Fatalismus und Klimakrise


Vielfach gibt es die individuelle Rückzugsebene à la „Was kann ich schon tun…“; „ob in China ein Sack Reis umfällt…“ und die gesellschaftliche Ebene, auf der dann etwa so lamentiert wird: „Das hat doch alles keinen Sinn, der Zug ist abgefahren, es ist zu spät, Deutschland ist zu machtlos bla-bla, bla-bla, bla-bla et cetera…“

  • Selbstverständlich hat Wirkung und Einfluss, was Deutschland beschließt, welche Normen es setzt, wie das Land mit seinen Partnern verhandelt, welche Waren es importiert, was es nicht exportiert und welche Innovationen es entwickelt. Wir leben in einer der größten Volkswirtschaften der Welt. Und auch wenn China mächtiger wird – natürlich haben G7-Staaten bedeutenden Einfluss. Und erst Recht hat die Europäische Union Einfluss auf das die politischen Entscheidungen und die Handlungen in der Welt.
  • Und wir Bürger*innen haben wiederum Einfluss auf den Kurs von Deutschland – und nicht nur auf dem Wahlzettel.
    Dass da mehr geht, haben die langwöchigen Fridays-for-Future-Demonstrationen sowie der Paukenschlag des Rezo zweifellos bewiesen.
    • Einfluss als Individuen haben wir auch auf anderen Ebenen: Alles was wir tun (oder lassen) hat irgendwie einen Impact. Ich kann nur empfehlen, sich nicht auf diese Opferhaltung im Gespräch einzulassen und erst recht nicht, diese Rolle selbst anzunehmen. Das macht depressiv.



Ganz oben in den einleitenden Worten schon erwähnt, hier noch einmal zentral abgehandelt:

Eine gute Nachricht:
Für die Durchsetzung einer politischen Agenda benötigt man nicht unbedingt die aktive Mehrheit der Bevölkerung.

  • „Es müssen drei bis fünf Prozent der Unternehmer und Vorstände sein, sie sich in diese Geschichte [eines neuen Narrativs wie es weitergehen soll] einschreiben, drei bis fünf Prozent der Unterhändler auf den internationalen Klimaverhandlungen, drei bis fünf Prozent der Staatschefs, drei bis fünf Prozent der Professorenschaft, der Lehrer, der Polizistinnen, der Anwälte der Journalisten, der Schauspielerinnen, der Hausmeister, der Arbeitslosen usw. Dann potenzieren sich die Kräfte, weil das, was die einen tun, von den anderen begleitet und gefördert werden kann.“

Man denke in diesem Zusammenhang an die Dynamiken rund um die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Deutschland 2017 – da hat dieser Mechanismus ganz hervorragend funktioniert.

„Der Weg in eine nachhaltige Moderne“ „wird nur unter der Voraussetzung wirkungsmächtig werden, dass in jedem gesellschaftlichen Segment, in jeder Schicht, in jedem Beruf, in jeder Funktion ein paar Prozent der Beteiligten beginnen, die Dinge anders zu machen.“

>> Quelle beider Zitate: Welzer, Harald (2016): Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand. Frankfurt a.M.: Fischer, S. 285.



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