Tödlicher Lobbyismus: Geld regiert die Welt?

Ja. Aber eigentlich gilt: Geld zerstört die Welt.


Lobbyismus, Finanzialismus & die Klimakrise:

Geld verhindert Klimaschutz:

  • „So beziehen … klimaskeptische Denkfabriken und andere Lobbygruppen – der Soziologe Rolbert Brulle bezeichnet sie als ‚Klima-Gegenbewegung‘ – insgesamt über 900 Millionen Dollar jährlich.“ So spendete allein „ein Netzwerk anonymer amerikanischer Milliardäre zwischen 2002 und 2010 fast 120 Millionen Dollar an ‚Gruppen, die die Forschung zum Klimawandel in ein zweifelhaftes Licht rücken.'“ (Naomi Klein 2015, 61)

Und weiter:

  • „[I]n den Vereinigten Staaten hat die Öl- und Gasindustrie im Jahr 2013 knapp 400.000 Dollar pro Tag [ausschließlich] in die Lobbyarbeit bei Kongress- und Regierungsmitgliedern gesteckt“ (ebd., 186).

Konsequenz:

Die Klima-Politik und die Berichterstattung würden ohne diese Beeinflussung gewissermaßen 900-Mio-Dollar-anders aussehen. Was dramatisch ist.

Anders ausgedrückt: In Umwelt- und Klimaschutz bzw. der Arbeit von NGOs [Nicht-Regierungs-Organisationen] steckt insgesamt in Relation verdammt wenig Geld. Greenpeace, Fridays for Future & Co legen sich mit den mächtigsten Lobbys, den bestverdienenden Industrien der Welt und mit allen an, die Gewinnler*innen des fossilen Zeitalters an. Never forget: Exxon und Shell wussten spätestens seit 1982 bzw. 1988 exakt, dass ihr Geschäftsmodell die Menschheit tödlich bedroht – siehe dazu Abschnitt Forschungshistorie Klimawandel.

Meines Erachtens gilt daher:

  • Wo es um zuviel Geld, Ruhm, Einfluss und Macht geht, geht als erstes die Wahrheit [im Ölteich] baden.
  • Egal bei welchem Thema – wir alle sollten niemals auf diejenigen hören, die – auch persönlich – zuviel Geld, Ruhm, Einfluss und Macht zu verlieren haben.

siehe dazu auch LLL-Beiträge „Geld UND Wahrheit?“ Unwahrscheinlich. Wesentlich naheliegender ist: „Geld ODER Wahrheit“. und 146.000.000 Dollar/Jahr per Pipeline direkt ins US-Regierungsviertel.

Gemessen am relativen finanziellen Input kann man es sogar so sehen, dass das Thema Klimaschutz von Umweltverbänden und Aktionisten durchaus relativ erfolgreich durchgesetzt wird. Nur nützt uns diese Erkenntnis nichts, weil – symbolisch ausgedrückt – die Eisberge derzeit schneller schmelzen als Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden.


Exkurs: Strategien der Lobbyisten der fossilen Industrien.

Nun, pointiert ausgedrückt und in a nutshell: Die Fossilen hatten von der überaus erfolgreichen Tabakindustrie gelernt – und münzten deren todbringende Strategien einfach auf das „schwarze Gold“ um.

  • Das frühe, exakte zur Verfügung stehende Wissen der Fossilindustrie um die Folgen ihres Geschäftsmodells wurde nachfolgend umgehend zur intensiven Verteidigung des Geschäftsmodells um jeden Preis verwendet:

    Man säte an systematisch Zweifel. Auch mit der Kraft der steten Wiederholung.

vgl. ausführlich dazu Klein, Naomi (2015): Kapitalismus vs. Klima. Die Entscheidung. Frankfurt a.M.: S. Fischer.

  • „Die zentrale Taktik, die von konservativen Denkfabriken im Meinungskampf angewandt wird, ist die Produktion eines endlosen Flusses an Druckmaterial, das von Büchern bis Leitartikeln reicht, aufbereitet zum Briefing von Politiker*innen und Journalist*innen, kombiniert mit regelmäßigen Auftritten von Sprecher*innen im Fernsehen und Radio.“

zitiert Friederike Otto eine Studie der Central Florida University.

>> Quelle und Zitat: Otto, Friederike (2019): Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen Hochwasser und Stürme. Ullstein, S. 47.

  • „Zwischen 1979 und 2001 kaufte der Ölriese [Exxon] für jeden Donnerstag eine Anzeige zum ermäßigten Preis von jeweils 31.000 Dollar. Und was in den redaktionell aufgemachten Bekanntmachungen des Unternehmens zu lesen war, passte so gar nicht zu dem, was die eigenen Hauswissenschaftler*innen… in ihren Studien schrieben. Eine typische Anzeige aus dem Jahr 1997, kurz vor dem Klimagipfel in Kyoto, der die Industrieländer zum Klimaschutz verpflichten sollte, lautete: ‚Wissenschaftler*innen können nicht mit Sicherheit voraussagen, ob die Temperaturen ansteigen werden, wie stark und wo Veränderungen passieren werden. […] Lassen Sie uns die Entscheidung in Kyoto nicht überstürzen. Klimawandel ist komplex; die wissenschaftlichen Aussagen sind nicht schlüssig; die Auswirkungen für die Wirtschaft könnten verheerend sein.'“

>> Quelle und Zitat: Otto, Friederike (2019): Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen Hochwasser und Stürme. Ullstein, S. 45-46.

(Offensichtlich gab es auch schon vor der 1982er Studie ein Bewusstsein für die Situation, denn sonst hätte man wohl keine Anzeigen geschaltet!)

  • „Der Konzern [Exxon/ExxonMobil] brachte sogar Präsident George W. Bush dazu, dem Kyoto-Protokoll den Rücken zu kehren, wie durchgesickerte Regierungsdokumente offenbarte. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman nannte ExxonMobil vor einigen Jahren in der New York Times nicht ganz unzutreffend ‚einen Feind des Planeten.'“

>> Quelle und Zitat: Otto, Friederike (2019): Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen Hochwasser und Stürme. Ullstein, S. 50-51.

Dieses systematische Zweifel-Säen etwas könnte man wohl als größtmögliche anzunehmende Menschenrechtsverletzung (GAM) bezeichnen?


… zurück zu Aspekt „Berichterstattung würde 900.000 Mio-Dollar anders aussehen“:

Nun ist es so, dass vielen Menschen nicht ganz unsympathisch ist, was Lobbyisten uns auftischen: Denn die sprechen natürlich alles in allem von einem bequemen „weiter so“:



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