Klimakrise in Zahlen: CO₂-Emissionen in Deutschland

  • Eine kleine gute Nachricht vorweg: Seit 1990 sind die CO₂-Emissionen in Deutschland in einer sanft, aber insgesamt deutlich abfallenden Gerade zu veranschaulichen:

1990 = 1252 Mio t CO₂
2018 = 866 Mio t CO₂ (=-31%)
Für 2020 geht das BMU von einer Minderung von 32% aus. (n.n. 2019a)

> Anmerkung: BMU = Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
> Aufgrund internationaler Konventionen sind jährliche Emissionen aus dem Kraftstoffeinsatz für von Deutschland ausgehende internationale Verkehre nicht eingerechnet, d.h. rund 29 Mio t CO₂ für internationale Flugstarts sowie 7 bis 8 Mio t CO₂ für Schifffahrt, vgl. n.n. (2019b).


Aber die weniger gute Nachricht lautet: 32% sind nun mal keine 40%:

Deutschland verfehlt damit in relevantem Maß das Klimaschutzziel des Aktionsplanes Klimaschutz 2020, demzufolge die CO₂-Emissionen um 40% gegenüber 1990 zurückgefahren werden mussten (vgl. n.n. 2019a). Dieses Scheitern ist Gegenstand der sog. Greenpeace-Klimaklage, in der Greenpeace den Standpunkt vertritt, dass der Aktionsplan Klimaschutz 2020 verbindlich ist und daher nicht einfach – wie geschehen – in den Koalitionsverhandlungen im Frühjahr 2018 quasi per Nebensatz vom Tisch gefegt werden kann. Die Klage wurde in erster Instanz abgewiesen, wird aber von Greenpeace als Teilerfolg gesehen, weil die Richter*innen Klimaklagen grundsätzlich für zulässig halten (vgl. n.n. 2019c)


Transparenz durch Offenlegung: Der Autor dieses ‚Party-Kit Klimakrise‘ hat im Januar 2019 einen 23-seitigen Antrag auf Beiladung zur Greenpeace-Klimaklage gestellt.

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Begründung: Nicht nur (Öko-)Bauern oder Menschen in besonderen geologisch vulnerablen (verletzlichen) Gegenden sind schon gegenwärtig und in absehbarer Zukunft persönlich, unmittelbar und evtl. sogar existenziell von den Folgen der Klimakrise betroffen, sondern auch ich als im Jahrgang 1971 geborener Bürger der Stadt Hamburg. Und wenn ein Durchschnittsbürger wie ich in dieser eindeutigen Weise betroffen ist, dann ist quasi jede(r) Bürger*in Deutschland in gleichartiger Weise betroffen. Diese Betroffenheit wird dann ausführlich erörtert und zeichnet ein gleichermaßen fundiertes wie detailliertes Bild, was uns in Deutschland gemäß aktuellem Forschungsstand mutmaßlich „blühen“ wird. Siehe LLL-Beitrag: „Antrag auf Beiladung zur Greenpeace-Klimaklage gegen die Bundesregierung“ sowie Abschnitt Klimaschäden vor Gericht: Gerichtsprozesse als Mittel zur Bekämpfung der Klimakrise.

Die Bundesregierung bzw. Altmaier kommentiert das Nicht-Erreichen des Aktionsplanes Klimaschutz 2020 wie folgt: Die Wirtschaft sei seit 1990 deutlich gewachsen – und trotzdem seien die CO₂-Emissionen zurückgegangen (‚Altmaier’sche Rechnung‘ vgl. n.n. 2018).

Hm. Ja, klingt erst einmal gut und plausibel.

Aber: Dieses Wirtschaftswachstum kam nicht wirklich überraschend und die Tatsache, dass die Wirtschaft gemäß aktuellem Wirtschaftssystem wächst bzw. wachsen soll, wurde selbstredend bei Festsetzung des Aktionsplanes Klimaschutz 2020 erwartet und einkalkuliert: Es handelt sich also um eine nicht statthafte Relativierung, kurz: um ein Ablenkungsmanöver.

Und ein weiteres Mal sei darauf verwiesen:
Die Natur lässt nicht mit sich verhandeln.

>> Siehe Aspekt Die Natur kennt uns gar nicht in Abschnitt Wir sind Erde.

Ich denke, wir können uns darauf verständigen, dass die deutsche Politik nach anfänglichen Erfolgen im Bereich ‚Energiewende‘ vor allem eines tut: reden.


Doch Konstantin Wecker hat es 2011 auf den Punkt gebracht:

„Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es.“

>> Refrainzeile des gleichnamigen Liedes von 2011, hier heißt es auch: „Wie man das Klima der Erde rettet – nun ganz bestimmt nicht, indem man jettet.“

>> siehe dazu auch Aspekt Ausreden und Ablenkungsmanöver in Abschnitt Eine neue Rückzugslinie: Klimawissenschaftsverweiger*innen – die immer gleichen ‚Argumente‘.

Quellen des Abschnitts Klimakrise in Zahlen: CO₂-Emissionen in Deutschland.

>> n.n. (2018): [Peter Altmaier als Diskussionsteilnehmer]. in: Maybrit Illner, 13.12.2018. online unter https://www.youtube.com/watch?v=sRUx0RtXa68 (Abrufdatum 21.6.2019)

>> n.n. (2019a): „Emission von Treibhausgasen“. in: Umweltbundesamt [UBA]. online unter https://www.umweltbundesamt.de/indikator-emission-von-treibhausgasen#textpart-1 (Abrufdatum 13.11.2019)

>> n.n. (2019b): „Trendtabellen Treibhausgase 1990-2017“. in: Umweltbundesamt, 23.9.2019, online unter https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/361/dokumente/2018_12_19_em_entwicklung_in_d_trendtabelle_thg_v1.0.1_0.xlsx (Abrufdatum 13.11.2019)

>> n.n. (2019c): „Teilerfolg in erster Instanz“. in: Greenpeace, online unter https://www.greenpeace.de/klimaklage-aktuell (Abrufdatum 2.12.2019)


Zurück zu den Zahlen:


Klimakrise in Zahlen:

CO₂-Emissionen in Deutschland, aufgegliedert nach Sektoren:

Erläuterung: Das „e“ hinter CO₂ steht für „Äquivalente“: Die Wirkung anderer Treibhausgase wird zur Vereinfachung in CO₂-Wirkung umgerechnet und zum CO₂-Wert hinzugerechnet. (s.a. Abschnitt Die Physik des Klimawandels.)

  • Energiewirtschaft
    • 343 Mio t CO₂e = 38% (1990=466 Mio t CO₂e)
    • Allein RWEs Braunkohlekraftwerke haben einen Anteil von etwa 13% an den Gesamtemissionen Deutschlands (vgl. n.n. 2019)
  • Industrie
    • 188 Mio t CO₂e = 21% (1990=92 Mio t CO₂e = -34%)
      • Emissionen aus Verbrennungsprozessen und der Eigenstromversorgung des produzierenden Gewerbes sowie die Emissionen aus gewerblichen und industriellen Prozessen und der Produktverwendung (unter anderem auch von fluorierten Treibhausgasen, den sogenannten F-Gasen)
  • Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD)
    • 39 Mio t CO₂e = 4% (1990>>2016 = -50%)
      • Emissionen aus Verbrennungsprozessen in Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD; auch als „Kleinverbrauch“ bezeichnet), die im Wesentlichen der Wärmebereitstellung (Brennstoffe für Raumwärme, Kochen und Warmwasser in Nichtwohngebäuden) und Prozesswärme/-kälte dienen
  • Haushalte
    • 91 Mio t CO₂e direkte Emissionen (ohne Strom und Fernwärme) (1990>>2016 = -31%)
      • fallen fast ausschließlich bei der Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser in Gebäuden an.
  • Verkehr
    • 166 Mio t CO₂e = 18,2% (1990 = 163 Mio t CO₂e)
      • Verbrennung von Kraftstoffen im Straßen-, Schienen- und nationalen Luft- und Seeverkehr. Nicht enthalten sind der land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Kraftstoffeinsatz (der im Sektor Landwirtschaft bilanziert wird) sowie die Treibhausgasemissionen aus internationalem Luft- und Seeverkehr.
  • Landwirtschaft
    • 72 Mio t CO₂e = 7% (1990 = 90 Mio t CO₂e = -20%)
      • Emissionen der Landwirtschaft Methan- und Lachgasemissionen aus der Tierhaltung und dem Düngemanagement sowie Kohlendioxidemissionen aus dem landwirtschaftlichen Kraftstoffeinsatz
  • Übrige Emissionen
    • 10 Mio t COe = 1%
      • Methan- und Lachgasemissionen aus der Abfall- und Wasserwirtschaft – seit 1990 um fast 73% gesunken, maßgeblich aufgrund des Verbots „der Deponierung organisch abbaubarer Siedlungsabfälle“
        (Alle Zahlen aus n.n. 2018)

>> Anmerkung: Der Sektor „Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“ (LULUCF) wird bei der Berechnung des geänderten CO₂-Regimes beim Aktionsplan Klimaschutz 2020 nicht einbezogen. „Laut aktuellem Projektionsbericht entwickelt sich der gesamte LULUCF-Sektor im Zeitraum zwischen 2015 und 2020 von einer Senke zu einer Quelle für Treibhausgase… Das ergibt sich [u.a.] aus … einer … abnehmenden Senkenleistung im Wald “ (ebd.)

Quellen des Abschnitts CO₂-Emissionen in Deutschland, aufgegliedert nach Sektoren

>> n.n. (2018): „Klimaschutzbericht 2018“. in: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. online unter https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/klimaschutzbericht_2018_bf.pdf (Abrufdatum 21.6.2019)

>> n.n. (2019): „Braunkohlenkraftwerke – Klimakiller Nr. 1“. in: BUND NRW, online unter https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/hintergruende-und-publikationen/braunkohlenkraftwerke/ (Abrufdatum 24.6.2019)


Ein Thema, dass im Zusammenhang mit der Klimakrise so gut wie nie genannt wird:

Bundeswehr & Rüstung in ökologischer Perspektive

Wer schon immer mal wissen wollte, wie vorbildlich-nachhaltig die Bundeswehr operiert, sei der entsprechende Nachhaltigkeitsbericht 2018 anempfohlen:

  • Hier erfährt man, dass
    „die beiden Dienstsitze des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn und Berlin zu 100 % Ökostrom“ beziehen – und das schon seit 2015. Daneben waren „[z]um Jahresende 2017… insgesamt 292 Nutz- und Transportfahrzeuge mit Elektroantrieb im Einsatz.“ Auch ergab „eine Gesamtauswertung der Bestellungen von Recyclingpapier der Bundeswehr im Jahr 2017“, dass die [90%-]Zielvorgabe „des Maßnahmenprogramms Nachhaltigkeit aus dem Jahr 2010 … in der Sparte Drucker- und Kopierpapier mit 91,18 % erreicht“ wurde. (n.n. 2018a)


Was so ein Panzer bei Übungen oder auch im Auslandseinsatz an CO₂ raushaut, was die Herstellung eines ebensolchen Kettenfahrzeugs an Ressourcen und Energie erfordert – oder wie es um die Umweltbilanz von Aufklärungsflügen aussieht, erfährt man hingegen nicht. Es wirkt, als wäre die Bundeswehr eine Behörde mit einigen Außenstellen. Es wäre doch durchaus interessant, was die – nennen wir sie die ‚Außendienstler*innen‘ – an Ressourcen und Treibhausgasen verbrauchen?


Anlässlich der Diskussion um den Afghanistan-Krieg ergab die Antwort zu einer kleinen Anfrage im Jahr 2007 im Bundestag:

  • „Der Kraftstoffverbrauch des Waffensystems TORNADO liegt in Abhängigkeit von Flughöhe, Fluggeschwindigkeit und anderen Variablen zwischen 30 und 100 kg pro Minute. Hieraus ergibt sich ein Kraftstoffverbrauch pro Flugstunde zwischen 1 800 und 6 000 kg. Aus einem Kilogramm des Turbinenkraftstoffs Kerosin und 3,4 kg Sauerstoff entstehen bei der Verbrennung im Triebwerk rund 3,15 kg Kohlendioxid (CO₂) und 1,24 kg Wasserdampf… Daneben entstehen weitere Abgaskomponenten“ (zit. nach Rosenkranz 2007).

    > Rechnung Minimal: Flugstunde = 1800kg Kerosin x 3,15kg CO₂= 5,67 t CO₂/h
    > Rechnung Maximal: Flugstunde = 6000kg Kerosin x 3,15kg CO₂= 18,9 t CO₂/h


  • Nun, hier an weitere und seriöse Zahlen zu kommen, ist schwierig. Festzuhalten ist, dass „Verteidigung … der zweitgrößte Etat im Bundeshaushalt“ (Schmeitzner 2019) ist, dass Deutschland 2020 einen Verteidigungsetat von 50,3 Mrd Euro haben wird (vgl. n.n. 2019c), dass die USA 2018 Militärausgaben in der Höhe von 649 Mrd US-Dollar hatten (n.n. 2019a) – und dass Militärübungen und -operationen neben vielem Anderen definitiv auch äußerst Ressourcen- und Energie-intensiv sind. Wenn also ein Eurofighter vom Stillstand bis zum Abheben weniger als 8 Sekunden benötigt und dabei einen mit 6215 Liter Kerosin gefüllten Tank mitnimmt und „ohne Nachbrennereinsatz verbraucht ca. 70-100 Liter Flugbenzin pro Minute“ verbraucht, dann ist damit mehr als angedeutet, dass der Bereich „Militär“ auch in Klimafragen problematisch ist.


Naja, und SUVs werden zwar als Stadtpanzer bezeichnet, aber dieser Vergleich hinkt dann im Vergleich zum Leopard 2 dann doch: Es schluckt im Gelände 530 Liter auf 100 Kilometern (vgl. n.n. 2019b).


Und dann ist da noch das Geschäft der deutschen bzw. internationalen Rüstungsindustrie:

  • „Das Geschäft mit Angriff und Verteidigung boomt weltweit: Im vergangenen Jahr haben die 100 größten Rüstungsfirmen dieses Planeten Waffen im Wert von umgerechnet 350 Milliarden Euro verkauft. Mit diesem Geld könnte man für ein Jahr den kompletten deutschen Bundeshaushalt finanzieren.“ (n.n. 2018b)


Imagine.
In Zeiten, in denen die Menschheit dabei ist, den Kampf um das eigene Überleben als Spezies zu führen, wäre es wohl – endlich, endlich – an der Zeit, aufzuhören, sich gegenseitig zu bekämpfen. Ein frommer Wunsch? Imagine, was alleine mit dem Geld der Rüstungsindustrie und den jährlichen US-Militärausgaben alles erreicht werden könnte…

s.a. Aspekt U.S. military greenhouse gas emissions im Abschnitt Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum: Klimakrise in Zahlen, global gesehen.

Quellen des Abschnitts Bundeswehr & Rüstung in ökologischer Perspektive

>> n.n. (2018a): „Nachhaltigkeitsbericht 2018 des Bundesministeriums der Verteidigung und der Bundeswehr“. in: Bundesministerium der Verteidigung, online unter https://www.bmvg.de/resource/blob/33208/55714c1f567542a17feda42b892e05f8/g-01-nachhaltigkeitsbericht-2018-data.pdf (Abrufdatum 13.11.2019)

>> n.n. (2018b): „Das Geschäft der größten deutschen Waffenhersteller“. in: orange by Handelsblatt, 11.12.2018, online unter https://orange.handelsblatt.com/artikel/52811 (Abrufdatum13.11.2019)

>> n.n. (2019a): „Länder mit den höchsten Militärausgaben 2018“. in: statista, 29.5.2019, online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/ (Abrufdatum 13.11.2019)

>> n.n. (2019b): „Leopard 2“. in: wikipedia.de, online unter https://de.wikipedia.org/wiki/Leopard_2 (Abrufdatum 15.11.2019)

>> n.n. (2019c): „Zwei-Prozent-Ziel rückt näher: Berlin meldet zum Nato-Gipfel Rekord-Verteidigungsausgaben“. in: Die Zeit, 18.11.2019, online unter https://www.zeit.de/news/2019-11/18/berlin-meldet-vor-nato-gipfel-hoehere-verteidigungsausgaben (Abrufdatum 22.11.2019)

>> vgl. Kreutzfeldt, Malte (2019): „CO₂-Ausstoß der Bundeswehr: Auf Kriegsfuß mit dem Klimaschutz“. in: tageszeitung, 18.9.2019, online unter https://taz.de/CO2-Ausstoss-der-Bundeswehr/!5627003/ (Abrufdatum 13.11.2019)

>> Zitat „Tornado“: Rosenkranz, Jan (2007): „Der CO₂-Krieg der Bundeswehr“. in: Stern, 1.3.2007, online unter https://www.stern.de/politik/deutschland/afghanistan-der-co2-krieg-der-bundeswehr-3363116.html (Abrufdatum 13.11.2019)

>> Schmeitzner, Birgit (2019): „Streit über Verteidigungsetat Zwei-Prozent-Ziel spaltet Koalition.“ in: tagesschau.de, 12.8.2019, online unter https://www.tagesschau.de/inland/verteidigungsausgaben-105.html (Abrufdatum 13.11.2019)

>> s.a. Angaben zu CO₂-Bilanz des US-Militärs in Abschnitt Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum: Klimakrise in Zahlen, global gesehen.

>> technische Angaben „Eurofighter“ siehe http://eurofighter.airpower.at/technik-daten.htm und https://www.imi-online.de/2019/06/21/krieg-ist-der-groesste-klimakiller/ (Abrufdatum 13.11.2019)



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