Klima, Ökofeminismus und Parität

>> Definition ‚Parität‘: Gleichbehandlung, in gleichem Maße repräsentiert bzw. an Entscheidungen beteiligt
>> Der folgende Abschnitt lässt zur Verdeutlichung des Sachverhalts notwendig vereinfachend LGTB-Aspekte außen vor.


„Feminismus ist… ‚die radikale Vorstellung, dass Frauen Menschen sind'“.
Marie Scheer, 1986
, zit. nach Solnit 2019, 211.


Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Frauen und Männer sind gleichberechtigt.

Details

Menschenrechtscharta

Art. 1 Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. …
Art. 2 Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

>> www.menschenrechtserklaerung.de/die-allgemeine-erklaerung-der-menschenrechte-3157/

Deutsches Grundgesetz Art. 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

>> Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland


Klingt gut. Nur hat das – auch in Deutschland – wenig mit der gesellschaftlichen Realität zu tun. Es mag anders und weniger schlecht sein als bspw. vor 20 Jahren, aber die patriarchalen Strukturen stecken nach wie vor immer noch und viel zu viel in unserer Gesellschaft:

  • Letztlich dominieren Männer – auch im Jahre 2019 – immer noch die allermeisten Lebensbereiche – vor allem die Bereiche, die mit Macht, Ruhm und Reichtum verknüpft sind.

Wo vorwiegend Männer unter sich sind, entstehen männliche Dynamiken.

>> Das kann jeder Mann erleben bei ‚Männerabenden‘, die anders ablaufen, als wenn Frauen anwesend wären oder bei mixed-Sportangeboten à la Volleyball, bei denen oftmals plötzlich ‚der Ehrgeiz ausbricht‘ und alles ganz Ernst wird, wenn ausnahmsweise Mal keine Frauen zugegen sind.

  • Wo vorwiegend ‚Männer unter sich‘ Entscheidungen treffen, sind diese Entscheidungen auf deren Bedürfnisse zugeschnitten und somit männlich geprägt, d.h. konkret: von männlichen Dynamiken geprägt.

Wenn also vorwiegend Männer wirtschaftliche, unternehmerische, politische, gesellschaftliche Entscheidungen treffen, sind diese von männlichen Dynamiken beeinflusst.

  • Es sind also vorrangig männliche Dynamiken, die in der Vergangenheit und vielfach auch gegenwärtig wirtschaftliche, unternehmerische und politische Entscheidungen prägten und prägen.

Mehr noch, es waren und sind vorwiegend männliche Dynamiken,

  • die den Planeten an den Rand des Abgrundes gebracht haben und bringen
  • die Konkurrenz, (Macht-)Kampf, Ruhmsucht, Narzismus, Aggression, Gewalt, Krieg (!), Platzhirschverhalten, Rechthaberei etc. pp. befördern.


>> Anmerkung: Gar nicht so unterschwellig macht sich das tatsächliche gesellschaftliche Geschlechterverhältnis in Deutschland etc. bemerkbar, wenn Männer das Bedürfnis verspüren, Frauen die Welt zu erklären:

„Sicher, Menschen beiderlei Geschlechtes tun sich bei gesellschaftlichen Anlässen hervor, indem sie über Belanglosigkeiten und Verschwörungstheorien schwadronieren, aber das durch und durch provokative Selbstvertrauen der vollkommen Unwissenden ist meiner Erfahrung nach geschlechtsspezifisch. Männer erklären mir die Welt, mir und anderen Frauen, ob sie nun wissen, wovon sie reden, oder nicht. Manche Männer jedenfalls.“ (Solnit 2019, 14)

Touché?



Der Ökofeminismus geht davon aus, dass es dem Planeten und den Menschen besser ginge, hätten nicht weitgehend Männer das Sagen.

Astrid Lindgren hat sich zwar nicht als Ökofeministin bezeichnet, nimmt aber latent in ihren Büchern mit den starken Mädchen-/Frauenfiguren und Briefen solche Positionen ein. Ihr Biograf Jens Andersen definiert Ökofeminismus wie folgt:

  • „Vereinfacht ausgedrückt vertritt der Ökofeminismus die kontrovers diskutierte Haltung, dass es einen Zusammenhang zwischen Unterdrückung der Frau durch das Patriarchat und dem mangelnden Willen ebendieses Patriarchats gibt, Natur und Umwelt zu schützen.“ (Andersen 2017, 394)


Wikipedia, welches sich auf das Buch Soziales Subjekt Natur. Natur- und Geschlechterverhältnis in emanzipatorischen politischen Theorien von Barbara Holland-Cunz (1994) bezieht, führt dazu aus:

  • Ökofeministinnen argumentieren, dass es zwischen der Unterdrückung der Frau im Patriarchat und der Ausbeutung der Natur mit der Folge der Umweltzerstörung, von der Frauen weltweit (bspw. als Mütter, als Klein- und Subsistenzbäuerinnen in der Dritten Welt) in besonderer Weise betroffen seien, Zusammenhänge gebe. Angesichts der ökologischen Herausforderungen hätten individualemanzipatorische Ansätze ihre Grenzen. Feministische Theorie müsse eine ökologische Perspektive einschließen und umgekehrt müssten die Lösungen ökologischer Probleme eine feministische Perspektive mit einschließen.“ (n.n. 2019)


Rebecca Solnit formuliert es in ihrem Buch Wenn Männer mir die Welt erklären so:

  • „[W]ir müssen uns noch von vielmehr befreien: vielleicht von einem System, das Konkurrenz und Rücksichtslosigkeit, kurzfristiges Denken und krassen Individualismus hochhält, einem System, das der Umweltzerstörung und grenzenlosem Konsum beste Dienste leistet – jenem Arrangement, das man Kapitalismus nennen kann. Es verkörpert den schlimmst-möglichen Machismo, während es das Gute und Schöne auf Erden zerstört.“ (2019, 212)


Ich für meinen Teil bin: Ökofeminist.

  • Männerclubs und männliche Dynamiken haben einen entscheidenden Beitrag zum Zustand des Planeten beigetragen.

    Wie sollte es auch anders sein?

    Es waren im Wesentlichen Männer, die die maßgeblichen Entscheidungen der Vergangenheit getroffen haben.


In ökofeministischer Perspektive bedeutet das:

  • Wir werden die Klimakrise nur dann ‚by design‘ in den Griff bekommen, wenn wir gleichzeitig – in Deutschland wie überall auf der Welt – patriarchische Strukturen zugunsten einer feministisch und letztlich paritätisch geprägten und organisierten Gesellschaft bekämpfen.

Zurück in die Argumentationskette:

Sind nur Männer in einem Raum, z.B. bei einer Geschäftsbesprechung, werden die Entscheidungen u.U. ganz anders aussehen, als wenn

  • statt dessen ausschließlich Frauen im Raum sind – oder
  • etwa gleich viele Frauen und Männer im Raum sind.

Es geht nicht darum, dass Frauen ‚die besseren Menschen‘ sein könnten.

Auch Frauen unter sich entwickeln zuweilen ungute Dynamiken – hier kommt oft das Wort vom ‚Zickenkrieg‘ ins Spiel.

Also:

  • Männer unter sich sind dauerhaft keine gute Idee.
  • Frauen unter sich sind dauerhaft keine gute Idee.


Gemeinsam ergänzen sie sich und gleichen sich aus: Grob kann man von einem eher konkurrierenden Verhalten bei Männern und einem eher kooperierenden Verhalten bei Frauen ausgehen. Gemeinsam – und in dem sich diese Verhalten mischen und gegenseitig beeinflussen – bilden sie die gesellschaftliche Realität ab.


Fakt ist jedoch, Männer dominieren in den meisten Lebensbereichen sowohl in Deutschland als auch weltweit

  • die Entscheidungen wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Art
  • Vorstands-, CEO-, Chefetagen-Posten,
  • das kulturelle, sportliche, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche Leben
  • etc.

Das ist prinzipiell ungerecht, die gesellschaftliche Realität nicht abbildend – und daher nicht hinnehmbar.

Es ist m.E. extrem wichtig und gerecht, dass alle Menschen – Männer und Frauen – in gleichem Maße repräsentiert und in diesem Sinne in gleichem Maße an Entscheidungen beteiligt sind.

>> Anmerkung: Natürlich kann man die Bevölkerung mit all ihren Facetten (Migrationshintergründe, sexuelle Orientierungen etc. pp.) korrekt abbilden in Gremien – aber in diesem so grundlegenden Aspekt ist das m.E. sinnvoll.


Ja, sicher, es ist einiges passiert zu Gunsten Frauenrechte in den letzten hundert Jahren und auch in jüngerer und jüngster Zeit – aber im Ernst, wie weit sind wir tatsächlich gekommen? Die Bilanz ist eher verheerend, in Deutschland und global sowieso.


Bleiben wir mal in Deutschland:

  • Wie kann es sein, dass das trotz des im Grundgesetz verankerten Gleichheitsgrundsatzes immer noch so ist? So krass?
  • Es wird in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 sogar explizit hervorgehoben, dass die tatsächliche Durchsetzung der Gleichheit ein Staatsziel Deutschlands ist:

    „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

  • Wie kann es dennoch sein, dass Frauen in Deutschland auch im Jahre 2019 bei vergleichbarer Arbeit „bis hinein ins Management von Unternehmen“ (n.n. 2018) massiv Opfer des Gender Pay Gap sind und im Schnitt 21% (ebd.) weniger und in der Vorstandsetage sogar „gut 30 Prozent weniger“ (Buchhorn 2017) verdienen?

    Eine Antwort darauf: Es gibt in allen gesellschaftlichen Bereichen viele (männliche) Bremser.

  • Wie kann es sein, dass es nach wie vor eine „Pandemie der Gewalt“ (Solnit 2019, 39) von Männern gegen Frauen gibt? Wie kann es sein, dass all diese Straftaten immer wieder als Einzelfälle gesehen werden (vgl. ebd. 57), dass diese „ständig mit allem Möglichen erklärt [wird], außer mit dem Geschlecht, mit allem, außer dem, was das umfassendste Erklärungsmuster zu sein scheint“? (ebd., 39)


    So richtig weit sind wir noch nicht gekommen mit der tatsächlichen Gleichberechtigung/Gleichbehandlung:
  • Selbst der Straßenverkehr – und das ist doch absurd – ist mehr auf die Bedürfnisse von Männern (die ja maßgeblich die Entscheidungen getroffen haben) als Frauen zugeschnitten (vgl. Aspekt Gender und Mobilität)


Patriarchale Strukturen prägen nach wie vor in einem überaus unangemessenen Maße unser aller Leben. Es ist mehr als hohe Zeit, hier eine unbedingte tatsächliche Gerechtigkeit und Gleichheit herbeizuführen. Und sich dem Grundgesetz würdig zu erweisen.

Das gilt selbstverständlich ganz allgemein – und daneben ergibt die o.a. ökofeministische Perspektive, dass ‚Männer unter sich‘ Teil des Klimakrisen-Problem sind:

  • Das Prinzip ‚überwiegend Männer treffen die maßgeblichen politischen/wirtschaftlichen Entscheidungen‘ hat sich in vielerlei Hinsicht – auch in Punkto Klimakrise/Bewahrung der Schöpfung ganz eindeutig nicht bewährt.


Pointiert ausgedrückt, waren und sind es in erster Linie ‚Männer unter sich‘, die den Planeten und die Menschheit an den Rand des Abgrundes geführt haben.

Daher ist es an der Zeit, die Menschheit von allen – also Frauen und Männern gleichermaßen und gemeinsam – retten zu lassen: Die Menschheit braucht m.E. den Input von Frauen mehr und dringender denn je.

Konkret:

Was wir m.E. benötigen, ist: Parität.

  • Das bedeutet konkret in allen relevanten Entscheidungsgremien politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Art ein paritätisches Geschlechterverhältnis von etwa 50:50 mit einer pragmatischen Toleranz von plusminus 10%, d.h., das Verhältnis kann 40:60 oder 60:40 betragen. Einzuführen mit einer Übergangszeit und der Klausel, dass ab einem bestimmten Jahr in der Zukunft derartige Gremien nur dann rechtsverbindliche Entscheidungen treffen können, wenn die Parität gegeben ist. (Ein Herauskaufen aus der Paritätsregel durch Strafzahlungen darf nicht möglich sein.)


Gerade im politisch konservativen Feld lehnen Frauen gewöhnlich eine ‚Quote‘ ab – maßgeblich aufgrund der Befürchtung als ‚Quotenfrau‘ weder ernst genommen noch geachtet zu werden: Sie wollen es selbst schaffen. Verstehe ich. Verstehe ich sehr gut. Aber das wird lange dauern. Viel zu lange – gerade angesichts der umfassenden Klimakrise und der rund acht Jahre, die wir noch haben, um das 67%ige 1,5°C-Ziel zu erreichen.


Außerdem: Solche ‚Quoten‘ gehen i.d.R. nicht von 50:50, sondern von einem geringeren garantierten Frauenanteil aus: Hier sind Frauen weiterhin regelmäßig in der Minderheit. Um eine Quote dieser althergebrachten Art geht es hier nicht. Es geht um wirkliche Parität:

  • Wenn Frauen nicht mehr die Ausnahme sind, sondern zu 40 bis 60% überall vertreten, werden sich die Dynamiken sehr schnell von männlichen zu menschlichen Dynamiken entwickeln.

  • Wenn Frauen paritätisch vertreten sind, wird sich bald kein Mann mehr in der Form wie heute verächtliche Blicke o.ä. leisten können: Er riskiert eher, von seinen Geschlechtsgenossen gerüffelt zu werden.

  • Ein paritätisch besetztes Gremium wird andere Dynamiken aufweisen als ein männlich oder weibliche dominiertes. Andere Dynamiken und der paritätische Input von Frauen führen zu anderen und meines Erachtens i.d.R. auch besseren Entscheidungen. Und: Es sind allein schon deshalb bessere Entscheidungen, weil sie prinzipiell die Gesellschaft wirklichkeitsgetreuer abbilden.

  • Zur Realisierung bieten sich vielfach Doppelspitzen an. So wie die Grünen es uns seit einigen Jahren vormachen. In Frankreich gibt es schon seit 2000 ein – noch zu optimierendes – Paritätsgesetz, das unter Macron vermehrt Wirkung zeigt, wie die Politologin Helga Lukoschat ausführt:

    • „[B]ei den Wahlen zu den Départementsräten wurde ein sehr interessantes Verfahren entwickelt. Die Zahl der Wahlkreise wurde halbiert. Dafür musste in jedem ein sogenanntes Binôme antreten, ein Tandem aus Mann und Frau. Das Tandem mit den meisten Stimmen wird gewählt.“ (Oestreich 2017)



Zurzeit passen sich Frauen oft dem männlichen Geschäftsgebaren an – ein markantes Beispiel bietet hier m.E. Condoleezza Rice, die sich gnadenlos-knallhart gebende ehemalige Außenministerin der USA (2005-2009).

Frauen passen sich m.E. derzeit dem männlichen Umfeld an, weil sie in der Minderheit sind inmitten eines von männlichen Dynamiken und von männlichen Traditionen bestimmten Umfeldes.

  • Verständlicherweise haben viele Frauen keine Lust auf diese ihrem Charakter oftmals nicht entsprechende Anpassung und dieses eher unangenehme, nach einer extra Portion Testosteron riechende Umfeld.
    • (Das ist ein Grund, weshalb viele Frauen aktuell gar keine Lust haben, in Männer-dominierten Gremien zu sitzen – oder auch nur die entsprechende Ausbildung zu machen.)
    • (Ein weiterer Grund dürfte sein, dass, wenn jemand weniger Geld bezahlt bekommt auch weniger nach einem solchen Posten streben wird.)


Wenn Parität gegeben ist und auf diese Weise die männlichen Dynamiken schlicht nicht mehr funktionieren, wird die genannte Anpassung nicht mehr in dieser Form und zukünftig immer weniger ‚erforderlich‘ sein.

  • Dementsprechend werden sich auch mehr Frauen vorstellen können, solche Positionen zu übernehmen bzw. sich entsprechen aus- und fortzubilden.


Diese konkrete Umsetzung des Grundgesetzes Art. 3 Abs. 2 Satz 2:

  • „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

kann man hervorragend mit einer Anpassung von Löhnen verbinden, sodass neben dem hochzusetzenden Mindestlohn es künftig auch einen Maximallohn gibt und insbesondere vormals traditionell von Frauen ausgefüllte soziale Berufe finanziell extrem aufgewertet werden.


Darüber hinaus rege ich im Sinne eines gleicheren Deutschlands an,

  • nach dem Vorbild Islands mit seinem ‚Equal Pay Act‘ ein Gesetz einzuführen, welches Unternehmen mit mehr als 24 Mitarbeiter*innen auferlegt, die faire Bezahlung der Belegschaft zu dokumentieren (vgl. n.n. 2018) – Spekulationen und unangenehmes Nachfragen werden so überflüssig. (Übrigens auch für Männer, die teilweise ebenfalls für gleiche Arbeit ihres männlichen Kollegen nicht das gleiche bezahlt bekommen.)
  • Steuererklärungen extrem zu vereinfachen und Steuerbescheide nach dem schwedischen Vorbild transparent zu machen, soll heißen, jede(r) kann sich über den Steuerbescheid seiner/seines Nachbar*in kundig machen (vgl. Reise 2013). Ich höre förmlich die lauten Einwände beim Schreiben und erwidere sofort: Nein, auch in Schweden ist die Gesellschaft deshalb nicht auseinandergeflogen.

Details zu 'Gender Pay Gap in Deutschland'

Auch in Deutschland hat man einen ersten, winzigen Schritt gemacht, um das Gender Pay Gap zu schließen. Es könnte so einfach sein. Aber es ist wie folgt:

„Mit dem neuen „Entgelttransparenzgesetz“ erhalten nun auch Arbeitnehmer in Deutschland die Möglichkeit, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wie viel Geld Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen. Das neue Gesetz gilt allerdings nur für Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten. Außerdem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Und die Firmen müssen nur Durchschnittsgehälter nennen.“ (n.n. 2018)

Das ist ungefähr so viel wert wie eine Merkel’sche Freiwillige Selbstverpflichtung.



Schlussgedanke: ‚Klimakrise und Gender‘ ist auch in der Hinsicht ein relevantes Thema, als

  • dass es mehrheitlich Frauen sind, die sich für das Klima und gegen das Massenaussterben engagieren. Und
  • dass es vorwiegend – und das ist bedauerlicherweise weit mehr als ein Cliché – ‚alte weiße Männer‘ sind, die gegen dieses Engagement angehen und z.B. in den sog. ’sozialen Medien‘ gegen engagierte (oft junge) Frauen hetzen und diese vielfach bedrohen (vgl. Solnit 2019, 171f.).

  • Hier geht es nur manchmal um Sachthemen.

    • Hier geht es allzu oft um Macht. Um Kontrolle. Es ist vielfach: Sexismus.

      • Hier geht es vielfach um das „zwanghafte Bedürfnis, Äußerungen von Frauen abzutun, das so oft in ebendie Inkohärenz und Hysterie umschlägt, die Frauen routinemäßig vorgehalten wird (Solnit 2019, 144).

        • Hier geht es um patriarchale Strukturen, d.h. um die alte, vornehmlich von Männern dominierte Welt, deren Vertreter ‚die Welt nicht mehr verstehen‘ und sich bedroht sehen.

          • Hier geht es um patriarchale Strukturen und damit auch um die Frage, was sich ‚alte weiße Männer‘ von Frauen (die dann evtl. auch noch jünger sind) nicht sagen lassen wollen.


Ich denke, genau dieser Sachverhalt zeigt ergänzend und ein weiteres Mal auf, wie sehr es an der Zeit ist, institutionell für Parität zu sorgen.

Quellen des Abschnitts Klima, Ökofeminismus und Parität'

>> Andersen, Jens (2017): Astrid Lindgren. Ihr Leben. Pantheon.

>> Buchhorn, Eva (2017): „Studie zu Gehaltsunterschieden: Auch weibliche Bosse verdienen schlechter“. in: Der Spiegel, 17.12.2017, online unter https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gehaelter-welche-konzerne-frauen-schlechter-bezahlen-a-1183788.html (Abrufdatum 27.11.2019)

>> n.n. (2018): „Gender-Pay-Gap: Island verbietet ungleiche Löhne von Männern und Frauen“. in: Der Spiegel, 4.1.2018, online unter https://www.spiegel.de/karriere/island-gesetz-fuer-mehr-lohngleichheit-von-frauen-und-maennern-a-1186157.html (Abrufdatum 27.11.2019)

>> n.n. (2019): „Ökofeminismus“. in: Wikipedia.de, online unter https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kofeminismus (Abrufdatum 27.11.2019)

>> Oestreich, Heide (2017): „’Weltweiter Trend zur Quote’“. [Interview mit der Politologin Helga Lukoschat]. in: tageszeitung, 21.9.2017, online unter https://taz.de/Archiv-Suche/!5449204&s=Weltweiter%2BTrend%2Bzur%2BQuote&SuchRahmen=Print/ (Abrufdatum 27.11.2019)

>> Reise, Niels (2013): „Lohntransparenz in Schweden: Mal kurz das Gehalt des Nachbarn checken“. in: Der Spiegel, 5.2.2013, online unter https://www.spiegel.de/karriere/gehaelter-in-schweden-maximale-transparenz-a-881340.html (Abrufdatum 27.11.2019)

>> Solnit, Rebecca (2019): Wenn Männer mir die Welt erklären. Hoffmann und Campe.


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