Globales und individuelles CO₂-Budget


Wie viel CO₂ wir noch emittieren ‚dürfen‘:

Globales CO₂-Budget:

Die Klimaforscher haben ein globales CO₂-Budget errechnet, also eine Menge des Gases, die wir noch in die Atmosphäre bringen ‚dürfen‘:

(rechts oben der Button für das wichtige 1,5°-Celsius-Ziel)

Die Budgets beziehen sich darauf, die 1,5°/2,0°-Ziele mit einer Wahrscheinlichkeit von jeweils 67% zu erreichen.
Gemeint sind jeweils CO₂-Äquivalente, d.h. alle weiteren Treibhausgase sind in CO₂-Emissionen umgerechnet.
https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html
(vgl. Abschnitt Die Physik des Klimawandels: Treibhausgase.) (n.n.2019a)

  • Verbleibendes globales CO₂-Budget 1,5°-Ziel (67%): ca. 358 Gt CO₂, bei derzeitigen Emissionen = 8,1 Jahre (13.11.2019, Update siehe tagesaktuelle Animation)

  • Verbleibendes globales CO₂-Budget 2°-Ziel (67%): ca. 1107 Gt CO₂, bei derzeitigen Emissionen = 25,9 Jahre (13.11.2019, Update siehe tagesaktuelle Animation)

  • Derzeitige jährliche globale Emissionen: ca. 42 Gt CO₂

  • Derzeitige sekündliche globale Emissionen: ca. 1332 t CO₂ (n.n. 2019a)


Anders ausgedrückt:

>> Um das 1,5-Grad-Ziel mit einer nach Ansicht des IPCC ‚hohen‘ Wahrscheinlichkeit von 67% zu erreichen, hatten wir im Oktober 2018 das Budget von 420 Gt CO₂ und 10 Jahre Zeit, aktuell = 8 Jahre Zeit, also bis etwa 2028…

>> Um das 2,0-Grad-Ziel mit einer ‚hohen‘ Wahrscheinlichkeit von 67% zu erreichen hatten wir im Oktober 2018 das Budget von 1170 Gt CO₂ und noch etwa 27 Jahre Zeit, aktuell = 25 Jahre, also bis etwa 2045…

>> Um das 1,5-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% zu erreichen, hatten wir im Oktober 2018 das Budget von 580 Gt CO₂ und 14 Jahre Zeit, aktuell = 12 Jahre, also bis etwa 2032…

>> Um das 2,0-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% zu erreichen hatten wir im Oktober 2018 das Budget von 1500 Gt CO₂ und noch etwa 35 Jahre Zeit, aktuell = 33 Jahre, also bis etwa 2052…

… um global klimaneutral zu leben (vgl. n.n. 2018).

Das bedeutet, dass wir – wenn wir jährlich auf dem 2018er Niveau CO₂ emittieren – spätestens ab dem jeweils genannten Zeitpunkt global insgesamt Netto-Null-Emissionen haben müssen, d.h. wir dürfen als Weltgemeinschaft nur noch so viel CO₂ pro Jahr in die Atmosphäre ausbringen, wie die Natur durch ihre Systemdienstleistungen der Atmosphäre entnimmt, z.B. durch Photosynthese.

Aber:

„Mittels natürlichen Senken speichert Deutschland derzeit nur 15 Millionen [Tonnen Treibhausgase] pro Jahr.“ (Geden/Strefler 2019).

  • Zusätzliche Waldpflanzungen und „schonendere Methoden in der Landwirtschaft“ (ebd.) können hier ein bisschen unterstützend wirken – aber klar ist: Da Deutschland 2017 auf dem Niveau von etwa 900 Millionen Tonnen jährlich Treibhausgase emittiert, bedeutet die erforderliche netto-Null-Emission für Deutschland faktisch eine so-gut-wie-Null-Emission.

    • Deutschland muss runter von jährlich etwa 885 Millionen Tonnen CO₂e! Das ist dramatisch – und das bildet sich nicht annähernd ab im ‚Klimapaket‘ und den Absichtserklärungen unserer Politiker*innen.

Erläuterung 'CO₂e'

>> Das ‚e‘ hinter CO₂ steht für „Äquivalente“:
Zur Vereinfachung werden die anderen Treibhausgase wie Methan und Lachgas i.d.R. nicht gesondert aufgeführt, sondern auf Basis ihrer bekannten Klimawirkung in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet, vgl. Abschnitt Die Physik des Klimawandels: Treibhausgase).

Logische Konsequenz:

Wenn wir aber so etwas wie einen grundlegenden Wohlstand erhalten möchten, haben wir jetzt umgehend alle Hebel in Bewegung zu setzen.


Fahren wir unsere CO₂-Emissionen in den nächsten Jahren sehr schnell deutlich zurück, verlängern sich die Deadlines entsprechend.

Aber nach der tatsächlichen Deadline, d.h. dem Aufbrauchen des Budgets gilt: die globale netto-Null-Emission.

  • Und das bedeutet nicht weniger als die nahezu vollständige Ersetzung dessen, was unsere Welt am Laufen hält.

Anmerkungen/Details

>> Zahl „900 Mio Tonnen Treibhausgase“ vgl. Abschnitt Klimakrise in Zahlen: CO₂-Emissionen in Deutschland

>> „Weiterhin ist der Berechnung zugrunde gelegt, dass die jährlichen Emissionen auf dem Niveau von 2017 verharren, während die neuesten Zahlen zeigen, dass die Emissionen immer noch steigen.“ (n.n. 2019a)

> So stieg „der CO₂-Ausstoß aus fossilen Brennstoffen [2018 gegenüber 2017] um 1,8 Prozent auf einen neuen Rekordwert.“ (Eichhorn 2019)


Der sog. Kohlekompromiss, also das Verhandlungsergebnis der bundesdeutschen Kohlekommission im Frühjahr 2019, welches den Kohleausstieg bis 2038 vorsieht, reicht laut Klimaforscherin Brigitte Knopf für das 1,5°-Ziel nicht aus:

  • „Wenn man die Messlatte von nur 1,5 Grad Temperaturanstieg anlegt, ist die Strategie der Kohlekommission nicht Paris-kompatibel.“ (Seidler et al. 2019)

    (Brigitte Knopf ist Generalsekretärin des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC))

Das gleiche ist über das am 20.09.2019 von der derzeitigen Bundesregierung verkündete Klimaschutzpaket zu sagen. So erwartet die Chefin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, „von der im Klimaschutzpaket der Bundesregierung geplanten CO₂-Bepreisung ‚keinerlei Lenkungswirkung‘“ (n.n. 2019b)

Mehr Ohrfeige geht nicht.

Update Dez 2019 mittels eines Zitats von Brigitte Knopf:

„Die Nachschärfung [u.a. via Einstiegspreis auf 25 EUR und einer Entlastung der Bürger über die EEG (vereinfacht: über den Strompreis)] ist ein substanzieller Schritt in die richtige Richtung, um die Klimaziele für das Jahr 2030 zu erreichen. Das wird zwar noch nicht reichen, aber die Klimaschützer haben sich hier gegen die Bremser durchgesetzt. Das ist zum Jahresende ein ermutigendes Signal.“ (Spiegel: Römer 2019)


Es bleibt:

  • Was von Medien, Klimaforscher*innen und Umweltschutzorganisationen überraschenderweise kaum aufgegriffen wurde ist die Tatsache, dass das Budget des Klimaschutzpaktes von 54 Milliarden EUR zunächst oberflächlich gesehen hoch und in diesem Sinne beeindruckend erscheint.

    • Diese 54 Milliarden sollen bis inkl. 2023 ausgegeben werden, d.h. der Mittelwert beträgt jährlich 13,5 Mrd EUR.

    • Laut der aktuellsten Studie des Umweltbundesamtes zu umweltschädlichen Subventionen in Deutschland liegen diese in der Höhe von 57 Milliarden – jährlich (n.n. 2016).

    • Innerhalb von vier Jahren laufen hier also rechnerisch 228 Milliarden EUR auf, die in die gegenteilige, d.h. in die klimaschädliche Richtung weisen.

      • Fazit: In der Summe habt Deutschland also dann zwischen 2020 und 2023, rein rechnerisch, 171 Milliarden EUR gegen den Klimaschutz ausgegeben.


Es mag sein, dass das Klimapaket einige dieser Subventionen Schritt für Schritt und (viel zu) langsam abbaut – aber dessen ungeachtet relativieren sich anhand dieses Zahlenspiels sich die „Höhe“ von 54 Milliarden EUR erheblich.


Daher mutet es dann nur und ausschließlich von der Wortwahl her, nicht aber hinsichtlich der Aussage, drastisch an, wenn der Klimaforscher Mojib Latif zum Klimaschutzpaket feststellt:

„Mit diesen Maßnahmen leisten wir dem Klima viel eher Sterbehilfe“ (n.n. 2019c).

Und, nebenbei bemerkt:

  • Die Bundesrepublik Deutschland plant für 2020 Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe von 50,36 Milliarden Euro. (vgl. n.n. 2019d)
  • Der für 2020 vorgesehene Bundeshaushalt liegt bei 362 Mrd Euro. (vgl. Gathman 2019)

Greta Thunbergs Rede auf der Klimakonferenz COP 25
in Madrid, 11.12.2019 https://youtu.be/11FCyUB81rI?t=287
(Abrufdatum 11.12.2019);
Tipp: automatische englische Untertitel aktivieren
(‚misleading‘ = irreführen, täuschen)

11.12.2019: Greta Thunberg konstatiert auf der Weltklimakonferenz in Madrid, dass das ’so tun als ob man relevant etwas für das Klima täte‘ eine Täuschung der Bürger*innen sei und daher besonders gefährlich, weil sich viele Menschen deshalb in Sicherheit wiegen bzw. sich zurücklehnen.

„And I still believe that the biggest danger is not inaction. The real danger is when politicians and CEOs are making it look like real action is happening when in fact almost nothing is being done – apart from clever accounting and creative PR.“ (n.n. 2019a)

„[O]ur leaders are not behaving as if we were in an emergency. In an emergency you change your behavior: If there’s a child standing in the middle of the road and cars are coming at full speed, you don’t look away because it’s too uncomfortable. You immediately run out and rescue that child.“ (ebd.)



Dänemark zeigt derweil, wie es geht:

Dänemark verabschiedet im Februar 2020 ein „auch für künftige Regierungen verbindliches [und mit zahlreichen Kontrollmechanismen versehendes] Klimagesetz“ (Wolff 2019) inkl. Bürgerversammlung mit den anspruchsvollen Rahmendaten 2030 = -70% gegenüber 1990, Klimaneutralität bis 2050, das ganze ohne Atomkraft, und: „[D]ie gesamte CO₂-Reduktion soll auf dänischem Boden stattfinden und nicht etwa über den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten.“ (ebd.)

  • „Von einem ‚historischen Tag‘ spricht auch der [dänische] Industrieverband: ‚Die Industrie steht bereit: Wir werden den Rest der Welt inspirieren und freuen uns auf eine Führungsrolle.“ (ebd.)

Quellen des Abschnitts Globales CO₂-Budget

>> Eichhorn, Christoph von (2019): „CO₂-Ausstoß steigt auf Rekordhoch“. in: Süddeutsche Zeitung, 27.3.2019, online unter https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-co2-ausstoss-klimaschutz-1.4385141 (Abrufdatum 13.11.2019)

>> Gathmann, Florian (2019): „Merkels Rede im Bundestag: Einen vom Pferd erzählt“. in: Der Spiegel, 27.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-zu-haushaltsberatung-im-bundestag-vielleicht-ein-finale-a-1298514.html (Abrufdatum 28.11.2019)

>> Geden, Oliver u. Strefler, Jessica (2019): „Netto-Null“. in: Süddeutsche Zeitung, 23.6.2019, online unter https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/forum-netto-null-1.4495713 (Abrufdatum 13.11.2019) [pay wall]

>> n.n. (2016): Umweltschädliche Subventionen in Deutschland 2016. Aktualisierte Ausgabe 2016. online unter https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltschaedliche-subventionen-in-deutschland-2016 (Abrufdatum 1.10.2019)

>> n.n. (2018): „Special Report Global Warming of 1.5 °C“. [Weltklimarat-/IPCC-Sonderbericht]. in: IPCC.ch, Oktober 2018, online unter https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/sites/2/2019/02/SR15_Chapter2_Low_Res.pdf (Abrufdatum 13.11.2019) [Hier ein PDF mit den Hauptaussagen dieses Sonderberichts in deutscher Sprache: https://www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_IPCC_SR15.pdf (Aburfdatum 23.12.2019)]

>> n.n. (2019a): „Verbleibendes CO₂-Budget. So schnell tickt die CO₂-Uhr“. in: Mercato Research Institute on Global Commons and Climate Change. online unter https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html (Abrufdatum 9.6.2019)

>> n.n. (2019b): „Klimaschutz: Chefin des Umweltbundesamts bezweifelt Wirksamkeit des Klimapakets“. in: Die Zeit, 23.9.2019, online unter https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-09/klimaschutz-marie-krautzberger-umweltbundesamt-kritik-klimapaket (Abrufdatum 1.10.2019)

>> n.n. (2019c): „Elfte Klimawoche Hamburgs Grüne und SPD im Klima-Clinch“. in: Die Welt, 23.9.2019, online unter  https://www.welt.de/regionales/hamburg/article200808488/Elfte-Klimawoche-Hamburgs-Gruene-und-SPD-im-Klima-Clinch.html (Abrufdatum 1.10.2019) [Mojib Latif auf der Eröffnungskonferenz der Hamburger Klimawoche, deren Beiratsmitglied er ist]

>> n.n. (2019d): „Zwei-Prozent-Ziel rückt näher: Berlin meldet zum Nato-Gipfel Rekord-Verteidigungsausgaben“. in: Die Zeit, 18.11.2019, online unter https://www.zeit.de/news/2019-11/18/berlin-meldet-vor-nato-gipfel-hoehere-verteidigungsausgaben (Abrufdatum 22.11.2019)

>> Römer, Jörg (2019): „Nachbesserungen beim Klimapaket: ‚Klimaschützer haben sich gegen Bremser durchgesetzt'“. in: Der Spiegel, 16.12.2019, online unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/nachbesserungen-beim-klimapaket-die-klimaschuetzer-haben-sich-gegen-die-bremser-durchgesetzt-a-1301488.html (Abrufdatum 17.12.2019)

>> Seidler, Christoph u. Römer, Jörg (2019): „Kohleausstieg und Klimaschutz: Reicht das, Deutschland?“. in: Der Spiegel, 29.1.2019, online unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kohleausstieg-sind-die-klimaziele-noch-erreichbar-a-1250364.html (Abrufdatum 21.7.2019)


Tipp: Automatisch erzeugte englische Untertitel einschalten.
https://www.youtube.com/watch?v=ESDpzwWrmGg
(Abrufdatum 21.11.2019)

23.7.2019: Greta Thunberg spricht 11 Minuten lang vor der Assemblée nationale (dem französischen Parlament) in Paris und wiederholt VIER Mal, dass uns noch gerade mal 8,5 Jahre (s.o. Animation) bleiben, um mit einer 67%igen Chance das 1,5°-Ziel zu erreichen.



Globales CO₂-Budget >> Budget für fossile Industrie

Aus dem globalen CO₂-Budget ergibt sich des Weiteren konkret, wie viel die Energiekonzerne fördern, verfeuern und emittieren dürfen/können/sollen.

  • Hierzu hält Naomi Klein fest, dass die sicheren bzw. erschlossenen fossilen Quellen im Bereich Erdöl/Kohle/Gas derzeit fünf Mal so groß sind wie der Anteil, den wir noch in die Atmosphäre bringen können/dürfen.


Und das finanzielle Interesse, diese Quellen auch auszuwerten, ist – logischerweise (?) – immens hoch.

  • „Here’s the big problem. If you look at how much oil and coal and gas companies already have in their proven reserves, you’ll notice one thing: It’s up to five times as much as the entire carbon budget for the earth. If we let them digg it all up, we’re cooked. If it stays in the ground, we have a chance.“

>> Klein, Naomi und Lewis, Avi (2015): This Changes Everything. Film-Doku inspiriert durch Naomi Kleins Buch This Changes Everything: Capitalism vs. Climate, deutscher Titel: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima.

Wenn man dann noch berücksichtigt, wie viele Quellen durch technologische Fortschritte künftig theoretisch zusätzlich erschließbar sind und die Tatsache einbezieht, dass viele Quellen überhaupt erst durch den Klimawandel erschließbar werden (z.B. durch Eisschmelze), dann wird deutlich, dass die Menschheit gefordert ist, diese Rohstoffe bewusst in der Erde zu lassen.

Und hier können keine Sonderinteressen von Belang sein. Es geht schlicht nicht.

‚Pictures help‘ – ein Bild:

Der Planet hatte einst eine heiße Atmosphäre, die sehr viel CO₂ enthielt: Die Erde war eine heiße CO₂-Hölle. Es bildete sich Leben, dass das Kohlenstoff C von dem CO₂ zum Leben braucht. Meist mit Hilfe der Photosynthese entzog dieses pflanzliche Leben dem CO₂ das C (=Kohlenstoff). Übrig blieb sozusagen der nicht benötigte Abfallstoff Sauerstoff O₂. Als es ausreichend von diesem Abfallprodukt Sauerstoff O₂ in der Atmosphäre gab, entstand eine andere Form von Leben, das genau dieses Abfallprodukt zum Leben braucht: Tierisches Leben. Eine Art Gegenspieler, denn es braucht Sauerstoff O₂ und gibt beim Ausatmen CO₂ in die Atmosphäre. So entstand ein Kreislauf und langfristig eine gewisse Balance – wobei im Laufe der Jahrmillionen der Atmosphäre nach und nach mehr und mehr C bzw. CO₂ entzogen wurde – so wurde es langsam kühler auf der Erde. (Lassen wir mal die Eiszeiten und so was weg). Wenn die Pflanzen, die das C gespeichert enthielten, starben, fielen sie auf den Waldboden, wurden von anderen Pflanzen, Bäumen, Laub etc. irgendwann auf verschiedene Weise verdeckt. Durch unterschiedliche Vorgänge – z.B. durch Luftabschluss und Druck – wurden aus dem Kohlenstoff C Stoffe wie Öl, Kohle oder Gas. Wenn wir diese fossilen Stoffe (bestehend aus C) verbrennen, zieht das Feuer – wie wir alle wissen – Sauerstoff (O₂) an, sonst kann es nicht brennen. Das Feuer würde ersticken ohne O₂. Der Kohlenstoff C verbrennt also, in dem er das C mit dem O₂ zusammenbringt zu CO₂.

  • Was also passiert – einfach ganz logisch betrachtet – wenn wir das zuvor nach und nach über einen unvorstellbar langen Zeitraum von Jahrmillionen hinweg gespeicherte und der Atmosphäre entzogenen Kohlenstoff als CO₂ – innerhalb von gerade mal 250 Jahren – wieder in die Atmosphäre jagen?

Wir verändern die Zusammensetzung der Atmosphäre und machen sie wieder, mit jedem Liter Öl, mit jedem Feuer, mit jeder Kohleladung, Stück für Stück zu der eingangs beschriebenen immer wärmeren und schließlich heißen CO₂-Hölle.

Wir feuern uns klimatisch gesehen sozusagen ins Dinosaurierzeitalter zurück.

  • Für dieses Klima sind wir definitiv nicht gemacht. Und unsere Häuser, unsere Technik, unsere Flora und Fauna auch nicht.

Zum Verständnis dieses Bildes bedarf es keines naturwissenschaftlichen Studiums. Wie kann es sein, dass das so lange kaum jemand gesehen hat / sehen wollte?

Weiter im Bild des ‚Dinosaurierzeitalters‘:

Über die Grünen wurde in der Vergangenheit immer mal wieder nachgesagt, wenn es nach ihnen ginge, lebten wir alle wieder in Baumhäusern.

Es ist genau umgekehrt: Die Grünen sind derzeit die einzige (parlamentarisch relevante) Partei, die aktuell (wenigstens ein bisschen!) daran arbeitet, dass unsere Nachfahren – um im Bild zu bleiben – nicht wieder in Baumhäusern leben müssen.


>> Siehe Aspekt Die Natur lässt nicht mit sich verhandeln in Abschnitt Wir sind Erde.


Verbleibendes individuelles CO₂-Budget:

Aus dem globalen Budget kann man errechnen, wie viel jeder Mensch pro Jahr klimaverträglich emittieren kann/darf:

Jeder Mensch besitzt bis 2050 ein klimaverträgliches CO₂-Budget von 2,3t CO₂ pro Jahr.

Wichtig:
Die Angabe ‚2,3t CO₂ pro Person pro Jahr‘ bezieht sich auf das 2-Grad-Ziel, d.h. in Wirklichkeit sind es noch weniger, denn das 1,5-Grad-Ziel soll unbedingt eingehalten werden laut dem Sonderbericht des Weltklimarats vom Herbst 2018 (siehe IPCC 2018) (vgl. n.n. 2019 u. n.n. 2009)

Tatsächliche durchschnittliche Emissionen pro Person pro Jahr:

D 11,6t | DK 7,25t | GB 7,09t | F 5,19t | A 7,77t | CH 4,63t | Polen 8,34t | Mexiko 3,88t | Senegal 0,59t | Indien 1,66t | China 6,71t | Japan 9,29t | USA 17,02t | Brasilien 2,19t | Rekordhalter: Katar 44,02t u. Niger 0,08396t (Gossy 2015, Zahlen gemäß dortiger interaktiver Weltkarte)


Emissionen pro Person pro Jahr, aufgesplittet nach Einkommen:

  • „[D]ie drei reichsten Millionen [US-]Amerikaner [haben] durchschnittlich 318 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr…, während der Weltdurchschnitt pro Person etwa 6 Tonnen beträgt!“ (in: CoR: Weizsäcker 2017, 91)

  • „Das eine Prozent der reichsten [US-]Amerikaner produziert etwa 2,5%(!) der weltweiten Treibhausgase. Und die top 10% der reichsten Haushalte der Welt tragen 45% der Gesamt-Treibhausgasemissionen bei.“ (ebd. 92)

>> weitere Zahlen rund um das Thema Klimagerechtigkeit und der globale Süden siehe hier.


Zusammensetzung der durchschnittlichen Emissionen pro Person pro Jahr in Deutschland:

Heizung (1,64t) | Strom (0,76t) | Mobilität (2,18t) | Ernährung (1,74t) | sonstigem Konsum (4,56t) | öffentliche Emissionen (0,73t)

>> vgl. http://www.uba.co2-rechner.de/de_DE/ (Stand: 24.6.2019)
>> UBA (Umweltbundesamt): Der Regierung zuarbeitende wissenschaftliche Behörde – nicht zu verwechseln mit dem Umweltministerium – Das UBA ist sehr fundierte Quelle rund um Umwelt- und Klimaschutz: https://www.umweltbundesamt.de/

  • Aus der Nummer, zu viel CO₂ zu erzeugen, kommen deutsche Bürger*innen als Einzelpersonen nicht komplett raus – allein unsere öffentlichen Emissionen für Verwaltung, Schulen, Krankenhäuser etc. betragen 0,73t CO₂ pro Jahr pro Person (s.o.) – also mehr als eine Senegalesin bzw. ein Senegalese jährlich durchschnittlich generiert.
  • Aber selbstverständlich können wir etwas tun und unseren persönlichen CO₂-Abdruck reduzieren – persönlich habe ich laut Atmosfair eine jährliche CO₂-Bilanz von 5,05t CO₂. Mein Leben ist selbstgenügsam, aber nicht asketisch:


Rahmen für ca. 5t CO₂ pro Person pro Jahr in Deutschland:

kein eigenes Auto | nur Fahrrad & ÖPNV | mehrere Bahnreisen in Deutschland | keine Flüge | ‚echter‘ Ökostrom | mäßig gedämmtes Mehrfamilienhaus | eine eher kleine Wohnung | geringer Wasserverbrauch | kein Wäschetrockner | tendenziell saisonal-regionale Ernährung & kaum Tiefkühlkost | vegetarische Ernährung (‚Alles was mal Augen hatte‘)


Das bedeutet:

  • 5t CO₂ pro Person pro Jahr kann in Deutschland jede(r) erreichen, wenn sie/er es möchte. Es ist ein selbstgenügsames, aber nicht asketisches Leben.

  • 5t CO₂ pro Person pro Jahr – das ist immer noch viel zu viel, aber weniger als die Hälfte dessen, was die Bundesbürger*innen jährlich durchschnittlich raushauen. Und ohne eigenes Passivhaus, Wärmepumpe und Solaranlage auf dem Dach geht es in Deutschland auch kaum noch besser.

  • Nur weil etwas nicht ideal ist, nicht das Optimum erreichbar ist, wir als Individuen nun mal nicht aus dem System ‚Deutschland‘ rauskommen bzw. dem Kapitalismus nicht (komplett) entgehen können, ist das entgegen Stammtischparolen kein Argument, die Hände von vorneherein in den Schoß zu legen.

  • Unser jeweiliger, im Weltmaßstab abstrus hoher CO₂-Abdruck macht eher deutlich, dass jede(r) jede Möglichkeit nutzen sollte, um Überfluss und überflüssige CO₂-Verbrauche zu vermeiden.

>> Hinweis: Zur Ermittlung der eigenen CO₂-Emissionen mittels des CO₂-Rechners des Umweltbundesamtes (UBA) gibt es dieses Tool: http://www.uba.co2-rechner.de/de_DE/
>> siehe auch weiter unten Abschnitt Was kann ich tun?.

Fazit zum individuellen CO₂-Budget:

Wir verbrauchen jede(r), selbst wenn wir überhaupt nicht fliegen und uns vorbildlich verhalten, zu viel CO₂ – daran ist unmittelbar nur teilweise etwas zu ändern – aber das bedeutet in der Konsequenz, dass die CO₂-Emissionen unseres Reiseverhaltens noch oben drauf kommen, obwohl wir dafür gar kein Budget übrig haben.

Quellen des Abschnitts Verbleibendes individuelles CO₂-Budget

>> Gossy, Florian (2015): „Ausstoß von Emissionen: Das ist die Weltkarte der Klimasünder“. in: Stern, 2.12.2015, online unter https://www.stern.de/panorama/wissen/natur/co2-emissionen-pro-kopf–alle-laender-auf-einer-karte-6585868.html (Abrufdatum 26.5.2019) [gemäß interaktiver Weltkarte]

>> n.n. (2019): „Jährliches Klimabudget und Aktivitäten eines Menschen“. Atmosfair. online unter www.atmosfair.de/de/gruenreisen/persoenliches_klimabudget/ (Abrufdatum 26.5.2019) (2,3t CO₂ pro Person/Jahr mit Berücksichtigung des Weltbevölkerungswachstums, ausgehend vom 2-Grad-Ziel)

>> n.n. (2009): „Der WBGU-Budgetansatz“. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), online unter www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu/publikationen/factsheets/fs3_2009/wbgu_factsheet_3.pdf (Abrufdatum 26.5.2019) (2,7t CO₂ pro Person/Jahr ohne Berücksichtigung des Weltbevölkerungswachstums, ausgehend vom 2-Grad-Ziel)

>> Weizsäcker, Ernst Ulrich von/Wijkman, Anders et al. (2017): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Club of Rome: Der große Bericht. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.



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