11 Milliarden Menschen

Weltbevölkerungsentwicklung & Ernährung der Weltbevölkerung: Zwei gute Nachrichten inmitten der vielen schlechten.


Ein oft bemühtes, aber dennoch vollkommen falsches Man-kann-ohnehin-nichts-machen-Argument ist das von der angeblichen Bevölkerungsexplosion. Diese fällt aus.

Gute Nachricht:
Weltbevölkerungsentwicklung

Daten zur Weltbevölkerungsentwicklung, in Generationen gedacht:

  • 1924 1,9 Mrd (1.931.439.861) (Geburtsjahr meines Opas)
  • 1950 2,5 Mrd (2.525.149.312) (Geburtsjahr meiner Mutter)
  • 1971 3,8 Mrd (3.757.734.668) (mein Geburtsjahr)
  • 1998 6,0 Mrd (5.971.882.825) (Geburtsjahr der nächsten Generation) (vgl. Roser 2019)
  • Aktuell 7,75 Mrd (Stand: 12-2019) (vgl. n.n. 2019)
  • 2100 UN-Prognose ca. 11 Mrd – „Die UN geht davon aus, dass sich die Weltbevölkerung im Jahr 2100 zwischen 10 und 12 Milliarden einpendeln wird.“ (Rosling 2018, 106).

Eine aktuelle UN-Studie vom Juni 2019 prognostiziert „10,9 Milliarden Menschen im Jahr 2100.“ (Stöcker 2019)

Das sind natürlich eine Menge Menschen, aber der entscheidende Punkt ist, dass die Kurve eben NICHT exponentiell nach oben zeigt, sondern sich mehr und mehr abflacht. Der Background:


Hans Rosling, Arzt und Experte für internationale Gesundheit, hebt hervor, bis etwa ins Jahr 2000 immer mehr junge Erwachsene (langsam aber sicher) immer weniger Kinder bekommen haben:

  • In der Vergangenheit war es so, dass immer größere Eltern-Generationen jeweils viele Kinder zur Welt brachten. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren es weltweit im Schnitt fünf Kinder pro Frau – aber: nach 1965 sank diese Zahl allmählich und überaus deutlich auf knapp 2,5 Kinder. Parallel dazu wurde die gesundheitliche Versorgung extrem verbessert, die Überlebensrate von Kindern stieg stark an – und die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben nahm stark ab.

„Die überwiegende Mehrheit der Milliarden Menschen, die ihre extreme Armut hinter sich lassen konnten, entschied sich dafür, weniger Kinder zu haben. Sie benötigten nicht mehr die Großfamilie und die Arbeitskraft zahlreicher Kinder, um die familiäre Landwirtschaft betreiben zu können. Und man brauchte auch keine kinderreiche Familie mehr, um sich gegen die Kindersterblichkeit abzusichern. Männer wie Frauen bekamen Zugang zu Bildung und begannen, besser ausgebildete und besser ernährte Kinder haben zu wollen, und weniger davon zu haben war die offensichtliche Lösung.“ (Rosling 2018, 107-108)


Stabiles Niveau der Weltbevölkerung = 2,1 Kinder pro Frau (Stotz 2019)


Von Rosling stark vereinfacht (und hier nochmals simplifiziert) ausgedrückt, leben seit etwa dem Jahr 2000 stets zwei Milliarden Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren auf der Erde. Die UN prognostiziert, dass dies auch im Jahr 2100 so sein wird. Ergebnis: Die Zahl der Kinder steigt nicht mehr an.
Und das bedeutet etwas – vom Mechanismus her – sehr einfaches:

  • Nachdem einige Generationen lang mit jeder Generation mehr Menschen auf der Erde leben, weil eben jeweils erstmals eine 2-Milliarden-Generation die nächste Alterskohorte erreicht, nivelliert sich dies, wenn die erste 2-Milliarden-Generation aus dem Jahre 2000 die nunmehr älteste Kohorte darstellt, auf 10 Milliarden (Fünf 15-Jahres-Generationen à zwei Milliarden Menschen).


Noch einmal anders ausgedrückt:
Fünf 15-Jahres-Generationen lang wird diese Zahl ‚Zwei Mrd Menschen‘ durch die (zuvor nur eine Mrd Menschen umfassenden) Altersklassen weitergereicht, sodass hiermit nach fünf Generationen – etwa im Jahre 2060 – ein Plateau erreicht wird.

  • Die UN rechnet damit, „dass die Lebenserwartung sich bis zum Jahr 2100 etwa um elf Jahre verlängert haben dürfte, wodurch bis etwa 2075 eine [weitere] Milliarde ältere Menschen hinzukommen…“ (Rosling 2018, 110) – sodass die Weltbevölkerung bei etwa 11 Milliarden Menschen plus/minus eine Milliarde eingepegelt ist.


„Es wird erwartet, dass der dramatische Rückgang an Geburten pro Frau sich fortsetzen wird, solange mehr Menschen aus der extremen Armut herausfinden und mehr Frauen zu Bildung, sexueller Aufklärung und Verhütungsmitteln bekommen. Drastische Maßnahmen sind nicht nötig…. [D]ie globale jährliche Anzahl an Geburten [hat] bereits aufgehört, weiter anzusteigen, was bedeutet, dass die Phase des schnellen Bevölkerungswachstums bald vorbei sein wird. Wir erreichen gerade ‚peak child‘, die maximale Kinderzahl.“ (Rosling 2018, 108-109)

Das oft gehörte Argument und die dazugehörige Medienberichterstattung (die i.d.R. nicht durchschnittliche Alltagsgeschichten, sondern die sensationelle Story sucht = ‚exemplarische Argumentation‘) zu besonders kinderreichen Gegenden bzw. der Verweigerung von Verhütungsmitteln aus religiösen Gründen bezeichnet Rosling als: Ausnahmen (vgl. ebd. 112f.).

In diesem Sinne verweist der Demograf Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, darauf, dass

  • „Iran… den schnellsten Fertilitätsrückgang weltweit erlebt – von 6,5 auf 1,8 Kinder innerhalb einer Generation. Kluge Politik ist unabhängig von der Religionszugehörigkeit.“ (Schmundt 2019a,113)


Im gleichen Zusammenhang weist Rosling darauf hin, dass das Überleben von Kindern durch bessere medizinische Versorgung zu weniger geborenen Kindern führt:

  • „Sobald die Eltern… sehen, dass die Kinder überleben, sobald die Kinder nicht mehr als Arbeitskräfte benötigt werden und sobald Frauen eine gewisse Bildung haben und über Verhütungsmittel Bescheid wissen und Zugang zu diesen haben, werden Männer und Frauen [wie bislang überall auf der Welt] Kultur- und Religions-übergreifend danach streben, weniger, aber dafür gut ausgebildete Kinder zu haben.“ (Rosling 2018, 115)


Es könnte laut dem Club of Rome sogar noch besser laufen für die Menschheit:

  • „Eine … Studie von KC und Lutz [aus dem Jahre 2014] schätzt, dass eine bessere Bildung zu einer Milliarde weniger Menschen im Jahr 2050 führen kann, als dies derzeit erwartet wird.“ (Weizsäcker et al. 2017, 70-71)

>> Erläuterung Club of Rome: Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus aller Welt aus diversen Fachbereichen. Berühmt wurde der Club of Rome 1972 durch die Veröffentlichung des Bestsellers Die Grenzen des Wachstums, welches der Menschheit global erstmals klarmachte, dass ein endloses Wachstum in einer begrenzten Welt nicht geben kann und mit Umweltverheerungen einhergehen muss. (s.a. Aspekt Wir haben’s nicht gewusst in Abschnitt Klimawissenschaftsleugner*innen auf Partys bzw. bei Diskussionen.)


Im Mai 2019 zitiert der Spiegel ein Buch von Darell Bricker und John Ibbitson namens „Empty Planet“ sowie eine weitere Studie, deren „Autorenliste … sich [liest] wie ein Who’s who der Demografenbranche. Beide Quellen kritisieren die UNO-Zahlen als deutlich zu hoch und klagen, dass die UNO dem Faktor Bildung eine zu geringe Berücksichtigung schenke und zudem übersehe, dass „[g]egen Mitte des Jahrhunderts… der [Bevölkerungs-]Schwund [analog zu den Industrienationen]… auch riesige Schwellenländer wie Chile, Indonesien oder Brasilien“ erfasst. (Schmundt 2019b, 103)


Einer der Autoren o.g. Studie, Demograf Lutz, geht von dem Weltbevölkerungsmaximum von neun Milliarden Menschen aus und erklärt:

  • „Das Gehirn ist das wichtigste Reproduktionsorgan… Schon wenig Bildung macht einen Unterschied. Wenn Frauen verstehen, dass Kinderkriegen nicht gottgegeben ist, sondern eine bewusste Entscheidung sein kann, ihre Entscheidung, bekommen sie automatisch weniger Kinder. je besser sie die sozialen und ökonomischen Kosten verstehen, die ein Kind mit sich bringt, desto strategischer planen sie. Teenager-.Schwangerschaft werden weniger, Frauen beginnen zu verhüten, und da sie ihrem Nachwichs die besten Chancen ermöglichen wollen, fördern sie lieber wenige Kinder viel als viele Kinder wenig.“ (Zeit: Berbner 2019, 17)

Ein Geburten-reduzierender Faktor ist die Urbanisierung. Bezogen auf die Landflucht im Zeichen der Industrialisierung Europas aber auch auf die heutige Entwicklung hält Bastian Berbner in der Zeit fest:

  • „Auf dem Land waren Kinder hilfreich gewesen. Zwei Hände mehr zum Säen und Ernten. In der Stadt lebten viele Arbeiter in winzigen Wohnungen… Beim Geldverdienen konnten Kinder kaum helfen, essen mussten sie aber trotzdem.“ (ebd. 16)


Die Urbanisierung schreitet fort.

„Keine Region der Welt wird sich laut Prognosen der Vereinten Nationen schneller urbanisieren als Afrika.“ (ebd. 16)

Rosling, Hans (2014): „Will saving poor children lead to overpopulation?“ in: Gapminder Foundation, 20.1.2014, online unter https://youtu.be/BkSO9pOVpRM (Abrufdatum 15.11.2019)

Zurück zu Hans Rosling, der wie oben ausgeführt zeigt, dass das Überleben von Kindern durch bessere medizinische Versorgung zu weniger geborenen Kindern führt. Darüber hinaus reduziert die Bewahrung von Leben sogar das Bevölkerungswachstum:

  • „Die einzige Methode, die sich bei der Reduzierung des Bevölkerungswachstums bewährt hat, besteht darin, extreme Armut zu beseitigen und den Menschen ein besseres Leben, einschließlich Zugang zu Bildung und Verhütungsmitteln, zu ermöglichen. Überall auf der Welt haben Eltern dann für sich selbst beschlossen, weniger Kinder zu bekommen. Aber dieser Wandel trat nie ein, wenn es nicht gelang, die Kindersterblichkeit zu senken.“ (Rosling 2018, 115)


Zusammenfassend hält Reiner Klingholz fest:

  • Wer die Kindersterblichkeit senkt, „[w]er in Gesundheit, Bildung und Jobs investiert, wer darüber hinaus die Familienplanung unterstützt und sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt, kann gar nicht verhindern das der Wohlstand wächst und die Geburtenziffer sinkt.“ (Schmundt 2019, 112)

„Staatlicher Zwang [wie bei der Ein-Kind-Politik Chinas] ist weder erstrebenswert noch nötig.
Thailand hat den gleichen Geburtenrückgang wie China erlebt – ohne Zwangsmaßnahmen. In Thailand haben sich drei Instrumente bewährt…: Gesundheitsversorgung, Bildung und Jobs.“ (ebd.)

>> Anmerkung: Zu Zeiten der Ein-Kind-Politik hat die Chinesin Yanghua Wu vier Kinder bekommen, weil sie sie wollte. Weil sie sich seinerzeit der Zwangsabtreibung entzieht, „plündern [die Beamten]… das Haus …[,] zertrampeln die wenigen Besitztümer der Familie“ und belegen die Familie mit exorbitanten Geldstrafen und absurden Zahlungsfristen (24h), siehe: Jin, Justin (2018): „Eine Frau, vier Kinder. Ein Traum.“ in: Geo Perspektive 2018, S. 22ff.

So gelingt gemäß Reiner Klingholz der sog. „demografische Übergang“:

  • „Der demografische Übergang ist die einzige Theorie, welche die sozio-ökonomische Entwicklung sämtlicher Länder weltweit erklärt – von Deutschland bis Dschibuti. Grob vereinfacht beschreibt das Modell die Entwicklung von einer bäuerlich geprägten Gesellschaft mit vielen Kindern und hoher Sterblichkeit zu einer Gesellschaft mit geringen Kinderzahlen, hoher Bildung, Wohlstand und hoher Lebenserwartung.“ (Schmundt 2019, 113)
  • „In Südkorea kommen all die Effekte, die zu einem Rückgang der Bevölkerung führen, wie unter einem Brennglas zusammen. Bildungshunger. Aufstiegslust. Urbanisierung. Teure Wohnungen. Wohlstandsegoismus. Südkorea ist die extreme Ausprägung eines Effekts, der sich inzwischen fast überall auf der Welt zeigt.“


Interessanterweise funktioniert es i.d.R. nicht, die so geprägte Bevölkerung angesichts der drohenden Überalterung und Unterbevölkerung dazu zu bringen, wieder mehr Kinder zu bekommen. (vgl. Bsp. bei Berbner wie z.B. der „‚National Night’…, in der Paare [in Singapur] Sex haben sollen.“)

  • „‚Jetzt müsste sich das Land strategisch verkleinern‘, sagt … [der Demograf Lee Sang Lim]. ‚Aber das haben wir nicht gelernt…. Südkorea ist der Testballon für andere. Leider sieht es im Moment so aus, als werde er platzen.'“ Und: „Diese Gesellschaft wird zerstört werden.“ (Zeit: Berbner 2019, 17)
  • „In einige Regionen wird es … noch [Bevölkerungs-]Wachstum geben, während die meisten Gesellschaften schon mit der Alterung kämpfen. Spätestens dann dürfte der Wettbewerb um Einwanderer einsetzen. Um die letzten jungen Leute. Sie werden aus Afrika kommen… – zumindest für einige Jahrzehnte. Bis auch Afrika schrumpft.“ (ebd.)


>> In anderen Worten beschreibt auch Patrick Stotz im Spiegel die hier skizzierte globale Bevölkerungsentwicklung, siehe
> Stotz, Patrick (2019): „Globale Bevölkerungsentwicklung Ist die Welt bald zu voll?“. in: Spiegel, 13.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/warum-waechst-die-weltbevoelkerung-bei-sinkender-geburtenquote-a-1292974.html (Abrufdatum 14.11.2019)


Diese in den voranstehenden aufgestellte Bevölkerungsentwicklungs-Rechnung funktioniert selbstredend nur, wenn künftig kein überbordendes Klimachaos entsteht und wenn allen Menschen neben o.g. Rahmenbedingungen weiterhin (noch mehr) moderne Verhütungsmittel zur Verfügung stehen:

  • Dies wird bedauerlicherweise derzeit von den USA sabotiert, die noch 2015 viertgrößter Geldgeber (75 Mio US-$) für UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, dessen Aufgabe es ist, „sicherzustellen, dass jede Schwangerschaft erwünscht ist, jede Geburt sicher und das Potenzial jedes Kindes erfüllt wird“ (NZZ: n.n. 2017a), waren und 2017 unter Trump die Gelder komplett strichen. (vgl. auch Welt: n.n. 2017b)


Wie dramatisch diese Kürzung ist, verdeutlicht dieses Statement:

  • „Meeting the unmet need for modern contraception of women aged 15-19 would reduce unintended pregnancies among this age-group by 6.0 million annually. That would mean averting 2.1 million unplanned births, 3.2 million abortions and 5.600 maternal deaths.“ (Darooch et al. 2017)


Bevölkerungsentwicklung und Klimakrise.

Abschließend ist noch zu betonen, dass die Geburtenrate im Südsudan oder sonst wo im globalen Süden nicht das Grundproblem unserer Welt ist.

Franziska Bulban fasst das treffend wie folgt zusammen:

  • „[D]ie Tatsache, dass die Menschheit über ihre Verhältnisse lebt, kann man nicht Menschen in Südsudan unterschieben.

    • Wenn wir alle wie sie lebten, kämen wir mit unseren Ressourcen aus … – hätten aber auch oftmals keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Elektrizität oder Bildung.

    • Wenn hingegen alle auf der Welt ungefähr so lebten wie Menschen in Deutschland, wäre es um die Welt schlechter bestellt. Mit meinem Verbrauch (mittelgroße Wohnung in Hamburg, Fahrrad, eine große Urlaubsreise pro Jahr und etwa vier paar Schuhe) bräuchte es beispielsweise schon drei Erden…

  • Wenn es also darum geht, die Zahl an Menschen zu reduzieren, um den Planeten zu retten, dann hätten weniger Menschen in Industrienationen den größten Einfluss auf die Rettung der Welt.“ (bento/Spiegel: Bulban 2019)


Im Gleichklang damit konstatiert auch Bastian Berbner:

  • „Sollte die Welt daran scheitern, den Klimawandel zu stoppen, dann wird das nicht an den zusätzlichen Menschen im Niger liegen, sondern daran, dass die Industrieländer es nicht schaffen, rechtzeitig ihre Emissionen zu senken.“ (2019, 16)

Quellen des Abschnitts Gute Nachricht: Weltbevölkerungsentwicklung

>> Berbner, Bastian (2019): „Mensch, wir werden weniger“. in: Die Zeit 47/14.11.2019, S. 17.

>> Bulban, Franziska (2019): „Überbevölkerung: Was Rassismus, Sexismus und die Klimakrise mit dem Wort zu tun haben“. in: bento – das junge Magazin vom Spiegel, 14.11.2019, online unter https://www.bento.de/politik/ueberbevoelkerung-was-rassismus-sexismus-und-die-klimakrise-damit-zu-tun-haben-a-9b911d60-d6ff-4dfc-a807-398e6aab61d7#refsponi (Abrufdatum 15.11.2019)

>> Darooch, Jacqueline et al. (2017): „Adding it up: Costs and Benefits of Meeting the Contraceptive Needs of Adolescents“. Guttmacher Institute.

>> Jin, Justin (2018): „Eine Frau, vier Kinder. Ein Traum.“ in: Geo Perspektive 2018, S. 22ff.

>> n.n. (2017a): „USA stoppen Zahlungen an den Uno-Bevölkerungsfonds“. in: NZZ, 4.4.2017, online unter https://www.nzz.ch/international/usa-stoppen-zalungen-an-den-uno-bevoelkerungsfonds-ld.155227 (Abrufdatum 31.5.2019)

>> n.n. (2017b): „USA wollen Geld für den Weltbevölkerungsfonds streichen“. in: Die Welt, 4.4.2017, online unter https://www.welt.de/newsticker/news1/article163393781/USA-wollen-Geld-fuer-den-Weltbevoelkerungsfonds-streichen.html (Abrufdatum 31.5.2019)

>> n.n. (2019): „Weltbevölkerungsuhr“. in: countrymeters.info, online unter https://countrymeters.info/de/World (Abrufdatum 9.12.2019)

>> Stöcker, Christian (2019): „Kampf gegen Klimakrise: Die Bevölkerungsexplosion fällt aus.“ in: Der Spiegel, 23.6.2019, online unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimakrise-die-bevoelkerungsexplosion-faellt-aus-a-1273492.html (Abrufdatum 23.6.2019)

>> Roser, Max et al. (2019): „World Population Growth“. in: Our World in Data.org, online unter https://ourworldindata.org/uploads/2013/05/WorldPopulationAnnual12000years_interpolated_HYDEandUNto2015.csv (Abrufdatum 23.6.2019)

>> Rosling, Hans (2018): Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Ullstein.

>>Rosling, Hans (2014): „Will saving poor children lead to overpopulation?“ in: Gapminder Foundation, 20.1.2014, online unter https://youtu.be/BkSO9pOVpRM (Abrufdatum 15.11.2019)

>> Rosling, Hans (2018): Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Ullstein.

>> Schmundt, Hilmar (2019a): „‚Wir sind spät dran‘. Globalisierung: Der Demograf Reiner Klingholz erklärt, wie Afrika aus der Überbevölkerungsfalle entkommen kann – und welche Länder auf diesem Weg bereits erfolgreich sind.“. in: Der Spiegel, Nr. 24/8.6.2019, S. 113.

>> Schmundt, Hilmar (2019b): „Leerer Planet“. in: Der Spiegel, Nr. 21/18.5.2019, S. 103.

>> Stotz, Patrick (2019): „Globale Bevölkerungsentwicklung Ist die Welt bald zu voll?“. in: Spiegel, 13.11.2019, online unter https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/warum-waechst-die-weltbevoelkerung-bei-sinkender-geburtenquote-a-1292974.html (Abrufdatum 14.11.2019)

>> Weizsäcker, Ernst Ulrich von/Wijkman, Anders et al. (2017): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Club of Rome: Der große Bericht. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.


Eine zweite gute Nachricht:
Ernährung der Weltbevölkerung

Auch die prognostizierten 11 Milliarden Menschen können dauerhaft (und zwar selbstredend besser und zuverlässiger als derzeit), indem der Fokus auf pflanzliche Ernährung gelegt wird. Das ergibt sich ganz simpel aus der Tatsache, dass zurzeit extrem große Ackerflächen für Massentierhaltung und die entsprechende Tiernahrung genutzt werden.


Die 2016er Studie Human appropriation of land for food: The role of diet, die in den IPCC-Sonderbericht Climate Change and Land aufgenommen wurde, stellt heraus, dass

  • nur die Hälfte der aktuellen Felder benötigt würden, wenn alle Menschen sich so ernähren würden wie die Bürger*innen Indiens – und
  • nahezu die dreifache Menge an Feldern, wenn die Menschheit die Essgewohnheiten der US-Amerikaner*innen übernehmen würden. (Alexander et al. 2016, vgl. Zeit: Mast 2019]


So wurde es auch in der 2015er Film-Doku Cowspiracy dargestellt. Auf der Facts-Webpage zum Film finden sich folgende Zahlen:

  • „1.5 acres can produce 37,000 pounds of plant-based food.“
  • „1.5 acres can produce 375 pounds of beef.“

    und:
  • „15x more protein on any given area of land with plants, rather than cows.“ (Kip/Kuhn 2015)

Auch die Zeit konstatiert:

„Schon heute wird genug Nahrung für elf Milliarden Menschen produziert.“ (Berbner 2019, 16.)



Wir sind aber ’nur‘ 7,75 Mrd Menschen (s.o.), haben genug Nahrungsmittel für 11 Mrd und bekommen es trotzdem nicht hin, alle Menschen satt zu bekommen.

Wie deprimierend ist das denn?

Es ist folglich definitiv ein Verteilungsproblem und kein Mengen-Problem. (Und ein Problem des Willens bzw. des neoliberalen Kapitalismus‘).


Was anhand obiger Zahlen ebenfalls deutlich wird, ist:

Und so viele Menschen zu ernähren, geht – anders als Agrarlobbyisten es predigen, weil es ihr Job ist – hervorragend ohne westlich-industrielle Landwirtschaft und Gentechnik.

  • Das wird täglich dadurch bewiesen, dass wir jetzt schon genug Lebensmittel für 11 Mrd Menschen haben, obwohl 80% der Äcker in irgendeiner Form für Massentierhaltung statt für die sachgerechte Ernährung aller Menschen genutzt werden.


Und das muss auch so sein, dass es ohne industrielle Landwirtschaft geht, denn industrielle Landwirtschaft laugt die Böden aus, wie der Co-Präsident des Club of Rome (bis 2018) Ernst Ulrich von Weizsäcker explizit herausstellt:

  • „Die intensive Bewirtschaftung durch Monokulturen laugt die Böden aus, sodass sie nur noch in geringem Umfang CO₂ aufnehmen können. Dabei sind gesunde Böden einer der größten Absorbierer von CO₂, das wiederum ihre Fruchtbarkeit stärkt.“ (Ruppel 2017)

Daneben verunreinigt der Einsatz von Kunstdünger bzw. Fäkalien das Trinkwasser mit Nitrat. (vgl. Abschnitt Bodenbewahrende Landwirtschaft)

  • Industrielle Landwirtschaft bedeutet nicht weniger als das, dass wir an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.


Zu dem Aspekt ‚industrielle Landwirtschaft löst das Problem nicht‘ meint der Agrarökologe Nick Green:

„Im Moment ernähren Kleinbauern mit Familienbetrieben die Welt.

Äußerst produktive Kleinstbetriebe liefern weltweit den Hauptanteil der Nahrung. Von industriellen Betrieben kommt nur ein Bruchteil. Was die Produktion angeht, sind industrielle Betriebe total ineffizient. Sie sind gut darin, Geld zu machen. Und schlechten darin, Nahrung anzubauen. Wenn die Leute selbst das Land besitzen, produzieren sie viel mehr.“

  • „Es stimmt nicht, dass nur industrielle Landwirtschaft die Welt ernähren kann. … Es ist ein Märchen, das uns die Chemieindustrie, die Hersteller landwirtschaftlicher Geräte und die Banken erzählen müssen, damit sie selbst überleben. Aber es ist nicht wahr. Es ist gelogen.“ (Laurent/Dion 2016, ab Minute 19:36)


Hilfreich wäre es indes, die Ozeane am Leben zu lassen – möglichst mit Fischen darin:

„Das Meer ist noch immer die größte Nahrungsquelle der Welt, auf die mehr als eine Milliarde Menschen direkt angewiesen sind.“

(BpB: Jarchau 2019)


Ohne Fisch wird’s düster.


Quellen des Abschnitts Eine zweite gute Nachricht: Ernährung der Weltbevölkerung

>> Alexander, Peter et al. (2016): Human appropriation of land for food: The role of diet, online unter https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959378016302370 (Abrufdatum 10.8.2019)

>> Berbner, Bastian (2019): „Mensch, wir werden weniger“. in: Die Zeit Nr 47/14.11.2019, S. 16.

>> Kip, Andersen u. Kuhn, Keegan (2015): Cowspiracy bzw. die dazugehörige Website http://www.cowspiracy.com/facts (Abrufdatum 23.6.2019)

>> Jarchau, Peter et al. (2019): „Nahrungsquelle Meer“. in: Bundeszentrale für politische Bildung, online unter http://www.bpb.de/apuz/32214/nahrungsquelle-meer?p=all (Abrufdatum 24.6.2019)

>> Laurent, Melanie u. Dion, Cyril: Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen. 2016.

>> Mast, Maria (2019): „Sonderbericht zum Klimawandel: So geht es nicht weiter“. in: Die Zeit, 8.8.2019, online unter https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-08/sonderbericht-klimawandel-ipcc-landflaechen-nutzung-nachhaltigkeit (Abrufdatum 10.8.2019)
> Diese Studie wurden in den IPCC-Sonderbericht Climate Change and Land vom August 2019 aufgenommen, siehe: https://www.ipcc.ch/report/srccl/ (Abrufdatum 10.8.2019).

>> Ruppel, Ulrike (2017): „Weltklimakonferenz – Von Weizsäcker: ‚Die Verteufelung des Verbrennungsmotors finde ich übertrieben'“. in: B.Z., 6.11.2017, online unter https://www.bz-berlin.de/deutschland/von-weizsaecker-die-verteufelung-des-verbrennungsmotors-finde-ich-uebertrieben (Abrufdatum 13.12.2019)



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