Eckdaten: °C, CO2 & Co.

Klimakrise in Zahlen: CO₂-Emissionen in Deutschland

Eine kleine gute Nachricht vorweg: Seit 1990 sind die CO₂-Emissionen in Deutschland in einer sanft, aber insgesamt deutlich abfallenden Gerade zu veranschaulichen:

1990 = 1252 Mio t CO₂
2016 = 909 Mio t CO₂ (=-27%)

>> Quelle: n.n. (2018): „Klimaschutzbericht 2018“. in: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. online unter: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/klimaschutzbericht_2018_bf.pdf (Abrufdatum 21.6.2019)

Aber die weniger gute Nachricht lautet: 27% sind nun mal keine 40%:

Deutschland verfehlt damit deutlich das Klimaschutzziel des Aktionsplanes Klimaschutz 2020, demzufolge die CO₂-Emissionen um 40% gegenüber 1990 zurückgefahren werden mussten (vgl. ebd. 9). Dieses Scheitern ist derzeit Gegenstand der sog. Greenpeace-Klimaklage, in der Greenpeace den Standpunkt vertritt, dass der Aktionsplan Klimaschutz 2020 verbindlich ist und daher nicht einfach – wie geschehen – in den Koalitionsverhandlungen im Frühjahr 2018 quasi per Nebensatz vom Tisch gefegt werden kann.

Transparenz durch Offenlegung: Der Autor dieses „Party-Kit Klimakrise“ hat im Januar 2019 einen 23-seitigen Antrag auf Beiladung zur Greenpeace-Klimaklage gestellt. Begründung: Nicht nur (Öko-)Bauern oder Menschen in besonderen geologisch vulnerablen (verletzlichen) Gegenden sind schon gegenwärtig und in absehbarer Zukunft persönlich, unmittelbar und evtl. sogar existenziell von den Folgen der Klimakrise betroffen, sondern auch ich als im Jahrgang 1971 geborener Bürger der Stadt Hamburg. Und wenn ein Durchschnittsbürger wie ich in dieser eindeutigen Weise betroffen ist, dann ist quasi jede(r) Bürger*iIn Deutschland in gleichartiger Weise betroffen. Diese Betroffenheit wird dann ausführlich erörtert und zeichnet ein gleichermaßen fundiertes wie detailliertes Bild, was uns in Deutschland gemäß aktuellem Forschungsstand mutmaßlich „blühen“ wird. Siehe LLL-Beitrag: „Antrag auf Beiladung zur Greenpeace-Klimaklage gegen die Bundesregierung

>> s.a. https://act.greenpeace.de/klimaklage (Abrufdatum 21.6.2019)

Die Bundesregierung zum Nicht-Erreichen des Aktionsplanes Klimaschutz 2020: Die Wirtschaft sei seit 1990 deutlich gewachsen – und trotzdem seien die CO₂-Emissionen zurückgegangen.

Hm. Ja, klingt erst einmal gut und plausibel.

Aber: Dieses Wirtschaftswachstum kam nicht wirklich überraschend und die Tatsache, dass die Wirtschaft gemäß aktuellem Wirtschaftssystem wächst bzw. wachsen soll, wurde selbstredend bei Festsetzung des Aktionsplanes Klimaschutz 2020 erwartet und einkalkuliert: Eine nicht statthafte Relativierung, ein Ablenkungsmanöver.

Und ein weiteres Mal sei darauf verwiesen:
Die Natur lässt nicht mit sich verhandeln. (Siehe Abschnitt Die Natur kennt uns gar nicht.)

>> Quelle für das Gegen“argument“: Peter Altmaier im Gespräch in „Klimaretter Deutschland. Gut gedacht, schlecht gemacht?“ in: Maybrit Illner, 13.12.2018. online unter: https://www.youtube.com/watch?v=sRUx0RtXa68 (Abrufdatum 21.6.2019)

Ich denke, wir können uns darauf verständigen, dass die deutsche Politik nach anfänglichen Erfolgen im Bereich „Energiewende“ vor allem eines tut: reden.

„Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es.“

Quelle: Konstantin Wecker, Refrainzeile des gleichnamigen Liedes von 2011, hier heißt es auch: „Wie man das Klima der Erde rettet – nun ganz bestimmt nicht, indem man jettet.“

>> siehe dazu auch Abschnitt Ausreden und Ablenkungsmanöver.

Zurück zu den Zahlen:


Klimakrise in Zahlen:

CO₂-Emissionen in Deutschland, aufgegliedert nach Sektoren:

Erläuterung: Das „e“ hinter CO₂ steht für „Äquivalente“: Die Wirkung anderer Treibhausgase wird zur Vereinfachung in CO₂-Wirkung umgerechnet und zum CO₂-Wert hinzugerechnet. (s.a. Abschnitt Die Physik des Klimawandels.)

  • Energiewirtschaft:
    • 343 Mio t CO₂e = 38% (1990=466 Mio t CO₂e)
    • Allein RWEs Braunkohlekraftwerke haben einen Anteil von etwa 13% an den Gesamtemissionen Deutschlands
  • Industrie:
    • 188 Mio t CO₂e = 21% (1990=92 Mio t CO₂e = -34%)
      • Emissionen aus Verbrennungsprozessen und der Eigenstromversorgung des produzierenden Gewerbes sowie die Emissionen aus gewerblichen und industriellen Prozessen und der Produktverwendung (unter anderem auch von fluorierten Treibhausgasen, den sogenannten F-Gasen)
  • Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD)
    • 39 Mio t CO₂e = 4% (1990>>2016 = -50%)
      • Emissionen aus Verbrennungsprozessen in Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD; auch als „Kleinverbrauch“ bezeichnet), die im Wesentlichen der Wärmebereitstellung (Brennstoffe für Raumwärme, Kochen und Warmwasser in Nichtwohngebäuden) und Prozesswärme/-kälte dienen
  • Haushalte
    • 91 Mio t CO₂e direkte Emissionen (ohne Strom und Fernwärme) (1990>>2016 = -31%)
      • fallen fast ausschließlich bei der Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser in Gebäuden an.
  • Verkehr
    • 166 Mio t CO₂e = 18,2% (1990 = 163 Mio t CO₂e)
      • Verbrennung von Kraftstoffen im Straßen-, Schienen- und nationalen Luft- und Seeverkehr. Nicht enthalten sind der land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Kraftstoffeinsatz (der im Sektor Landwirtschaft bilanziert wird) sowie die Treibhausgasemissionen aus internationalem Luft- und Seeverkehr.
  • Landwirtschaft
    • 72 Mio t CO₂e = 7% (1990 = 90 Mio t CO₂e = -20%)
      • Emissionen der Landwirtschaft Methan- und Lachgasemissionen aus der Tierhaltung und dem Düngemanagement sowie Kohlendioxidemissionen aus dem landwirtschaftlichen Kraftstoffeinsatz
  • Übrige Emissionen
    • 10 Mio t COe = 1%
      • Methan- und Lachgasemissionen aus der Abfall- und Wasserwirtschaft – seit 1990 um fast 73% gesunken, maßgeblich aufgrund des Verbots „der Deponierung organisch abbaubarer Siedlungsabfälle“

>> Quelle dieses Abschnitts: n.n. (2018): „Klimaschutzbericht 2018“. in: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. online unter: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/klimaschutzbericht_2018_bf.pdf (Abrufdatum 21.6.2019)

>> Quelle „RWE“: n.n. (2019): „Braunkohlenkraftwerke – Klimakiller Nr. 1“. in: BUND NRW, online unter: https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/hintergruende-und-publikationen/braunkohlenkraftwerke/ (Abrufdatum 24.6.2019)

Der Sektor „Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“ (LULUCF) wird bei der Berechnung des geänderten CO₂-Regimes beim Aktionsplan Klimaschutz 2020 nicht einbezogen. „Laut aktuellem Projektionsbericht entwickelt sich der gesamte LULUCF-Sektor im Zeitraum zwischen 2015 und 2020 von einer Senke zu einer Quelle für Treibhausgase… Das ergibt sich [u.a.] aus … einer … abnehmenden Senkenleistung im Wald “ (ebd.)



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