die mehr oder weniger gleiche Arbeit wie vorher, nun aber als mittelloser und allzuoft rechteloser Migrant, entwurzelt, wahrscheinlich ohne seine Familie und sorgt unbeabsichtigt und unbewusst, dass dieses u.a. Afrika (weiter) ruinierende System am Laufen bleibt, indem er letztlich dafür sorgt, dass weitere Bauern in Afrika aufgeben müssen.

(Station 9 erklärt einen Mechanismus, der prinzipiell richtig ist, jedoch natürlich notwendig den Sachverhalt vereinfacht darstellt.)

OMG.

Fazit: In Südamerika wird der Regenwald gerodet; viele traditionelle Bauern werden entrechtet und ihrer Existenz beraubt. In Deutschland wird bei der Tiermast mit Jungtieren z.B. aus Dänemark mit dem über den Atlantik verschiffte Gen-Soja durch zu großen Stickstoffeintrag das Trinkwasser mit Nitrat verunreinigt. Das alles nur, damit nicht nur der ungesund-übermäßige Fleischappetit der Deutschen befriedigt werden kann, sondern auch noch weltweit Exportmärkte bedient werden können. Nach dem CO2-intensiven Transport um den halben Globus macht das billige (und faktisch hoch subventionierte) Export-Fleisch z.B. afrikanische Märkte kaputt, verhindert den geordneten Aufbau von Ländern des globalen Südens, konterkariert Hilfe zur Selbsthilfe, sorgt für langfristig zerstörte Böden, entwurzelt Menschen, die dann u.U. als Erntehelfer in Südeuropa landen. Bon Appetit.


Ein Blick in die nähere und schon begonnene Zukunft:

Konventioneller und Öko-Landbau können sich künftig – möglicherweise – via Robotik annähern: Wo ein Ökostrom-angetriebener High-Tech-Jäte-Roboter im Rahmen des ‚precision farming‘ seinen Dienst tut, sind keine/weniger Unkrautvernichtungsmittel erforderlich.
Bleibt die Frage, inwieweit das eine luxuriöse Idee des Westens ist.

(Wichtig dabei ist, dass die in den letzten Jahren immer gewaltigeren Landmaschinen wieder kleiner und leichter werden, damit sie den Boden nicht im wahrsten Sinne des Wortes plattmachen.)

>> vgl. Pander, Jürgen (2019): „Technikinnovationen im Landbau: Nie wieder bücken!“ in: Der Spiegel, 9.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/auto/aktuell/agritechnica-megatrend-digitalisierung-praegt-landmaschinen-a-1295099.html (Abrufdatum 11.11.2019)


Indoor Urban Farming / Vertical Farming

In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe von neuen Konzepten und Start ups entstanden, die gemeinsam haben, dass Pflanzen erdlos (Hydroponik) indoors unter (mit grünem Strom betriebenen) LED-Licht gezogen werden – in manchen Fällen in Kombination mit Fisch-Aquakulturen, sodass das mit Nährstoffen versehende (Fisch-)Wasser der Aquakulturen für die Aufzucht der Pflanzen weiterverwendet wird. Das Ganze nach Aussagen der Betreiber ohne den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika. Was insofern funktionieren kann, weil die Bedingungen ungleich kontrollierter sind als in der konventionellen Landwirtschaft. Auch spare man sich lange Lieferwege und damit auch eine Kühlkette, heben die Betreiber*innen hervor. Hightech-Gemüse-Aufzuchtschränke stehen mittlerweile offensichtlich schon in einigen EDEKA-Filialen. Was die Hightech-Farmer nicht sagen: All diese Hallen, Zuchtschränke, Becken etc. pp. müssen hergestellt, gebaut, gewartet und irgendwann ersetzt werden. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass es bislang vielfach Gastronomen gehobener Restaurants sind, die diese Angebote nutzen.

>> vgl. Rosenbach, Marcel (2019): „F(r)isch aus der Stadt. Ernährung: Garnelen aus Bayern, Buntbarsche aus Berlin: ‚Urban Farming‘ verspricht gesunde Produkte ohne lange Transpoortwege. Ist das ein Trend oder die Zukunft der Landwirtschaft?“. in: Der Spiegel, Nr. 34/17.8.2019, S. 58-60.

Thema „Landgrabbing“

  • „In Mecklenburg … sind die Flächenpreise seit 2005 um fast 400 Prozent in die Höhe geschossen. Das übertrifft selbst den Preisanstieg in München, wo sich die Bodenpreise im selben Zeitraum um 177 Prozent erhöht haben…. Zu den neuen Landbesitzer gehören Immobilienfirmen, Möbelhändler oder Fondsgesellschaften, fast immer mit Sitz in Westdeutschland. ‚In solchen Konglomeraten, die mit Stoßtrupps osteuropäischer Arbeiter die Felder traktieren, abernten und dann weiterziehen, zählt nicht, ob die nächste Generation den Boden noch bewirtschaften kann‘, sagt Reinhard Jung vom Brandenburger Bauernbund.“

>> Quelle und Zitat: Klawitter, Nils (2019): „‚Der macht alles platt‘. Eigentum: In Zeiten von Niedrigzinsen wird Ackerland immer lukrativer: Investoren kaufen ganze Landstriche auf – einheimische Bauern können kaum noch mithalten.“ in: Der Spiegel, Nr. 42/12.10.2019, S. 80.


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