Eine neue Rückzugslinie: Klimawissenschaftsverweiger*innen – die immer gleichen ‚Argumente‘


Kreuzfahrt oder Enkel?

Das ist hier die Frage? …ernsthaft???

Wir müssen reden: Über Klimawissenschaftsverweigerung.

Kaum jemand würde heute in Deutschland noch behaupten, dass es generell keinen Klimawandel gäbe.

  • Die neue, weit verbreitete Rückzugslinie lautet, dass man die Handlungserfordernis zwar sehe, aber nur zu Veränderungen bereit ist wenn alles so weiter geht wie bisher (?????) – vielleicht auf Basis einer Green Economy.

Menschen, die diese Ansicht vertreten, sind de facto Klimawissenschaftsverweiger*innen.

Ihnen ist eigen, dass sie zwar jeder ihrer Ausführungen vorausschicken, dass wir uns in einer menschengemachten (anthropogenen) Klimakrise befinden und sehen, dass „etwas passieren muss“ – aber dann mit jedem ihrer nachfolgenden Sätzen ausschließlich die angebliche Unmöglichkeit von Veränderungen betonen.


Der Begriff „Verweiger*innen“ deutet dabei an, dass die Erkenntnisse der Klimaforschung zwar bis zu einem gewissen Grad gesehen, aber nicht ausreichend ernst genommen werden, sodass die Priorität auf einem „weiter so“ liegt.

Dieses „nicht ausreichend ernstnehmen“ fundierter Wissenschaft ist m.E. wunderlich:

  • Wir leben den ganzen Tag auf Basis von Wissenschaft. Unser gesamter Lifestyle, unser Essen, unser Smartphone, unsere Zahnkronen, der PC, das Internet, die Bremsgurte in unseren Autos – das Flugzeug, in das wir ohne zu zögern steigen -, unser Strom für Alles, der beschichtete Milch-Tetra-Pack, ja, auch unser zuverlässig-sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn – was auch immer: All das existiert heute, so wie es ist, ausschließlich auf der Basis von jüngeren und älteren (natur-)wissenschaftlichen Forschungen.

Und wenn dann die so hilfreiche Wissenschaft eine allzu unbequeme Wahrheit (vgl. Al Gore) auftischt, dann wird gemauert.

Bernd Ulrich formuliert es in der Zeit so:

  • „[D]ie Abers sind der Schutzwall gegen eine Veränderung, die rhetorisch so bereitwillig begrüßt wird.“

>> Quelle: Ulrich, Bernd (2019): „Die Ja-aber-Sager“. in: Die Zeit, Nr. 32, 1.8.2019, S. 1.

Allgemein bevorzugen wir doch das Vorsorgeprinzip, oder? Hier nicht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf…

Wenn die Priorität auf einem „weiter so“ liegt, läuft das dann gewöhnlich so:

Jeglicher durch seinen Gegenüber vorgebrachten Lösungsansatz wird reflexartig mit pauschalen Glaubenssatz-artigen (Schein-)Argumenten wie

„Arbeitsplätze“ | „Wachstum“ | „Verbot“ | „Verzicht“ | „Die Anderen“ | „Die Chinesen“ | „Was kann ich schon tun“ | „Umweltschutz muss man sich leisten können“ | „Die Natur des Menschen“ | „Das ist ja Sozialismus“ | „Wenn es nach den Grünen geht, leben wir bald wieder in Baumhäusern“ etc. pp. pp. pp.

abgewatscht:

„Wer etwas will findet Wege – wer nicht will, findet Gründe.“

Albert Camus zugeschrieben – und auch dem Gründer von dm, Götz Werner, im Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) zugeschrieben.

Oder es läuft so:
Die/der Klimawissenschaftsverweiger*in serviert etwas als Totschlagargument ohne sachliche Begründung. Eine solche Kostprobe für einen Wähler-anbiedernden unsachlichen Glaubenssatz liefert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Klimaschutz kann nicht auf Kosten von Wohlstand und Arbeitsplätzen gehen.“ – womit er ruinös an seinem Nicht-Nachruhm arbeitet.

Der wahrscheinlich wichtigste Klimaschutz-Spiegel-Redakteur Christian Stöcker konstatiert in diesem Zusammenhang:

  • „Bislang besteht Altmaiers Traumziel augenscheinlich aus einer Regulierung, die den Klimawandel stoppt, aber keinerlei strukturelle Veränderungen herbeiführt. Das ist selbst für Kinder als Wunschdenken zu erkennen.“

>> Quelle Zitat: Stöcker, Christian (2019): „Klimapolitik Es gibt jetzt keine Ausreden mehr“. in: Der Spiegel, 14.7.2019, online unter: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gutachten-zur-co2-steuer-es-gibt-jetzt-keine-ausreden-mehr-a-1277096.html (Abrufdatum 14.7.2019)

Zurück zum Altmaier’schen Statement „Klimaschutz darf nicht…“. Ich finde, Wunschdenken steht einem Bundeswirtschaftsminister nicht zu:

Diese als Wahrheit verkaufte Behauptung kann – da wir hier von einem hochintelligenten belesenen und zudem von einem Beraterteam umgebenen Menschen reden – m.E. nicht anders verstanden werden als eine bewusste Lüge. Die Altmaiersche Formel ist eine bloße Behauptung, die die „blühenden Landschaften“ eines Kohl und die „sicheren Renten“ eines Blühm wie harmlose Bonmots erscheinen lässt: Hier ist davon auszugehen, dass es um eine gezielte Irreführung der Bevölkerung geht, die angesichts der Dimensionen der Klimakrise aus meiner Sicht gemeingefährlich ist und die – weil Altmaier eine Äußerung mit potenziell derart weitreichenden Folgen nicht zusteht, m.E. Amtsmissbrauch nahelegt.

  • Wobei festzuhalten ist, dass Altmaier damit lediglich in klare Worte fasst, was von den vormaligen Volksparteien zzgl. FDP seit Jahren vehement vertreten wird. Sich selbst und den Bürger*innen nicht die Dimension und Dringlichkeit der Klimakrise einzugestehen, bedeutet am Ende doch die Verweigerung von wissenschaftlichen Tatsachen und eine Verweigerung von zukunftsgeeigneter Realpolitik.


Letztlich wollten die Bürger*innen diese unbequeme Wahrheit bis etwa „Ein Jahr nach Greta Thunberg“ aber auch so gar nicht hören.

Hier haben quasi alle Menschen des Establishment gemeinsame Sache gemacht… – ein unausgesprochenes Abkommen, nicht so genau hinzusehen nach dem Motto: „Wenn Du nichts sagst, sag‘ ich auch nichts“.

Eine Art jahrelange Vogel-Strauss-Kopf-in-den-Sand-Laisser-faire-Komplizenschaft des „Weiter so“. Auf Kosten der jungen Generationen und künftiger Nachfahren.

Deswegen ist es auch richtig, wenn die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer feststellt:

Meine Generation wurde betrogen.

>> Quelle des Neubauer-Zitats: Amann, Melanie u. Traufetter, Gerald (2019): „Freitags-Demonstrantin Neubauer streitet mit Minister Altmaier – ‚Meine Generation wurde betrogen‘.“ [Peter Altmaier und Luisa Neubauer im Interview]. in: Der Spiegel, 15.3.2019, online unter: https://www.spiegel.de/plus/luisa-neubauer-und-peter-altmaier-im-streitgespraech-a-00000000-0002-0001-0000-000162913137 (Abrufdatum 31.5.2019) (Paywall)

„Betrogen“ ist angesichts der potenziellen Folgen ein m.E. viel zu vornehmes Wort – Rezo hebt in diesem Zusammenhang in seinem Youtube-Video „Die Zerstörung der CDU“ hervor, dass Eltern und Großeltern doch i.d.R. an ihrem Nachwuchs interessiert sind – er findet, junge Menschen sollten auf ihre (Groß-)Eltern einwirken, um beim Klimaschutz voranzukommen:

  • „Denn Eltern und Großeltern ist nichts im Herzen wichtiger als sicherzustellen, dass ihre Kinder und Enkel in einer sicheren Welt leben und kein beschissenes Leben haben.“

>> Quelle: Rezo (2019): „Die Zerstörung der CDU“. in: Youtube.de, 18.5.2019, Min 54f., online unter www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ (Abrufdatum 24.6.2019)


Diesen Satz belegt der sonst so beeindruckend gute Quellenarbeit betreibende Rezo nicht.

  • Mein persönlicher Eindruck ist, dass diese Generation viel zu sehr mit der Planung der nächsten Kreuzfahrt beschäftigt ist, um sich auch noch über so etwas Gedanken zu machen.
  • Oder: Die Großeltern sind auf Kreuzfahrt – statt auf dem Kreuzzug zugunsten ihrer Enkel*innen.

Ok, das war jetzt sarkastisch und pauschalisierend.

Zweifellos richtig hingegen ist:

Faktisch handelt es sich es beim derzeitigen Klima-Versagen von deutschen Politiker*innen und von uns Erwachsenen um die einseitige Kündigung des Generationenvertrages…

… der dem Mensch-sein seit Jahrtausenden zutiefst eingeschrieben war/ist und der sinngemäß besagt(e):

  • Die Altvorderen kämpfen dafür, dass es den Kindern und EnkelInnen einmal besser gehen wird als ihnen;
  • Die Kinder der Altvorderen bezahlen (heute) via Sozialsystem indirekt die Rente der Alten und unterstützen Eltern und Großeltern im Alter bei der Bewältigung des Alltags.


Stattdessen demontiert die Politik – m.E. Grundgesetz-widrig

  • GG Art. 2 „Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“
  • GG Art. 20a „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere“

die Lebensgrundlagen der jungen und der kommenden Generationen.

Und, im Ernst, wir sog. Erwachsenen machen kollektiv mit, nach dem Motto: „Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft, sorry.“
… und reden uns die Welt schön.

>> vgl. dazu: Baumann, Marc: „Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft, sorry“, Süddeutsche Zeitung, 14.7.2017, online unter http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46223/Urlaub-war-uns-wichtiger-als-Eure-Zukunft-sorry (Abrufdatum 24.2.2018)
und auf meinen teils davon inspirierten LLL-Beitrag „Kommen wir zur: Unbequemen Wahrheit.

Urlaub war uns nicht nur wichtiger als unsere Enkel*innen –
wir haben uns den Flug-Kreuz-Malediven-3xMalle-Urlaub sowie den gesamten alltäglichen Luxus-Überfluss nach Meinung vieler ach so hart arbeitender Bundesbürger*innen auch wirklich verdient.

  • Das möchte ich pointiert in Frage stellen – ausdrücklich mit Ausnahme der Menschen in Deutschland, die in Pflegeberufen und/oder im Niedriglohnsektor tätig sind, alleinerziehend durch alle Raster fallen und/oder mehr oder weniger Vollzeit arbeiten und trotzdem Hartz-IV-Aufstocker*innen sein müssen. Für alle Anderen gilt meines Erachtens:

Egal, was und wie viel wir arbeiten, wir Erste-Welt-Schnösel, wir arbeiten nicht hart. Das können wir komplett vergessen. Der Minenarbeiter im Congo, der arbeitet hart. Er riskiert Kopf und Kragen – damit seine Kinder heute, nach drei Tagen, mal wieder etwas zu essen bekommen. Er arbeitet hart für die ’seltenen Erden‘ Ihres Smartphones, ebenso wie der arme Mensch, der in Asien unser Smartphone unter sklavenähnlichen Bedingungen zusammenschraubt und seine Familie seit einem 3/4 Jahr nicht gesehen hat – wir haben mutmaßlich nur im Büro gesessen, einige E-Mails verzapft, uns ’ne Currywurst reingepfiffen und auf ein paar Sitzungen rumgegähnt.

Und falls Sie, werte(r) Leser*in, darüber hinaus zu den wirklichen Spitzenverdienern gehören und sich immer noch einbilden, dass Sie verdient haben, was Sie verdienen: Vergessen Sie auch das – Ihr Gehalt steht definitiv in keinem Verhältnis zu Ihrer Leistung: Niemand ist in der Lage, einen Arbeitsgegenwert von, sagen wir, +80.000 EUR jährlich zu erbringen.

Warum Sie trotzdem so viel verdienen? Nun, ich vermute: Es ist Schmerzensgeld. Wie geht es Ihnen wirklich?

PS:
Pflegeberufe sind in Deutschland aufgrund extrem mieser Arbeitsbedingungen, völlig unangebrachter Niedriglohn-Bezahlung sowie mangels gesellschaftlicher Anerkennung wirklich harte Arbeit.

Ich vertrete die Auffassung, dass die Wertigkeit von Berufen um 180° auf den Kopf zu stellen ist. Wir brauchen z.B. mehr hochqualifiziertes und daher auch: gut bezahltes Personal u.a. in Erzieherberufen, denn sie tragen maßgeblich zu unserer Zukunft bei.

Und ich bin mir sicher, dass wir – bezogen auf ‚grenzenlose‘ Spitzenverdiener -, keinem Menschen der Welt gut tun, wenn er ein (eigentlich) nicht-ausgebbares Gehalt erhält. Damit hält er einfach zu viel Macht in seinen Händen, Macht, mit der die meisten m.E. nicht umgehen können.


Exkurs mit Definitionen Klimawissenschaftsverweigerer*in & Co:

>Leugner*in – keine Ausführungen erforderlich.

>Verweiger*in – akzeptiert wissenschaftliche Befunde, argumentiert oberflächlich, dass Handlungserfordernis besteht, akzeptiert keinen Vorschlag oder Lösungsansatz als geeignet, ist nicht bereit Einschränkungen hinzunehmen – verweigerte sich also am Ende doch, Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ziehen.

>Relativierer*in – betreibt eine mildere Form von Verweigerung; lässt sich jedoch nicht auf die ganze Wahrheit ein.

Wie hoch mag der Anteil der Deutschen sein, die die wissenschaftlichen Befunde vorbehaltlos akzeptieren und aktiv eine Lösung der Krise anstreben?

Denn daneben gibt es noch die

> Fatalist*in bzw. Evolutionist*in – sie geben die Menschheit verloren – manche finden das schlimm, andere zucken mit den Schultern – bis hin zu der Position der Antinatalist*innen, die lieber nicht geboren wären bzw. das mögliche Aussterben des Menschen begrüßen.

Wer diese Position ernsthaft vertritt: Ok.

Aber ich denke, dass es eine ganze Reihe von Menschen gibt, die sich hinter dieser „Evolutions“-Position verstecken, weil sie bequem sein kann, psychologisch entlastend wirkt und ggf. zügellosen Hedonismus ermöglicht.

Und das finde ich für meinen Teil nicht komisch, insbesondere dann, wenn diese Position von Eltern oder Großeltern vertreten wird: Wer Kinder in die Welt gesetzt hat, hat – im Rahmen ihrer/seiner Möglichkeiten – für sie einzustehen.

> Und dann gibt es noch Menschen, die sich – insbesondere im rechten Spektrum – aus der Gesellschaft zurückziehen und sich auf die Klimakatastrophe vorbereiten, siehe dazu: Grassegger, Hannes (2019): „Von der Klima-Angst radikalisiert“. [Die Story des Tages.]. in: Das Magazin, online unter https://mobile2.12app.ch/articles/20641537 (Abrufdatum 25.7.2019)

Auch wenn der Typus der Klimawissenschaftsverweigerin bzw. des Klimawissenschaftsverweigerers natürlich nicht auf das gesamte Establishment zutrifft, so ist doch deutlich festzustellen, dass sehr viele Menschen fraglos die etwas mildere Form der Klimawissenschaftsverweigerung betreiben und somit als „Klimakrisen-Relativierer*innen“ zu bezeichnen sind:


Beliebt und ständig präsent sind nach meiner Beobachtung in weiten Teilen der Bevölkerung bzgl. der Dringlichkeit und Dimension der Klimakrise Ausreden und vor allem Ablenkungsmanöver:

Streiken statt Pauken – ändert die Generation Greta die Politik
Anne Will, 31.3.2019, die Folge mit Greta Thunberg,
der Fridays for Future-Aktivistin Therese Kah,
Harald Lesch und Robert Habeck, hier ab Min 8:30,
als Habeck und Lesch über
Fridays for Future bzw. die Schulpflicht sprechen.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=5&v=p4nEjlGbGSc
  • Das einseitige Festklammern an einer Diskussion über vermeintliches Schulschwänzen:

    • Hier handelt es sich angesichts der dringenden Handlungserfordernisse schlicht um Notwehr und um zivilen Ungehorsam, die/der angesichts der vollkommen absurden Verweigerung der Regierung absolut gerechtfertigt ist.

      (Selbst wenn diese Sachverhalte so nicht exakt im BGB etc. festgeschrieben sein sollten: Die Klimakrise ist eine so noch nie dagewesene Bedrohung, die logischerweise auch ggf. neue juristische Sachverhalte schafft.)


      Auch der Astrophysiker und Autor diverser Bücher über den Klimawandel Harald Lesch verlautbarte bei Anne Will (siehe oben rechts), dass „dass die Demonstrationen [von Fridays for Future & Co] noch viel intensiver werden müssen“ – die Schulpflicht hält er in dem Zusammenhang im Vergleich zu der Bedrohung die der Klimawandel … darstellt, …für unerheblich.“
  • Das starre, beharrende Hinweisen auf die (inhaltlich natürlich nicht falsche) Vielfliegerei von Jugendlichen:
    • Hier geht es in erster Linie das Zeigen mit dem Finger auf andere, besonders dann, wenn sie sich nicht so edel verhalten, wie das ihre Kritiker*innen „erwarten“. Wobei diese das Argument auch dann, wenn Jugendliche(r) X tatsächlich nicht fliegt, trotzdem nicht gelten lassen. Die eigene Nase wird dabei zudem gar nicht angefasst. Im Übrigen sind diese Jugendlichen von der Generation, die ihr das vorwirft erzogen worden – und möglicherweise wird die Vielfliegerei auch gar nicht so selten von den Eltern finanziert.

  • Die unangenehme Überbetonung der Frage des Umgangs mit Geflüchteten seit einigen Jahren im Allgemeinen und namentlich durch Bundesinnenminister Horst Seehofer im Herbst 2018 im Besonderen:
    • Hier steht die politische und mediale Ausreizung dieses Themas in keinem Verhältnis zu den Fakten und deren Bedeutung – daher muss die Frage lauten: Worum geht es hier eigentlich? – Wer Themen setzt, sorgt auch dafür, dass andere Themen unterrepräsentiert bleiben.
  • Auch ein Ablenkungsmanöver kann das Verharmlosen oder Nicht-Setzen von Themen sein:
    • Der Bundestagswahlkampf 2017 zeichnete sich massiv dadurch aus, dass
      • ständig vor „Populismus“ gewarnt wurde und
      • die wirklich relevanten Themen nicht benannt wurden.
    • Die Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, Marlene Weiß, stellt hier die Frage, wie man das nennt, „was die meisten Parteien im [2017er] Wahlkampf beim Klima treiben?“. Ihre Antwort: „Dramatisierung kann man ihnen [, d.h. den Parteien,] nicht vorwerfen, im Gegenteil. Die größte globale Bedrohung wird einfach fast gar nicht erwähnt. Und wenn doch, dann so, dass es garantiert niemandem weh tut. Es ist ein Populismus, der die Gunst der Massen im Schweigen sucht… Wer sich davor um der Gunst der Massen willen drückt, der ist, so lange es kein besseres Wort dafür gibt, ein Populist der Verharmlosung.“

>> Quelle: Weiß, Marlene (2017): „Bundestagswahl: Populismus der Verharmlosung“. in: Süddeutsche Zeitung, 8.9.2017, online unter: https://www.sueddeutsche.de/wissen/bundestagswahl-populismus-der-verharmlosung-1.3657792 (Abrufdatum: 19.6.2019)

  • Das Bonmot von den Verboten, der alten Fratze „Verbotspartei“, der angeblich heraufdämmernden Ökodiktatur und der vermeintlich bedrohten Freiheit – insbesondere in Form der angeblich existierenden und zu verteidigenden FreienFahrtFürFreieBürger (FreieFahrtFürFreieBürgerinnen fordert übrigens niemand!)

    • Hier gibt es zu bedenken, dass CDU/CSU und FDP normalerweise nicht als Parteien bekannt sind, die sich für den „kleinen Mann“ (und für die „kleine Frau“?) und dessen/deren Freiheiten einsetzen. Warum also jetzt? Geht es wirklich um die Menschen mit nicht so hohen Einkommen? Oder nicht doch eher um die Verteidigung des Status Quo, der alten (fossilen) Industrien, der Merz’schen Aktionär*innen, der oberen Zehntausend – ergo: um die Profiteure des fossilen Zeitalters?

      • Sehr schön bemerkt dazu die SZ über den Liberalismus, d.h. vor allem über die FDP:

        „Anstatt eine realistische Einschätzung der Klimakrise zu gewinnen, wird deren Dramatik wegmoderiert, um denen, die dringende, komplexe Reformen fordern, unrealistische, unterkomplexe Panikmache zu unterstellen. Anstatt nüchtern die Klimafolgenforschung zu analysieren und nach geeigneten politischen Instrumenten zu suchen, werden die Möglichkeiten des gesellschaftlichen Lernens, der diskursiven Vermittlung notwendiger Veränderung ideologisiert als „Umerziehung“. Das Erstaunlichste ist vielleicht, wie der gegenwärtige politische Liberalismus mit einem Repertoire an populistischen Trigger-Begriffen wie ‚Verbot‘, ‚Askese‘ und ‚Verzicht‘ das eigene Reflektionsdefizit zu maskieren sucht.“

      • Ich möchte dazu anmerken, dass ich weniger erstaunt bin als Carolin Emcke. Ein simpler, aber wesentliche Beweggrund so zu handeln ist wenig erstaunlich und in ein Wort zu fassen: Es geht hier neben kurzfristigem Denken m.E. vor allem um: Geld.

    • Die Taktik der „Freiheitskämpfer*innen“ von CDU/CSU, FDP und der SPD betont den mündigen Bürger, dem man möglichst wenig vorschreiben sollte. Ist prinzipiell ja sicher auch nicht falsch, verkennt aber, dass hier eine merkwürdige i.d.R. männlich-gewohnheitsrechtliche „Freiheit“ als Ausrede in Anspruch genommen wird, die so gar nicht existiert – und von der wohl auch kaum jemand möchte, dass es sie gibt:
      Festzuhalten ist, dass die Regeln, Gesetze, Gebote unseres Landes ganze Wandschränke füllen: Wir leben in einem äußerst regulierten Staat – und das ist – von der ausufernden Steuererklärung mal abgesehen – i.d.R. auch gut so. Ob nun dazu noch ein paar Gesetze hinzukommen oder nicht, macht den Kohl nicht fett und rechtfertigt erst einmal keinen Aufschrei, wie wir ihn quasi täglich zu hören bekommen.

      Mely Kiyak hält in der Zeit dazu fest:

      • „Ja klar, Verbote. Was denn sonst? Es braucht nicht weniger Regulierung, sondern mehr. …Und bei Grenzübertritt fette Strafzahlungen. Geld ist die einzige Sprache, die Konzerne verstehen. Wenn man Herstellern nicht verbietet, ihren chemischen Schrottzucker in süchtig machende Lebensmittel zu kippen, wird sich nichts ändern… Freiheit nennen es jene Politiker, denen das Wohl der Agrarindustrie – nur ein Beispiel – näher ist als das Wohl der Wähler. Wie lächerlich. Was ist denn der Staat? Wann genau fing das eigentlich an, dass das Verbieten tabuisiert wurde? Kann es sein, dass die am Diskurs beteiligten gar nicht merken, dass der Staat auf dem Fundament von Verboten steht?“ (Kiyak 2019)
      • Der Spiegel hält dazu fest: „In ihrer Verzweiflung über die Erfolge der Grünen greifen ihre politischen Gegner zum alten Klischee der ‚Verbotspartei‘ – und erkennen nicht, dass niemand mehr Angst davor hat… Bei den Wählern hat sich offensichtlich (auch dank ‚Fridays for Future‘) die breite Erkenntnis durchgesetzt, dass Spaß künftig nur noch zu haben ist, wenn wir die Erde nicht vorher unbewohnbar machen.“
    • Und hier hat man auch über die Freiheit der Anderen nachdenken: Über das Recht der Bürger*innen auf körperliche Unversehrtheit, z.B. auf gesunde Luft in den Städten zu atmen oder das Recht auf eine gleichberechtigte Teilnahme am Verkehr sowohl der Fußgänger*innen als auch der Radfahrer*innen – es geht also um einen Interessensausgleich und nicht um das angebliche Recht des am lautesten Plärrenden.

    • Es ist interessant, dass die Kontroversen um die Einführung der Gurtpflicht, der neuen deutschen Rechtschreibung und des Rauchverbots in Deutschland in Restaurants etc. zunächst mit gleicher Vehemenz wie die derzeitige Diskussion um Tempolimits und CO₂-Steuer geführt wurden – danach aber jeweils unerwartet gut und mit breitem Konsens angenommen wurden. Soll heißen, wir sollten uns davon nicht zu sehr beeindrucken lassen, das Ding durchziehen, aber selbstverständlich bei Ökosteuern auf Sozialverträglichkeit in Form von intelligenten Steuern mit Rückvergütungen etc. achten – dann gibt es erwartbar auch keine „Gelbwesten“-Dynamiken.

    • Und, bei der Gelegenheit: Ich möchte NIE WIEDER den Begriff „freiwillige Selbstverpflichtung“ hören müssen – dass ist ein Euphemismus für lobbyistische Parteipolitik, gekoppelt mit der Ausrede, dass jede(r) BürgerIn in einer Demokratie das Recht habe, sich täglich durch mit Fastfood das Leben zu verkürzen und es seine freien Entscheidung sei, ob er aufgrund einer Zigaretten-Plakatwerbung zum Raucher werde.

      • Noch ein Lieblingswort von Lobbyisten:
        Wenn man den CEOs (=Chief Executive Officer = HauptgeschäftsführerIn) der großen Konzerne zuhört, dann könnte man glauben, es sei ihnen nicht wichtiger als: Nachhaltigkeit.

      • Hier die allgemein anerkannte Definition des Begriffes aus dem sog. Brundtland Report von 1987:
        Eine Entwicklung ist nachhaltig, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“
        • im englischen Original: „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“
          >> Quelle: n.n. (1987): „Report of the World Commission on Environment and Development: Our Common Future“. [Brundtland Report: Our Common Future]. in: UN-documents.net, onöline unter http://www.un-documents.net/wced-ocf.htm (Abrufdatum 14.7.2019), s.a. n.n. (2019): „Brundtland Bericht, 1987“. in: Lexikon der Nachhaltigkeit, online unter https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm (Abrufdatum 14.7.2019)

      • In einfacheren Worten drückt es Harald Welzer aus:

        „Nachhaltigkeit bedeutet Wirtschaften in der Zeit: Also, ich darf zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht mehr verbrauchen als nachwachsen kann.“

Luisa Neubauer fügt hinzu:

  • Letztlich mache das alles deutlich, wie überfordert der öffentliche Diskurs ist, „der sich an das Einzige klammert, was im weitesten Sinne klimapolitisch bedeutsam und irgendwo begreifbar ist: Autos und Flugzeuge.
    Dabei sind die großen Fragen noch ganz andere: Woher kommt die Selbstverständlichkeit, dass es okay ist, dem Planeten und der Umwelt wissentlich so massiv zu schaden? Mit welchem Recht dürfen Naturkatastrophen wie die Überschwemmungen in Mosambik provoziert werden. Wieso dürfen Politiker und Industrien die Freiheiten der heutigen und vor allem der zukünftigen Generationen derart bedrohen?“

>> Quelle und Zitat: Neubauer, Luisa (2019): „Informiert euch! Viele Politikjournalisten haben eine Meinung zum Klima, aber leider wenig Ahnung. Auch deshalb werden Debatten lautstark ausgetragen – während die Regierung von kritischen Nachragen verschont bleibt. Ein Gastbeitrag.“ in: Die Zeit, Nr. 20/9.5.2019, S. 5.

  • Die aktuellste Nebelkerze der Bundesregierung oder auch: die neue Rückzugslinie lautet: Klimaschutz müsse sozialverträglich sein, niemand dürfe zurückgelasssen werden. Sonst drohten Zustände wie im Frankreich der Gelbwesten.
    • Das blöde an solchen „Argumenten“ ist, dass sie nie ganz falsch sind, sondern eine Teilwahrheit beinhalten, aber den Schwerpunkt falsch setzen.
    • Der Vergleich zu Frankreich ist das typische Politiker*innen-Spiel mit der Angst – Macron hat schlicht handfeste Fehler gemacht, die wir – gerade auch auf Basis von Macrons Erfahrung – leicht vermeiden können.
    • Natürlich soll Klimaschutz sozialverträglich sein – das stellt auch niemand in Frage. Hier wird also eine Trivilialität zur Message aufgeblasen, die letztlich unterstellt, es gäbe in der (linken) Politik, Politiker*innen, die den sozialen Aspekt nicht sehen.
    • Sozialverträglich soll Klimaschutz sein, und das haben wir immer auf dem Schirm zu halten – und richtig ist trotzdem: Die grundlegende Priorität muss logisch eine andere sein: Ohne Klima ist alles nichts, also können ungewünschte Veränderungen und auch soziale Härten entstehen. Alles muss unter einen Klimavorbehalt gestellt werden. Alles andere ist Traumtänzerei.
    • Auf die Vorbedingung „Sozialverträglichkeit“ des Hamburger Bürgermeisters Tschentscher – der auch das Klimapaket großartig findet (Stand Herbst 2019) – reagiert Luisa Neubauer: „‚So zu tun, als sei Klima eine Sache, die man verhandeln kann, das stimmt einfach nicht. Das ist annähernd leugnerisch’… Klimaschutz müsse stattdessen die Grundlage aller politischen Entscheidungen sein.“
      >> Quelle und Zitat: n.n. (2019): „Klima-Diskussion: Aktivistin gibt Tschentscher Kontra“. in: NDR 90,3, online unter https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Klima-Diskussion-Aktivistin-gibt-Tschentscher-Kontra-,klimawoche142.html (Abrufdatum 3.10.2019)

  • Um soziale Härten zu vermeiden bedarf es nicht weniger Klimaschutz, sondern mehr:
    • Das Weiter so führt ins Aus. Beharren ist daher keine Lösung.
    • Ein Sprung nach vorne, d.h. Veränderung um unseres Wohlstandes willen – ist anstrengend, aber unsere Chance.

  • Um soziale Härten zu vermeiden bietet es sich an, als Gesellschaft unseren Lebensstil nachhaltig zu überdenken und die große (finanzielle) Ungleichheit in Deutschland zugunsten einer größeren Gleichheit zu beenden. Hier können Regeln, Verbote und ordnungsrechtliche Neuregelungen im Sinne der großen Mehrheit der Bürger*innen wirken. (Zumal nicht einzusehen ist, dass ein Reicher z.B. das Klima weiterhin totfliegt ohne Einschränkung – nur weil er es sich leisten kann.)

  • Von einem solchen, großen Gesellschaftsprojekt, mit dem wir die alten Ungleichheiten gleichsam parallel zum Klimaschutz loswerden, spricht zurzeit rechts der Grünen niemand.

Attribution Science: Schlechte Zeiten für Klimaleugner |
WDR (15.11.2017)
www.youtube.com/watch?v=lQ_5SbbOH1g Abrufdatum 24.7.2019
  • Die stets aufkeimende Diskussion bei jedem Extremwetter nach dem Motto „Ist das noch Wetter oder doch schon Klima?“ – „Ist der Sturm X oder ein Extremwetter Y ein Resultat der Klimakrise oder einfach nur ein Sturm bzw. ein Unwetter, das auch ohne die Erderwärmung eingetreten wäre?“

    • Diese Diskussion ist an sich irrelevant, weil sie den wissenschaftlichen Fakten nichts hinzufügt oder deren Gültigkeit relativiert.

    • Seit einigen Jahren sind solche Fragen gut zu beantworten, u.z. durch das neue wissenschaftliche Fachgebiet namens ‚Event Attribution Science‘: Die ‚Attributions-Wissenschaft‘ oder auch ‚Zuordnungsforschung‘. Hier berechnen die Forscher – vornehmlich ein Kreis um die deutsche Klimaforscherin Friederike Otto – mit den etablierten Wetter- und Klimamodellen die Wahrscheinlichkeit eines Wetterereignisses zweimal: Einmal unter den aktuellen CO₂-geschwängerten Bedingungen und einmal unter den Bedingungen „einer simulierten [vorindustriellen] Welt, die eben nicht mit Unmengen an Treibhausgasen wie Kohlendioxid aufgeheizt worden ist“ (Evers 2017). Eine deutliche Differenz der beiden Wahrscheinlichkeiten markiert den statistisch signifikanten Einfluss des Klimawandels.
      • Ein Beispiel: „So kamen durch die Gluthitze im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh im Jahr 2015 mit Temperaturen bis zu 48 Grad über 1800 Menschen ums Leben, vor allem in den Elendsvierteln, wo es weder Klimaanlagen noch Schatten spendende Bäume gibt. Wir fanden heraus, dass eine solche Hitzewelle durch den Klimawandel fort etwa doppelt so wahrscheinlich geworden ist“ (Otto 2019, 105).
    • Hilfreich ist, dass der Befund der Klimaforscher*innen innerhalb weniger Tage erfolgt, was ihnen den Titel „Climate SWAT Team“, d.h. „Klima-Spezialeinheit“ (vgl. Otto 2019, 76), eingebracht hat. Somit können sich Klimaforscher*innen nun mittlerweile doch zum Thema „Wetter“ äußern – und das noch in der Phase, in der ein Thema für Mensch, Politik und Medien relevant ist.
    • Dieser neue Wissenschaftszweig ist derart erfolgreich (und wichtig!), dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) als erste Wetterdienst weltweit spätestens ab 2020 regelmäßig entsprechende Studien zum „Fingerabdruck des Klimawandels“ (Otto 2019, 135)= veröffentlichen wird.

>> weitere Details und Beispiele siehe LLL-Beitrag: https://faq.lebelieberlangsam.de/wie-kann-man-extremwetterereignisse-vom-klimawandel-unterscheiden
>> Quelle: Evers, Marco (2017): „Meteorologie: Was hat Hurrican ‚Irma‘ mit dem Klimawandel zu tun, Frau Otto?“ in: Der Spiegel, 38/2017, 19.9.2017, online unter: http://www.spiegel.de/spiegel/friederike-otto-deutsche-physikerin-in-oxford-entschluesselt-den-klimawandel-a-1168623.html (Abrufdatum 12.12.2018)
>> Quelle “ Andhra Pradesh“, „Climate SWAT Team“, „Fingerabdruck des Klimawandels“: Otto, Friederike (2019): Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme. Ullstein, S. 105, 76, 135. [Buch über die Zuordnungswissenschaft/Event Attribution Science].

Die Klimakrisen-Wahrheit, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verschweigt:

„Es wie bei vielen Krankheiten: Je länger man wartet, desto unangenehmer wird die Therapie.“

>> Quelle: Martin Kolmar, Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen – über die Erfordernis möglichst schnell umfassend zu handeln.

Zurück zur handfesten Klimawissenschaftsleugnung: Dies ist eine Einstellung, mit der man sich ins Abseits stellt. Daher empfehle ich umgehenden Aufmerksamkeitsentzug und sofortige Rückkehr zum eigentlichen Thema der Party-Diskussion:

  • Es ist nicht unsere Aufgabe, Menschen von etwas zu überzeugen, von dem sie nicht überzeugt werden wollen. Und: Wer z.B. schlicht nicht weiß, was unabhängige Wissenschaft bedeutet und meint, sich auf Basis von Nicht-Wissen eine Meinung über erwiesene Fakten bilden zu können, nur auf ihm genehme Meinungen hört oder Verschwörungstheorien anhängt, den wird man auf einer Party, bei einer Diskussion mutmaßlich nicht auf den Boden der Tatsachen holen können. Da erscheint es m.E. sinnvoller, wenn diese Person – anstatt auf sie einzugehen – im Kreis der übrigen Teilnehmer*innen mitbekommt, wie die weitere faktenbasierte Diskussion ihren Lauf nimmt und wie andere Menschen mit dem Thema umgehen.

Fazit des Abschnitts „Klimawissenschaftsverweigerung“:

Aber… Kein aber.

Lieber Aberer*innen, die Zeit des „aberns“ ist vorbei. „Aber“ gilt nicht mehr. Für Aber haben wir keine Zeit mehr.

… und da kommt auch niemand, der noch mal eben schnell was erfindet…


Technologiegläubigkeit: Ein Konservatismus der besonderen Art.

Eine Wahnsinns-Idee.

Unter denjenigen, die die Klimakrise, das sechste Massenaussterben, die Endlichkeit der Ressourcen und allgemein die Grenzen des Wachstums, nicht wirklich auf der Pfanne haben, gibt es Menschen, die alles beim Alten lassen möchten – und zu diesem Zweck tief und irreversibel in die Chemie und Physik des Systems Erde eingreifen würden: Per Geo-Engineering. Da bliebe: Nichts beim Alten. Das würde einen ganzen Planeten inkl. Menschheit, Fauna und Flora zu Teilnehmern eines gigantischen Experiments mit ungewissem und potenziell vernichtenden Ausgang machen. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

Obwohl… doch: Mein derzeitiger Favorit unter all den wunderbaren, faszinierenden Projektideen: Eine Mauer um die Antarktis, damit die Eisberge nicht abbrechen und fort schwimmen können. Denn: Dann schmilzt das Eis auch ganz bestimmt nicht. Ich bin dabei! Gleich Morgen steig‘ ich in einen Fischkutter und bringe mal eben auf einen Sprung das Baumaterial für 17.968 Kilometer Küstenlinie da hin. Ein Klacks.

Bei Dagobert-Duck-Geschichten in den Micky Mäusen hat so was auch immer funktioniert.

>> Siehe LLL-News-Beitrag: OMG des Tages: Eine Mauer um die Antarktis



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