Energie & Zukunft

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Hinsichtlich der deutschen Energiewende fallen immer wieder zwei komplett verschiedene Wahrnehmungen auf: Im Inland gilt sie als verzögert, ausgebremst und zu guten Teilen gescheitert – im Ausland strömt ihr (und in diesem Zusammenhang auch Angela Merkel) in der Regel deutliche Bewunderung zu. 

Beides ist richtig. In der Tat, Deutschland hier einen das Ausland beeindruckenden Alleingang hingelegt, der aber letztlich nur deshalb so hell nach außen strahlt, weil ‚die Anderen‘ noch weniger tun.

Und es gilt auch: Wir könnten schon so viel weiter sein.


Ein wesentliches Puzzleteil zur Bewältigung der Klimakrise: Die Energiewende bzw. die massive Nutzung von erneuerbaren (=regenerativen) Energien.

  • Ohne eine zügige und umfassende Energiewende gibt es keine Abmilderung der Klimakrise.

    • Für all die E-Autos, die nach dem Willen der Merkel’schen Regierung in den nächsten Jahren auf die Straße sollen, braucht es den Strom regenerativer Energien. Das bedeutet, es wird mehr Strom in Deutschland benötigt als bisher. Und dieser hat in absehbarer Zeit komplett ökologisch zu sein.

      Und:

    • Mittlerweile haben allerlei E-Fuels-Visionen Konjunktur (siehe unten) – sie werden als Chance gesehen, das Leben einigermaßen auf dem Komfort-Standard von heute weiterleben zu können. So soll vor allem synthetisches Kerosin aus Ökostrom gewonnen werden sollen. Dafür braucht man über oben genanntes Maß richtig viel Energie aus regenerativen Quellen.

      • Wer also realistisch betrachtet auch mittelfristig noch ab und zu ins Flugzeug steigen können möchte, sollte zum Vorkämpfer erneuerbarer Energien werden.


Ein Zwischengedanke:
„Die Sonnenstrahlung, die die Erde in einem Jahr erreicht, könnte 10.000 Jahre lang den Energiebedarf der gesamten Menschheit decken.“
(Knauer 2009)


Öffentliche Netto-Stromversorgung in Deutschland, Anteile

Regenerativ: 47,5% >> Wind = 25,4% | Solar = 9,5% | Biomasse = 8,6% | Wasserkraft 4,0%
Fossil: 52,2% >> Braunkohle = 20,1% | Atom = 20,1% | Steinkohle 10,0% | Gas = 9,3% (vgl. Pinzler et al. 2019,3)


Ein Herzstück der Energiewende in Deutschland:

Windkraft.

  • 30.000 Windkrafträder gibt es in Deutschland ‚an Land‘ (vgl. Witsch 2019).
  • „Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix von derzeit 38 Prozent auf 65 Prozent erhöhen. Den Großteil davon soll Windenergie schultern.“ (Witsch 2019)

Aber:

  • „Kaum mehr ein Windpark wird gebaut, ohne beklagt zu werden. Über 1000 Bürgerinitiativen in ganz Deutschland engagieren sich mittlerweile gegen den Bau neuer Anlagen – auch vor Gericht.“ (Witsch 2019)

  • Doch ist es so:
    • „Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der Fachagentur Wind ergab…: Selbst unter den Bürgern, die in der Nachbarschaft ein Windrad haben, sind drei Viertel damit einverstanden.“ (Pinzler 2019)


  • Die von Altmaier und Seehofer geplante bundesweite Abstandsregel von 1000 Metern zu (Kleinst-)Siedelungen (‚Splittersiedlungen‘) würde nach Ansicht des Greenpeace-Chefs Martin Kaiser die Energiewende beerdigen.

    • Auch der Fraktionschef der Grünen, Anton Hofreiter, bemüht das friedhöfliche Bild und konstatiert, „[d]er Entwurf sei ‚ein weiterer Sargnagel für die Windkraft'“.

    • „‚Mit diesem Gesetz wird die Axt an den Grundpfeiler des Klimaschutzes gelegt‘, sagte WWF-Klimaexperte Michael Schäfer. Zumal die Regeln nicht nur neue, sondern auch bestehende Anlagen träfen. In den nächsten Jahren erreichen Tausende Windräder ihre Altersgrenze. Da viele ältere Anlagen im 1000-Meter-Radius liegen, wäre ihr Ersatz unmöglich.“ (Bauchmüller 2019)

    • Sturm gegen die Abstandsregel formiert sich mittlerweile auch von Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes DBG, Energieverbandes BDEW, des Windenergieverbandes BWE, des Verbandes Kommunaler Unternehmen VKU, des Maschinenbauverbandes VDMA – und sogar und insbesondere auch von Seiten des Industrieverbandes BDI.

      Sie alle unterschrieben einen Brandbrief, in dem es u.a. heißt:

      „‚Die geplanten Einschränkungen der Windenergie an Land‘ stellten ‚die Realisierbarkeit sämtlicher energie- und klimapolitischer Ziele der Bundesregierung infrage'“. (n.n. 2019a)

  • „Das Umweltbundesamt fürchtet, dass eine Anwendung des Mindestabstands von 1000 Metern die Fläche, auf der nach jetzigem Stand Windräder gebaut werden dürfen, um 20 bis 50 Prozent verkleinert. ‚Ein Zubau an Windenergiekapazität gegenüber dem Status quo ist auf der verbleibenden Fläche faktisch nicht möglich‘, heißt es in einer Untersuchung des Umweltbundesamts.“ (n.n. 2019b)

  • Mit Stand 28.11.2019 wird nun die auch in der GroKo umstrittende Abstandsregel sowie weitere gesetzlich zu regelnde Aspekte des weiteres Ausbaus der erneuerbaren Energien aus dem ansonsten weitgehend fertiggestellten Kohleausstiegsgesetz herausgelöst und in einem eigenen Gesetz zu einem späteren Zeitpunkt verankert. (vgl. n.n. 2019d)



Ein Blick in die Statistik zum Zubau von Windkraft:

2015 = 3700 Megawatt Windleistung neu installiert
2016 = 4600 Megawatt | 2017 = 5300 Megawatt | 2018 = 514 Megawatt (Balser et al. 2019)


2014 = 1766 Windräder | 2015 = 1368 | 2016 = 1624 | 2017 = 1792 | 2018 = 743

2019, erstes Halbjahr = 86 neu aufgestellt (laut taz: Kreutzfeldt/Pötter 2019)
2019, erstes Halbjahr = 35 „unterm Strich … in Betrieb genommen“ (laut Zeit: Pinzler et al. 2019, 3)



Warum wird der Zubau weniger statt mehr, wie angesichts einer umfassenden Energiewende zu erwarten wäre?

  • „2017 [wurde] das System der Vergütungen verändert: Statt fester Zahlungen für jede gelieferte Kilowattstunde sollten Windpark-Projekte nun in Konkurrenz treten. Wer also eine Förderung für sein Windrad wollte, musste bei einer Ausschreibung mitbieten. … [Dieses als kostensenkend beworbene] neue System hatte Nebenwirkungen. Zum einen löste es ein [sog.] Dezemberfieber in der Branche aus, weil möglichst viele noch zu den alten Konditionen bauen wollten – so kam es zu den enormen Zuwächsen der Jahre 2016 und 2017. Die wiederum riefen Windkraft-Gegner auf den Plan – und mit ihnen unzählige Klagen gegen neue Windparks.“ (Balser et al. 2019)

Nein, es ist nicht ideal, eine Windkraftanlage vor das Dorf gestellt zu bekommen.

Hm, andere Dörfer – ganze Landschaften – wurden der Braunkohle geopfert. Manche Menschen leben seit Jahren mit der Ungewissheit, ob ihr Dorf quasi als letzte Zuckung der Braunkohleförderung nicht noch geräumt werden wird. Andere Menschen wiederum wohnen in unmittelbarer Nähe eines Atomkraftwerks und haben auffällig viele Leukämiefälle in der Gegend. Manche Menschen müssen mit einem Zwischen- oder Endlager für Atommüll in der Nachbarschaft ‚leben‘. Andere wiederum finden es wenig lustig, dass die Wände in ihrem Haus tiefe Risse bekommen, weil unter ihrem Haus alte Steinkohle-Stollen zusammensacken. Die Liste könnte weiter fortgesetzt werden mit neuen Flughafenstartbahnen, die quasi an den eigene Grundstücksgrenze stoßen, mit Einflugschneisen-Lärmbelastung, mit stinkenden Klärgruben, Autobahnen-Lärm und -Abgasen, ICE-Trassen etc. pp.

  • Aber ein Windrad? Versehen mit einer reichlich üppigen Abstandsregel?

    • Es müssen ja nicht gleich 1000 Meter zu Splittersiedlungen sein, wie es im Herbst 2019 der Altmeier’sche Gesetzentwurf vorsieht?

    • Windkraftwerke als Todesfalle für Tiere? Michael Diestel, Windkraftbefürworter, hat hier eine deutliche Meinung:

      „Man verweist immer wieder auf das Sterben der Vögel. Aber wenn es hier wirklich um Artenschutz ginge, müssten wir alle Straßen schließen“ (Witsch 2019).

    • Infraschall? Nicht wirklich. (Diskussion s.u.)


  • Windkraft-Verweigerung im Kontext der existenziellen Klimakrise? Vor dem Hintergrund, dass uns der Planet ohne massive Energiewende Feuer unterm Hintern macht? Ist ein Windrad vor den Toren des Dorfes ein zu großes Opfer für die Enkel*innen?


    Da stellt sich die Frage:

    • Worum geht es eigentlich? Um Bevormundung? Um Gerechtigkeit? Um ein „Warum ausgerechnet wir?“

    • Wäre es nicht sinnvoller, dafür zu protestieren, dass das Windrad durch entsprechende Stromtrassen und Zwischenspeicher angemessen in das deutsche Stromnetz eingebunden wird – statt dagegen zu sein, dass es gebaut wird?


But not in my backyard.“
Ist nicht die Frage, wie ich darauf reagiere, wenn mich eine Veränderung direkt betrifft, der ‚Lackmustest‘ (Gradmesser/Prüfstein), wo ich wirklich stehe?
Beispielsweise, – attention, jetzt kommt ein pointiertes Beispiel, wahrhaft aus dem Leben gegriffen -, wenn wir von uns glauben, wir seien tolerant – und dann passt uns die/der neue Partner*in mit Migrationshintergrund unserer Tochter nicht?


Infraschall in Deutschland

Ein Argument gegen Windkraftwerke ist tiefenfrequenter Schall <20Hz, der sog. Infraschall. So berichtet das ZDF, dass „sich aus der Wissenschaft und Medizin die Hinweise [mehren], dass Infraschall die Gesundheit beeinträchtigen kann“ (Hermes 2018). Wer allerdings jemals auch nur eine Nacht in einem Einfamilienhaus unweit einer Hauptverkehrsstraße verbracht hat, weiß, dass auch vorüberdonnernde Lastwagen genau diesen tiefen Schall, den man teilweise nur körperlich spürt, verursachen. So gesehen kann man sagen: Ja, das ist nicht schön, betrifft aber unglaublich viel mehr Menschen, als Nachbar*innen von Windkraftanlagen.

  • Das Ärzteblatt kommentiert: „Windparks erzeugen Infraschall – Meeresrauschen auch.“ (Lenzen-Schulte et al. 2019).

Tatsächlich belegen „Studien mit Placebo-Infraschall die durch negative Erwartungshaltung beeinflussten Symptome … Nocebo-Effekte“ (ebd.): Ein typischer Nocebo-Effekt tritt ein, wenn man bei einem neuen Medikament den Beipackzettel liest und darauf hin meint, die dort beschriebenen Nebenwirkungen zu spüren. Das hier zitierte Ärzteblatt bestätigt auch obige Feststellung des ZDF, weist aber darüber hinaus darauf hin, dass auch Beschäftige im Umfeld von landwirtschaftlichen Maschinen und Flugzeugen betroffen sind und schließt mit der Feststellung, dass „es dringend epidemiologischer Studien [bedarf], die das [Thema] genauer untersuchen“ (ebd.).


Mir persönlich drängt sich der Eindruck auf, dass Infraschall eigentlich ein Sachverhalt ist, der in unserer immer weiter anthropogen gestalteten Welt bislang überwiegend städtisch wohnende Bundesbürger*innen und nun auch vermehrt Menschen auf dem Land – z.B. durch Windkraftanlagen – betrifft.

Windkraftanlagen und Grundwasser

Ein weiteres Argument von Windkraftgegnern ist, Schmieröle könnten ins Grundwasser gelangen oder gar Chrom.

  • Dazu ist hier festzuhalten, dass eine Recherche mit den Suchwörtern ‚Windkraft‘ und ‚Grundwasser‘ ergibt, dass weder der Spiegel, die Zeit noch die Süddeutsche Zeitung sich dieses Argument in den letzten zehn Jahren zu eigen gemacht haben (siehe Anmerkung).
  • Umgekehrt ist es so, dass der Nichtausbau der Windenergie bedeutet, dass „der [Baunkohle-]Tagebau Sulfat und Chlorid [entlässt], ins Oberflächenwasser Eisen, was die Flüsse ‚verockert‘ und, so das Umweltbundesamt, ‚aquatische Lebensgemeinschaften‘ stört.“ (Stöcker 2019)

Wenn die Besorgnis ums Grundwasser doch immer so groß wäre, wären wir wohl alle mindestens wenig Fleisch-essende Flexitarier, denn die große und überaus reale Bedrohung für unser Grundwasser geht von der Massentierhaltung aus. (vgl. Aspekt Zu viele Tiere auf zu wenig Raum >> Trinkwasserschädigung durch Nitrat).

Anmerkung

Die SZ ist die einzige der drei Zeitungen, die diesen Aspekt zumindest erwähnt, in dem sie im Zusammenhang mit einem lokalen Streit um den Aufbau von Windkrafträdern im Jahr 2016 darauf hinweist, dass ein Gutachten im geschilderten Fall diese Problematik nicht gänzlich ausschließen konnte, weil in diesem Fall der Grundwasserspiegel möglicherweise so hoch sei, dass das Grundwasser an die Fundamente der betreffenden geplanten Windkrafträder heranreiche.

>> vgl. Bögel, Wieland (2016): „Naturschutz: Wasser gegen Wind“. in: Süddeutsche Zeitung, 12.7.2016, online unter https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/naturschutz-wasser-gegen-wind-1.3075436 (Abrufdatum 10.12.2019)


Das alte Thema ‚Arbeitsplätze‘:

  • Was z.B. für die Autoindustrie aber auch für die Braunkohle immer und stets hervorgehoben wird und
  • was im Bereich der erneuerbaren Energien immer und stets unter den Tisch fällt sei hier klar und deutlich formuliert:

Die Windkraft-Verweigerung der Bürger*innen und Politiker*innen kostet tausende gerade neu entstandene Arbeitsplätze.

  • Allein das Unternehmen Enercon kündigt im Herbst 2019 an „wegen der schlechten Marktlage bis zu 3000 Stellen abzubauen … Neben Enercon hat auch die Siemens-Tochter Gamesa den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt, der Windanlagenbauer Senvion meldete im April Insolvenz an.“ (n.n. 2019c)

… und die Kohlekumpel werden in Watte gehüllt. Der Aufschrei um Arbeitsplatzverluste ist in den Bereichen Kohle und Auto deutlich lauter als bei Sonnen- und Windenergie.

Warum? Neben vielen anderen Gründen wird besonders im Zusammenhang mit der Autoindustrie hervorgehoben, dass das besonders „wertvolle“ Arbeitsplätze seien, weil sie sozialversicherungspflichtig und recht hoch qualifizierte Arbeit böten und dementsprechend dotiert seien. Ja, das wird richtig sein. Das ändert aber nichts daran, dass Arbeitsplätze rund um erneuerbare Energien Zukunftsjobs sind. Und wenn diese nicht so toll bezahlt sind, sich weniger durch Personalräte auszeichnen, weniger sozialversicherungspflichtig sind, mag das angehen – aber es sind zukunftsfähige Arbeitsplätze. Neue Super-Arbeitsplätze à la ‚alte Bundesrepublik‘ wird es oftmals nicht mehr geben, denn es in neuen Branchen entstehen i.d.R. nur noch solche Jobs. Damit haben wir – bis auf Weiteres und vorbehaltlich einer besseren Politik – bedauerlicherweise zu leben.

Natürlich sollten wir um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. Aber eben um wirklich jeden, egal welcher Branche er zugehörig ist.



Quellen des Abschnitts Windkraft

>> Balser, Markus u. Bauchmüller, Michael (2019): „Windenergie: Der große Blackout“. in: Süddeutsche Zeitung, 8.11.2019, online unter https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/enercon-stellenabbau-krise-windenergie-1.4673755 (Abrufdatum 13.11.2019)

>> Bauchmüller, Michael (2019): „Regierung gefährdet eigene Klimaziele.“ in: Süddeutsche Zeitung, 13.11.2019, online unter https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/windenergie-deutschland-klimaziele-1.4679458 (Abrufdatum 13.11.2019)

>> Hermes, Birgit (2018): „Windkraft in Kritik – Infraschall: Unerhörter Lärm“. in: ZDF heute, 3.11.20178, online unter https://www.zdf.de/nachrichten/heute/infraschall-unerhoerter-laerm-104.html (Abrufdatum 12.11.2019)

>> Knauer, Roland (2009): „Die Kraft der Sonne“. in: Welt, 21.6.2009, online unter https://www.welt.de/wams_print/article3965610/Die-Kraft-der-Sonne.html (Abrufdatum 6.12.2019)

>> Kreutzfeldt, Malte u. Pötter, Bernhard (2019): „Neuer Kurs im Wirtschaftsministerium: Der Wind hat sich gedreht“. in: tageszeitung, 15.11.2019, online unter https://taz.de/Neuer-Kurs-im-Wirtschaftsministerium/!5638499/ (Abrufdatum 10.12.2019)

>> Lenzen-Schulte, Martina et al. (2019): „Windenergieanlagen und Infraschall: Der Schall, den man nicht hört“. in: Deutsches Ärzteblatt, online unter https://www.aerzteblatt.de/archiv/205246/Windenergieanlagen-und-Infraschall-Der-Schall-den-man-nicht-hoert (Abrufdatum 12.11.2019)

>> n.n. (2019a): „Windkraftindustrie und Gewerkschaft schreiben Brandbrief an die Regierung“. in: Der Spiegel, 13.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/windkraft-industrie-und-gewerkschaft-schreiben-brandbrief-an-die-regierung-a-1296220.html (Abrufdatum 13.11.2019)

>> n.n. (2019b): „1000 Meter Mindestabstand für Windräder – auch zu Mini-Siedlungen“. in: Der Spiegel, 12.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/altmeier-gesetzentwurf-fuer-abstand-bei-windenergie-a-1296118.html (Abrufdatum 12.11.2019)

>> n.n. (2019c): „[Niedersachsens Ministerpräsident Stephan] Weil vor Enercon-Treffen: Möglichst viele Jobs retten.“ in: Die Zeit, 13.11.2019, online unter https://www.zeit.de/news/2019-11/13/weil-vor-enercon-treffen-moeglichst-viele-jobs-retten (Abrufdatum 13.11.2019)

>> n.n. (2019d): „Umstrittene 1000-Meter-Regel: Mindestabstand für Windräder kommt in eigenes Gesetz“. in: Der Spiegel, 28.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/windraeder-umstrittene-abstandsregel-kommt-in-eigenes-gesetz-a-1298763.html (Aburfdatum 29.11.2019)

>> Pinzler, Petra (2019): „Die Energiewende-Verzögerer“. in: Die Zeit, 14.11.2019, online unter https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-11/windenergie-windraeder-umweltschutz-peter-altmeier (Abrufdatum 14.11.2019)

>> Pinzler, Petra et al. (2019): „Windkrampf. Die Regierung blockiert den Ausbau der Windenergie. Warum?“. in: Die Zeit 48/21.11.2019, S. 3.

>> Stöcker, Christian (2019): „Braunkohle in Deutschland: Bestandsgarantie für Zombies“. in: Spiegel, 24.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/braunkohle-bestandsgarantie-fuer-zombies-a-1297850.html (Abrufdatum 10.12.2019)

>> Witsch, Kathrin (2019): „Das Problem mit der Windkraft“. in: Handelsblatt, 19.5.2019, online unter https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/erneuerbare-energie-das-problem-mit-der-windkraft/24355964.html?ticket=ST-273502-13etyo42jR7gGPdaKlvc-ap4 (Abrufdatum 12.11.2019)


Ein Blick in einen Teilaspekt der Zukunft:

E-Fuels

Im November 2019 nimmt bei Karlsruhe eine Versuchsanlage für E-Fuels ihren Betrieb auf: Hier werden aus CO2 und Öko-Strom mit einem angestrebten Wirkungsgrad von 60% synthetische Kraftstoffe, wahlweise Benzin, Diesel oder auch Kerosin hergestellt. Man hoffe, innerhalb von zehn Jahren auf industriellem Niveau E-Fuels herstellen zu können. Gelänge dies, könnten

  • existierende Autos und Flugzeuge schlicht weiterhin betrieben werden – Umbauten (in größerem?) Maße nicht erforderlich. 
  • diese Kraftstoffe als Zwischenspeicher bei der Produktion von erneuerbaren Energien eingesetzt werden. Beispielsweise könnte man an einem windreichen Tag einen Teil des Energieertrages in E-Fuels umwandeln, d.h. zwischenspeichern und dann – natürlich mit 40% Verlust, aber immerhin – an einem windarmen Tag via Stromaggregat o.ä. wieder in den das Stromnetz einspeisen.

>> vgl. n.n. (2019): „Testanlage für E-Fuel: So entsteht Treibstoff aus CO2 und Ökostrom.“ in: Der Spiegel, 8.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/karlsruhe-wie-aus-co2-und-oekostrom-biotreibstoff-wird-a-1295212.html (Abrufdatum 8.11.2019)


Redet man über verschiedene Arten, Energie zu erzeugen, werden die Bau- und Rückbaukosten sowie sonstige Folgekosten i.d.R. nicht eingerechnet.

Würden diese Kosten eingerechnet werden – und was sollte dagegen sprechen, es geht ja um die Gesamtkosten, alles andere macht keinen Sinn – dann würde keine Regierung der Welt auf die Idee kommen, ein AKW auch nur zu planen.

Die Baukosten des AKW Stade, 2003 vom Netz gegangen, lagen bei 150 Mio Euro. Bei den Rückbaukosten geht man mit Stand 2017 von 1 Mrd Euro aus (n.n. 2017). Die gleiche Zahl wird auch für den bald beginnenden Rückbau von Brunsbüttel genannt (vgl. n.n. 2019) – insgesamt sind rund 30 AKWs in Deutschland zurückzubauen (vgl. n.n. 2014).

Dadurch, dass diese eine Milliarde Euro pro Kraftwerk nicht in den Strompreis eingerechnet wurde/wird, haben sich also frühere Generationen in einem m.E. unangemessenen Maß auf Kosten der aktuellen/künftigen Generationen bereichert, die die Rückbaukosten tragen.

Von der Kosten und der Sicherung der Entlagerung sowie den Gefahren und mannigfachen Kosten eines möglichen GAUs ist dann noch gar nicht gesprochen worden.

Quellen des Abschnitts E-Fuels


>> n.n. (2014): „Kernkraftwerke in Deutschland“. in: Atom aktuell, 21.2.2014, online unter http://www.atom-aktuell.de/energiewirtschaft/atomkraftwerke-in-deutschland.html (Abrufdatum 25.11.2019)

n.n. (2017): „Stade: AKW-Rückbau dauert länger als geplant“. in: NDR, 19.3.2017, online unter https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Stade-AKW-Rueckbau-dauert-laenger-als-geplant,akwstade166.html (Abrufdatum 25.11.2019)

>> n.n. (2019): „AKW Brunsbüttel wird von innen nach außen abgerissen.“ in: Hamburger Abendblatt, 25.11.2019, S. 14.

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